17.03.2019 18:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Adrian Haldimann
Milchmarkt
«Milchpreis wird wohl kaum sinken»
Manuel Hauser, Einkaufsleiter bei Emmi, spricht über nachhaltige Milch und deren Mehrwert, Bio-Milch und die zukünftige Milchpreisentwicklung.

«Schweizer Bauer»: Sie leiten seit 2013 bei Emmi den gesamten Einkauf. Geben Sie uns bitte einen Einblick in Ihr Tagesgeschäft.
Manuel Hauser: Als Leiter Einkauf ist die Arbeit sehr vielseitig. Die Beschaffung beinhaltet Rohstoffe wie Milch, Zucker, Früchte, Kaffee, Aromen und Verpackungsmaterialien in jeglicher Form. Wir wollen mit unserer Arbeit Innovationen erkennen, um am Puls der Zeit zu bleiben. Das Milchtagesgeschäft ist eine weitere Aufgabe, das von der Beziehungspflege mit Lieferantenorganisationen lebt. Zudem koordinieren wir in einem internationalen Netzwerk die Beschaffungsaktivitäten von Emmi.

Legen wir den Fokus auf die Milch – was sind diesbezüglich aktuell die grössten Herausforderungen?
Themen wie nachhaltige Milch, der sogenannte grüne Teppich oder die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes hin zu einem privaten Milchzulagesystem beschäftigen uns stark. Das Bio-Segment ist eine weitere Herausforderung.

Nachhaltige Milch soll zwei Rappen mehr wertsein. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat sich auf diesen Zuschlag geeinigt. Wird Emmi ab Juli 2019 diesen Mehrpreis bezahlen?
Die Zeit für nachhaltige Milch ist mehr als reif. Denn die Milchproduzenten machen bezüglich Tierwohl und Fütterung schon seit Jahren eine wirklich gute Arbeit. Der grüne Teppich wird der Schweizer Milchwirtschaft international ein starkes Profil geben. Für eine erfolgreiche Umsetzung der nachhaltigen Milch braucht es aber eine breite Abstützung in der gesamten Branche.

Sie finden es also problematisch, wenn die Migros-Molkerei Elsa wie angekündigt als Nichtmitglied der Branchenorganisation Milch (BOM) den Milchlieferanten keinen Nachhaltigkeitszuschlag bezahlen will.
Es ist bedauerlich. Am Schluss brauchen wir eine Koalition sämtlicher Marktteilnehmer. Die Initiative ist für die gesamte Branche wichtig. Bei all unseren Produkten wollen und müssen wir den Mehrwert, besonders auch im Ausland, mit der nachhaltigen Milch erklären können.

Nochmals: Wird Emmi den Nachhaltigkeitszuschlag von zwei Rappen den auszahlen?
Es ist ein Branchenthema, kein Emmi-Thema. Voraussetzung ist, dass die Partner der ganzen Wertschöpfungskette den Mehrwert erkennen. Wenn die Branche den grünen Teppich will, dann muss ihn auch jede einzelne Milchverarbeiterin und der Handel umsetzen. Emmi wird den Branchenentscheid mittragen.

Die Milcheinlieferungen sind als Folge des vergangenen trockenen Sommers, der für weniger Futter und tiefere Fruchtbarkeit bei den Kühen sorgte, tiefer als üblich. Was bedeutet das für Emmi?
Aktuell sind die Milcheinlieferungen mit denen des Jahres 2017 vergleichbar. Weil wir ein breites Produkteportfolio haben und überdurchschnittliche Milchpreise bezahlen, sind wir weniger stark von Rückgängen betroffen als andere Milchverarbeiter. Wir tätigen weniger Regulierungsexporte, die ohnehin alles andere als profitabel sind. Das bedeutet, dass wir keine C-Milch haben und den Produzenten einen besseren Milchpreis bezahlen werden.

Wird der Milchpreis also ansteigen?

Der Milchpreis wird wohl kaum sinken. Seit Mitte 2017 stiegen die Magermilchpreise um rund 50 Prozent. Das wirkte sich direkt auf unseren B-Preis aus, der aktuell bei knapp 50 Rappen liegt. Ich rechne mit leicht steigenden durchschnittlichen Milchpreisen.

Sie haben das Bio-Segment als Herausforderung angesprochen. Weshalb?
Der Bio-Markt wächst seit Jahren. Die Herausforderung ist, dass Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben.

Noch vor wenigen Jahren stand ein kleines Angebot einer grösseren Nachfrage gegenüber.
Das ist heute anders. Die Bio-Produktion wird laufend gesteigert und die Nachfrage hinkt etwas hinten nach…

…deshalb verstehen Sie die Befürchtung, dass die Bio-Milchproduzentenpreise sinken könnten?
(Zögert) Ich teile diese Befürchtung nur teilweise. In der Biobranche existiert eine sehr gute Zusammenarbeit, und ich bin zuversichtlich, dass die Preise vorläufig stabil bleiben werden.

Wie soll ein stabiles Bio-Preisniveau konkret möglich sein?
Zu hohe Bio-Milchmengen müssen in die konventionelle Milchverarbeitung oder gar den Exportkanal umgeleitet werden.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) kritisierte Milchpreisabzüge der Milchverarbeiter von bis zu 10 Rp./kg. Die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes rechtfertigt 4,5 Rp./kg. Wie viel zieht Emmi ab?
Wir ziehen 4,5 Rp./kg Milch ab und leiten diesen Betrag an die BOM weiter. Der Milchproduzent erhält die Zulage von 4,5 Rp./kg direkt vom Bund. 

Manuel Hauser

Manuel Hauser ist dipl. Ing. Agronom ETH und absolvierte das Executive MBA der Hochschule St. Gallen in General Management. Der 43-Jährige arbeitete unter anderem während mehreren Jahren als Leiter Milchgeschäft bei den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) und ist seit 2009 im Einkauf bei Emmi. Der zweifache Familienvater aus Galgenen SZ leitet seit 2013 den gesamten Einkauf und ist Mitglied der Geschäftsleitung von Emmi Schweiz. hal

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