19.07.2017 15:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Milchpreis nicht Daueraufgabe»
Ein Vorstoss will einen Milch-Mindestpreis. Der SBV-Präsident erklärt, warum dies eine Grundsatzdiskussion benötigt.

«Schweizer Bauer»: Nationalrat Jacques Nicolet (SVP, VD) will, dass für 80 Prozent der Schweizer Milch ein Preis von 75 Rp./kg im Gesetz verankert wird. Sie haben den Vorstoss nicht unterschrieben. Wieso nicht? 
Markus Ritter: Weil es der Vorschlag in sich hat und er de facto eine Neuausrichtung der Schweizer Milchpolitik fordert. Ein Interventionspreis von 75 Rp./kg würde zuerst eine Grundsatzdiskussion beim SBV voraussetzen. Daher müsste ich mich heute bei einer allfälligen Abstimmung im Rat enthalten. Alles andere wäre für die Arbeit des SBV und für mich als Präsident nicht seriös.

Auffallend ist auch, dass unter den Unterzeichnenden mehr Freisinnige als CVP-Vertreter zu finden sind. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Die Liste der Unterzeichner hat in diesem Fall wohl weniger mit der Parteizugehörigkeit als vielmehr mit regionaler und persönlicher Verbundenheit mit Jacques Nicolet zu tun.

Man kann auch behaupten, dass auch Sie einen Mindestpreis fordern. Sie haben diesbezüglich klare Aussagen an die Adresse der Abnehmer gemacht. Konkret fordern Sie von den Molkereien den Mindestpreis von 65 Rp./ kg A-Molkereimilch.  
Zwischen einem staatlich garantierten Milchpreis und unserer Marktforderung besteht ein sehr grosser Unterschied. Für Ersteres müssten je nach Marktlage enorme staatliche Mittel für einen entsprechenden Interventionsfonds zur Verfügung gestellt werden. Zudem käme es bei der Einführung eines Mindestpreises auch zu Diskussionen betreffend WTO-Vereinbarkeit. Die bei der Intervention übernommene Milch müsste ja wieder irgendwelchen Märkten zu entsprechend tieferen Preisen zugeführt werden. Unsere geforderten 65 Rappen sind ausschliesslich über den Markt abzugelten.

Grundsätzlich gefragt: Wer ist verantwortlich dafür, zu welchem Preis Milch auf dem Markt angeboten wird?
Grundsätzlich der Produzent oder die entsprechende Organisation, die ihn vertritt. Ist der Preis zu niedrig, ist es wichtig, dass der Produzent sagen kann, zu diesem Preis liefere ich nicht. Das Problem ist, dass wir über Jahre ein System geschaffen haben, das die Menge auf Stufe Produzent über die erzielte Wertschöpfung und damit den Preis gestellt hat. Jeder konnte liefern, was er wollte. Damit konnten Handel und Verarbeiter sehr gut leben. Ihre Marge haben sie bei hoher Menge immer gehalten – so liess sich am meisten Geld verdienen.

Also steckt man diesbezüglich noch in der Übergangsphase?
Ja. Wir müssen zu einem System gelangen, bei dem die Deckung der Kosten und damit die Erzielung von Wertschöpfung auch beim Produzenten im Zentrum steht . Es kann und darf nicht eine Daueraufgabe des SBV-Präsidenten sein, bei den Molkereien für bessere Preise zu intervenieren.

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