18.02.2017 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Milchpreis an Richtpreis koppeln
Ein Teilverband der Westschweizer PO will seinen Milch- an den BOM-Richtpreis koppeln. Dass sie dadurch Menge verlieren könnten, nehmen sie in Kauf. Man habe angesichts der aktuellen Situation keine andere Wahl.

Nein, sie sind nicht zufrieden, die Milchproduzenten von Prolait. Seit Monaten haben sie einen der tiefsten Milchpreise der Schweiz. Gemäss Monitoring der Schweizer Milchproduzenten (SMP) betrug dieser im Monat November 2016 im Durchschnitt gerade einmal 50,4 Rappen je Kilogramm.

Für zusätzliches Ungemach sorgten jüngst die Monatsmilchabrechnungen. Nach Intervention der Branchenorganisation Milch (BOM) wurde Prolait verpflichtet, ihren Produzenten die Wahlmöglichkeit für die Lieferung von C-Milch zu gewähren. Seither weist Prolait einfach keinen C-Milch-Preis mehr aus, dafür A- bzw. B-Preise, die weit unter dem Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM) liegen (der «Schweizer Bauer» berichtete).

Menge ist variable Grösse

Dies wollen einige Prolait-Produzenten nun nicht mehr länger hinnehmen. An der Versammlung des «Cercle laitier d’Yverdon», also der Produzenten rund um die Region des südlichen Neuenburgersees, vom Mittwoch in Treycovagnes VD machten die anwesenden Milchproduzenten Nägel mit Köpfen, sprich, sie wollen die Preise fixieren. Konkret verabschiedeten sie eine Resolution, die fordert, dass der ausbezahlte A- und B-Preis an den BOM-Richtpreis gekoppelt wird. Zwar entspricht diese Forderung dem Modell der BOM, wonach der einzelne Milchbauer Anfang Jahr entscheiden kann, auf die Lieferung von C-Milch zu verzichten, dass dies nun auf Stufe Produzentenorganisation geschehen soll, ist ein Novum in der Schweiz.

Klar ist, dass bei dieser Rechnung mit Fixpreisen die Menge als variable Grösse übrig bleibt. Zumindest die Produzenten des Cercle laitier d’Yverdon scheinen dieses Risiko bewusst in Kauf nehmen zu wollen. Sie stimmten mit grosser Mehrheit und ohne Gegenstimme für den Antrag. «Wir haben keine Wahl», erklärt Philippe Gruet, Initiant der Resolution, nach der Abstimmung. «Wir verlieren bei der Produktion jeden Tag Geld und belasten mit unseren Überschüssen den Markt. Das Problem ist überall das gleiche, und wir wollen hier ein Zeichen setzen», so Gruet.

Vorstand entscheidet

Die Resolution wird nun im Prolait-Vorstand am 17. März diskutiert, wo auch die 13 weiteren Teilregionen der PO vertreten sein werden. «Werden auch diese dem Vorschlag zustimmen, kommt das Geschäft vor die ordentliche Delegiertenversammlung vom 11. April», erklärt Ueli Leibundgut, Präsident des Cercle laitier d’Yverdon. Es sei aber auch möglich, dass der Vorstand vorab einen Gegenvorschlag ausarbeite, der ebenfalls zur Diskussion stehen würde. 

In Treycovagnes kam auch von verschiedener Seite klar zum Ausdruck, dass die Situation bei Prolait heute so ist, weil sich niemand in der Milchkette je richtig hinter das System der Segmentierung gestellt habe. In der Westschweiz ist man mit der heutigen Segmentierung, wie sie angewendet wird, nicht einverstanden. «Ohne Mengenreferenz funktionierte die Massnahme nicht», so der Tenor. Es könne aber ein gutes Mittel sein, wenn die Segmentierung mit einer Menge verbunden würde. Bei Cremo ist es nach wie vor so, dass man die Preise nach Fett und Protein je nach In- und Auslandsmarkt ausbezahlt.

Der Prolait-Trick

Gemäss aktuellen BOM-Richtlinien muss die Lieferung von C-Milch ausgewiesen und freiwillig sein. Gemäss Produzenten habe man bei der PO Prolait  zwar C-Milch verkauft, diese gegenüber den Produzenten aber nicht als solche deklariert. Diese konnten folglich auch nicht auf die Lieferung verzichten. Der ausbezahlte B-Preis ist entsprechend tief. Offiziell weist Prolait für Februar 65% A-Milch à 59 Rp./kg und 35% B-Milch à 32 Rp./kg, aber keine C-Milch aus. Der BOM-Richtpreis beträgt 65 Rp. für A-Milch und 49,8 Rp. für B-Milch. rab

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