4.10.2013 07:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
«Milchpreise haben Entwicklungspotenzial»
In der Schweiz werde genügend Milch eingeliefert, um wertschöpfungsstarke Produkte herzustellen, weiss Pirmin Furrer. Er rechnet mit steigenden Preisen. Warnt aber vor Importprodukten und zu viel Wettbewerb.

«Schweizer Bauer»: Seit knapp einem Jahr liegt die Milchproduktion in der Schweiz auf einem eher tiefen Niveau. Seit August steigen die Milcheinlieferungen wieder. Wie wird sich die Produktion weiterentwickeln?
Pirmin Furrer: Wir gehen davon aus, dass die Milchproduktion nicht rückläufig sein wird. Insbesondere in unserem Gebiet, der Zentralschweiz, werden die Einlieferungen auch in Zukunft auf dem heutigen Niveau sein. Entscheidend dafür ist, wie sich der Milchmarkt im Ausland entwickelt. Erzielen die ausländischen Milchproduzenten gute Preise, wird die Situation auch für unsere Bauern gut sein. Wenn nicht, kommen auch wir unter Druck. Dazu kommt natürlich die Frage der Alternativen. Unser Gebiet ist ein Milchproduktionsgebiet. Ob die Produktion von Ökologie oder Ackerkulturen langfristig attraktiver ist, bezweifle ich.

Wie sieht es schweizweit aus?
Vorab: Wir haben in der Schweiz genügend Milch, um unsere wertschöpfungsstarken Produkte herzustellen. Aktuell stellen wir einfach keine Überschussprodukte her. Bleibt der Milchmarkt im Ausland stabil, könnten wir langfristig noch etwas mehr produzieren. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass die EU 2015 die Milchquoten aufhebt und die Preise durch Mehrproduktion wohl wieder unter Druck kommen werden.

Die Milchpreise haben in den letzten Monaten deutlich angezogen. Haben sie den Zenit erreicht?
Nein, wir haben noch etwas Entwicklungspotenzial. Wir werden die Milchpreise im Januar noch etwas anheben können. Dies bedingt aber, dass die Branchenorganisation Milch ihren Richtpreis auch anhebt. Eine langfristigere Prognose kann ich aber nicht machen.

Letzte Woche wurde bekannt, dass die Schweizer Migrostochter Denner ihr Milchproduktesortiment mit Importprodukten der deutschen Molkerei Müller ergänzt. Hat das mit den hohen Schweizer Milchpreisen zu tun?
Das kann damit zusammenhangen. Uns befremdet aber, dass Denner zusätzliche Produkte importiert. Auch scheint die Begründung, der Absatz von Schweizer Milchprodukten sei rückläufig, sehr weit hergeholt. Klar ist: Für Milchdesserts, Milchdrinks und ähnliche Produkte haben wir immer genug Schweizer Milch im Angebot. Und wir werden dies auch immer haben. Auch bin ich überzeugt, dass sich mit unseren Schweizer Milchprodukten mindestens so viel Umsatz erzielen lässt.

Es scheint aber als würden die Konsumenten auf trendige Importprodukte abfahren. Müssen wir Schweizer vom Marketing der Deutschen lernen?
Es gibt einige trendige Importprodukte. Unsere Molkereien sind aber sehr innovativ und können der Importware mit ihren Produkten die Stange halten. Auch investieren sie sehr viel ins Marketing. Ihr Marketing kommt auch gut an und ist meiner Meinung nach erfolgreich. Vielleicht können wir punkto Marketing aber das eine oder andere von den ausländischen Firmen lernen. Ich sehe das Problem aber nicht beim Marketing.

Sondern?
Der Detailhandel versucht neue Produkte zu importieren, um den Schweizer Lieferanten dann den Preis zu drücken. Mit solchen Massnahmen kurbelt der Detailhandel einen übermässigen Wettbewerb an.

Die Molkerei Müller ist bekannt für ihre tiefen Milchpreise. Haben diese importierten Billigprodukte Auswirkungen auf unsere Milchpreise?
Mit Sicherheit. Unsere Molkereien müssen Preiseingeständnisse machen. Und die werden sich im Milchpreis widerspiegeln.

Es wird argumentiert, die Produkte seien in der Schweiz nicht in gewünschter Rezeptur erhältlich. Haben unsere Molkereien ihre Hausaufgaben nicht gemacht?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich unsere Verarbeiter nicht der Kundenwünsche annehmen. Dies scheint mir ein fadenscheiniges Argument zu sein.

Wie sieht es punkte Qualität der Importware aus?
Unsere Schweizer Milch hat einen sehr  hohen Qualitätsstandart und bietet zudem hohe Produktesicherheit. Dies nicht nur, was die Zell- und Keimzahlen angeht, sondern auch in wegen der Tierschutzvorschriften und des Verzichts, gentechnisch verändertes Futter einzusetzen. Bei der Importware hat der Konsument diese Vorteile nicht.

Würde ein Milchfreihandel das Problem der Importmilchprodukte entschärfen?
Nein, im Gegenteil. Dazu kommt, dass unsere Milchproduzenten eine einseitige Grenzöffnung nicht überleben würden. Zudem wären die Verarbeiter auch stark davon betroffen. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir aktuell klar gegen eine einseitige Grenzöffnung für die weisse Linie.

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