12.03.2020 15:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/dpa
Deutschland
Milchpreis-Zoff: Aldi einigt sich
Der Discounter Aldi hat sich mit der Milchindustrie auf die Milchpreise für die nächsten sechs Monate geeinigt. Der vereinbarte Einkaufspreis für frische und haltbare Vollmilch liege dabei trotz der zuletzt deutlich gesunkenen Weltmarktpreise über dem Niveau der letzten Verhandlungsrunden

«Wir zahlen somit mehr, als wir gemäß der Marktlage hätten akzeptieren müssen», sagte der Aldi-Süd-Manager Christoph Schwaiger am Donnerstag. 

Geld soll bei Bauern ankommen

Der Einigung waren massive Proteste von Bauern vorausgegangen, die Aldi kritisierten, den Preis für die sogenannte weisse Linie drücken zu wollen. In Nordrhein-Westfalen demonstrierten vor wenigen Tagen Hunderte Landwirte mit ihren Traktoren vor Aldi-Zentrallagern, um den Discounter zu Zugeständnissen zu bewegen.

Aldi betonte, das Unternehmen habe in den aktuellen Milchpreisverhandlungen ungeachtet der international negativen Marktwicklungen einen Abschluss unterschrieben, der die hohen Qualitätsstandards der deutschen Milchindustrie widerspiegele. «Wir gehen davon aus, dass ein angemessener Teil bei den Landwirten ankommt und nicht in der Wertschöpfungskette der Milchindustrie hängen bleibt», sagte Schwaiger.

Auch höhere Preise für Käse gefordert

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, fand lobende Worte für den Discounter. «Wir begrüssen dieses Signal von Aldi und erwarten, dass auch andere Unternehmen diesen Beispiel folgen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Der Geschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes, Eckhard Heuser, forderte Aldi auf, nun auch bessere Preise für andere Produkte der «weissen Linie» wie Käse anzubieten. «Das wäre ein positives und gutes Signal auch an die anderen Ketten in Deutschland. Wir Molkereien versprechen, dass wir das dann gegebenenfalls auch an unsere Milchbauern weitergeben», sagte Heuser.

In Deutschland sorgten Detailhändler bei den Milchbauern in den vergangenen Tagen für Empörung. Aldi gilt im Milchmarkt als Taktgeber bei den Milchpreisen. Senkt der Discounter die Preise, ziehen die Rewe, Lidl und Co. nach.

Einkaufsmacht gebündelt

In der vergangenen Woche soll aber Aldi Druck aufgesetzt haben. Gemäss Lebensmittelzeitung haben Anfang März haben die Detailhändler bei den Vertragsverhandlungen mit Molkereien für Butter geringere Preise durchgesetzt. Nun soll offenbar auch der Einkaufspreis bei Frischmilchprodukte der Weissen Linie gedrückt werden, berichtete die Zeitung am Freitag.

Wie es weiter heisst, hat der Discounter mit seiner der Einkaufsorganisation «Aldi Global Sourcing» die Einkaufsmacht gebündelt. Die für den 1. Mai anstehenden Verhandlungen für die Halbjahresverträge will Aldi auf Mitte März vorziehen. Laut Lebensmittelzeitung wird eine Preissenkung angestrebt. Begründet wird dies einerseits mit den tieferen Preisen am Weltmilchmarkt wegen dem Coronavirus, und andererseits mit der gebündelten Einkaufsmacht.

Fatales Zeichen

Am Wochenende haben in der Folge mehrere hundert Bauern auf die Ankündigung von Aldi reagiert. Mit Traktoren fuhren sie vor mehreren Verteilzentralen vor. Bei Wuppertal haben sich gemäss dpa rund 250 Landwirte mit rund 50 Traktoren vor dem Gebäude gegen das Gebaren von Aldi postiert. «Ausbaden müssen das wieder die Viehbetriebe», sagte ein Sprecher des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei angespannt, viele Landwirte wegen der Preispolitik verärgert. 

«Mit der Panik um das Coronavirus auf den Rücken der Milchbauern Geschäfte zu machen, ist zwischen Handelspartnern ein mehr als unwürdiger und schlechter Stil», kritisierte der Präsident des Landvolkes Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke. Gerade jetzt sei dies sei ein fatales Zeichen, wo eine sichere Warenversorgung für die Bevölkerung wichtig wäre, die Bauern zu schwächen.

Aldi dementiert

Der arg kritisierte Discounter warf in der Folge die Vorwürfe aus der Landwirtschaft zurück. Es stimme nicht, dass Aldi Nord und Süd die Kontraktverhandlungen für die Einkaufspreise von Trinkmilch vorgezogen haben, um die aktuelle Verunsicherung im Markt wegen der Ausbreitung des Coranavirus für zusätzlichen Preisdruck zu nutzen.  

Wie agrarheute.com berichtete, war der Discounter auch über die Molkereien verärgert. Es stimme nicht, dass Aldi die Preisverhandlungen aus taktischen Gründen vorgezogen habe. Es stecke keine Verhandlungstaktik dahinter. Das Vorziehen der Verhandlungen sei aus organisatorischen Gründen erfolgt.

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