9.03.2014 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchpreis
Milchpreise decken auch in Deutschland nicht die Kosten
Im Oktober 2013 fehlten den deutschen Milcherzeuger im Schnitt gut 2 Cent je Kilogramm Milch zur Vollkostendeckung. Aber auch französische Milchbauern erwirtschaften keine Gewinne.

Trotz der vergleichsweise hohen Milchpreise und etwas nachgebender Produktionskosten konnten die deutschen Milchbauern im Herbst 2013 keine Gewinne einfahren. Wie das European Milk Board (EMB) am Montag vergangener Woche (3.3.) mitteilte, standen laut vierteljährlichen Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie & Landwirtschaft (BAL) im Oktober durchschnittlichen Produktionskosten von 44,12 Cent je Kilogramm Milch in Deutschland nur Erlöse von 41,92 Cent/kg gegenüber. Damit wurden 95 % der Erzeugungskosten gedeckt; im Gesamtjahr 2013 waren es den bisher vorliegenden Daten zufolge jedoch nur 87 %.

Auch in Frankreich nicht kostendeckend

Auch für das Nachbarland Frankreich hatte das BAL kürzlich Milchpreise ausgewiesen, die 2013 deutlich unter dem finanziellen Produktionsaufwand lagen. Der EMB-Vorsitzende Romuald  Schaber  zeigte sich zwar erfreut, dass sich die Preis-Kosten-Relation aktuell etwas entspannter darstelle als früher; er warnte jedoch vor Marktschwankungen, die dies schnell ändern könnten. Es sei deshalb absolut notwendig, den Markt und insbesondere das Verhältnis zwischen ausbezahlten Preisen und den Kosten der Produktion ständig zu beobachten. „Zusätzlich müsste es jedoch noch eine von der Politik eingesetzte Monitoringstelle geben, die bei hoher Kostenunterdeckung Marktanpassungen vornimmt“, forderte Schaber.

Auch der Vorsitzende der MEG Milch Board in Deutschland, Peter  Guhl, setzt auf die von der EU-Kommission angekündigte Marktbeobachtungsstelle: „Die bäuerliche Vermarktungsseite braucht neutrale Daten zur Entwicklung von Angebot und Nachfrage am Milchmarkt“. Die Aussagen der Verarbeiter seien nicht objektiv und verzerrten das Gesamtbild, so Guhl, weshalb faire Verhandlungen auf dieser Basis nicht möglich seien.

Keine angemessene Entlohnung

Nach Angaben der MEG Milch Board zeigen die Berechnungen der BAL, dass die Preishausse am Milchmarkt bisher noch nicht zur Genüge auf den Betrieben der Erzeuger angekommen ist. Zwar würden die laufenden Produktionskosten und die Abschreibung bei Auszahlungspreisen von über 40 Cent/kg Milch in der Regel abgedeckt, doch eine angemessene Entlohnung der Arbeitserledigungskosten von mitarbeitenden Familienangehörigen und Betriebsleitern werde immer noch nicht erreicht. Mit gemischten Gefühlen blickt Guhl deshalb auf das Quotenende 2015: „Aktuell steigt die Milchmenge auch durch die verbesserten Preise, die entsprechende Anreize schaffen. Dennoch kostet es uns schon heute Geld, weil wir unkoordiniert und ohne ein Bündelungs- und Vermarktungskonzept einfach drauflos melken. Richtig wehtun wird es, wenn die Marktlage kippt und das Angebot die Nachfrage wieder merklich überschreitet“, warnte Guhl.

Nach seiner Einschätzung wird dieser Fall jedoch kurzfristig nicht eintreten: „Wir sehen aktuell eine stabile Nachfrage aus Asien und schwierige Produktionsbedingungen in den USA durch Dürre im Westen und Eiseskälte im Nordosten. Die Zeit müssen wir nutzen, um uns am Markt neu aufzustellen.“ Wichtig sei es dabei, die Bündelung des Rohstoffes in Bauernhand weiter voranzutreiben, um diesen den Zugang zum Wettbewerb innerhalb der Lebensmittelkette zu ermöglichen. So könne ein Gegengewicht zu privaten und genossenschaftlich organisierten Molkereien gebildet und ein besserer Milchpreis ausgehandelt werden.

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