9.03.2020 14:02
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Deutschland
Milchpreis: Aldi erzürnt Bauern
In Deutschland haben hunderte Bauern vor Aldi-Verteilzentralen protestiert. Der Discounter hat in der vergangenen Woche angekündigt, die Milchpreise senken zu wollen. Begründet wird dies unter anderem mit dem Coronavirus. Aldi weist die Vorwürfe zurück. -> Mit Videos

In Deutschland sorgen Detailhändler bei den Milchbauern für Empörung. Aldi gilt im Milchmarkt als Taktgeber bei den Milchpreisen. Senkt der Discounter die Preise, ziehen die Rewe, Lidl und Co. nach.

Einkaufsmacht gebündelt

In der vergangenen Woche soll aber Aldi Druck aufgesetzt haben. Gemäss Lebensmittelzeitung haben Anfang März haben die Detailhändler bei den Vertragsverhandlungen mit Molkereien für Butter geringere Preise durchgesetzt. Nun soll offenbar auch der Einkaufspreis bei Frischmilchprodukte der Weissen Linie gedrückt werden, berichtete die Zeitung am Freitag.

Wie es weiter heisst, hat der Discounter mit seiner der Einkaufsorganisation «Aldi Global Sourcing» die Einkaufsmacht gebündelt. Die für den 1. Mai anstehenden Verhandlungen für die Halbjahresverträge will Aldi auf Mitte März vorziehen. Laut Lebensmittelzeitung wird eine Preissenkung angestrebt. Begründet wird dies einerseits mit den tieferen Preisen am Weltmilchmarkt wegen dem Coronavirus, und andererseits mit der gebündelten Einkaufsmacht.

Missbrauch von Nachfragemacht

«Wenn die Berichterstattung so zutrifft, dann ist dieses Einkaufsverhalten ein Paradebeispiel für den Missbrauch von Nachfragemacht und ein Fall für das Kartellamt, das hier einschreiten muss», kritisierte der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Karsten Schmal. 

Aldi und seine Mitbewerber würden jede Chance für niedrigere Einkaufspreise nutzten. Dass man dafür sogar das Coronavirus als Vorwand nutze, sei eine neue Qualität, so Schmal. Er fordert strengere Richtlinien für unlautere Handelspraktiken.

Bauern demonstrieren vor Aldi-Verteilzentralen

Am Wochenende haben mehrere hundert Bauern auf die Ankündigung von Aldi reagiert. Mit Traktoren fuhren sie vor mehreren Verteilzentren vor. Bei Wuppertal haben sich gemäss dpa rund 250 Landwirte mit rund 50 Traktoren vor dem Gebäude gegen das Gebaren von Aldi postiert.  «Ausbaden müssen das wieder die Viehbetriebe», sagte ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei angespannt, viele Landwirte wegen der Preispolitik verärgert. 

In Beverstedt bei Bremerhaven haben Bauern am Sonntagnachmittag gemäss nord24 gar eine Verteilzentrale blockiert. Dies deshalb, weil Aldi auf ein Schreiben der Bauern nicht geantwortet hat. Aldi hat nach der Blockade die Belieferung des Standorts eingestellt.

Druck auf Aldi ausüben

In Lüneburg haben sich ebenfalls Bauern vor einem Verteilzentrum eingefunden. Die Detailhändler würden mit ihrer Marktmacht die Existenz der Bauern gefährden, sagten die Bauern gegenüber landeszeitung.de. «Aldi hat in der letzten Woche durch angekündigte harte Verhandlungen in Bezug auf die Milchlinie erneut bewiesen, wie der Detailhandel eine nachhaltige und mit höheren Standards belegte deutsche Landwirtschaft weiter in die Knie zwingen will», sagte Bauernsprecher Boris Erb.

Die Begründung, die Preise am Weltmarkt seien geschwächt, könne nach Rücksprache mit Molkereien nicht nachvollzogen werden. Der Handel diktiere Bedingungen und Preis. Das gehe so nicht weiter. «Wir wollen Druck auf Aldi ausüben, um eine Gesprächsbereitschaft zu erzeugen», erklärte Erb.

Auch an mehreren anderen Aldi-Standorten sind Bauern mit Traktoren aufgefahren und haben protestiert. Die Kundgebungen verliefen friedlich. Die Landwirte haben die Versammlungen in der Folge freiwillig ausgelöst.

Fatales Zeichen

«Mit der Panik um das Coronavirus auf den Rücken der Milchbauern Geschäfte zu machen, ist zwischen Handelspartnern ein mehr als unwürdiger und schlechter Stil», kritisierte der Präsident des Landvolkes Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke. Gerade jetzt sei dies sei ein fatales Zeichen, wo eine sichere Warenversorgung für die Bevölkerung wichtig wäre, die Bauern zu schwächen. 

Das Geschäftsgebaren, das Aldi gerade erkennen lasse, werde für viele Milchbauern negative finanzielle Auswirkungen haben. Zudem widerspreche dies den Beteuerungen des Detailhandels, gemeinsam mit der Gesellschaft das Tierwohl und die Nachhaltigkeit voranzubringen.

Aldi dementiert

Der arg kritisierte Discounter wirft die Vorwürfe aus der Landwirtschaft zurück. Es stimme nicht, dass Aldi Nord und Süd die Kontraktverhandlungen für die Einkaufspreise von Trinkmilch vorgezogen haben, um die aktuelle Verunsicherung im Markt wegen der Ausbreitung des Coranavirus für zusätzlichen Preisdruck zu nutzen.  

Wie agrarheute.com berichtet, ist der Discounter auch über die Molkereien verärgert. Es stimme nicht, dass Aldi die Preisverhandlungen aus taktischen Gründen vorgezogen habe. Es stecke keine Verhandlungstaktik dahinter. Das Vorziehen der Verhandlungen sei aus organisatorischen Gründen erfolgt.

Aggressive Stimmungsmache

Aldi Nord und Süd wollen das Gespräch mit den Bauern suchen. Voraussetzung sei jedoch, dass dieser Dialog weiterhin von beiden Seiten gesucht und auf einer sachlichen und kooperativen Ebene geführt werde. Als Beispiel nennt der Discounter die Gespräche am Agrargipfel.

Ein aggressive Stimmungsmache sei inakzeptabel und keine Grundlage für Gespräche. So hätten einzelne Bauern zu Straf- und Gewalttaten gegen Filialen und Mitarbeiter aufgerufen, schreibt Aldi. 

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