14.01.2014 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Milchpreise spielen eine zentrale Rolle»
ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer ist beunruhigt, weil grosse Milchbauern aufgeben. Die Milchpreise seien wichtig.

«Schweizer Bauer»: Der Strukturwandel hat sich verlagert. Mengenmässig fallen die Betriebsaufgaben bei den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) mit über 200'000 kg immer stärker ins Gewicht. Bedauern Sie dies?
Pirmin Furrer: Diese Entwicklung bedauern wir nicht nur, sondern sie beunruhigt uns auch. Es ist keine positive Entwicklung, wenn Betriebe aus der Milchproduktion aussteigen, die rein von der Betriebsgrösse her als wettbewerbs- und zukunftsfähig gelten.

Wie erklären Sie sich die Abgänge dieser doch recht grossen Betriebe, die ja bei den ZMP auch noch von einem schweizweit überdurchschnittlichen Milchpreis profitierten? 
In der Tat profitieren die Mitglieder ZMP von einem im Schweizer Vergleich überdurchschnittlichen Milchpreis. Dies zeigt das Milchpreismonitoring der SMP deutlich. Zudem war der Milchpreis schon lange nicht mehr auf dem doch einigermassen guten Niveau, wie er heute ist. Hier Gründe oder Vermutungen aufzuführen, weshalb gerade grosse Betriebe die Produktion aufgeben, wäre reine Spekulation. Um die effektiven Gründe zu erfahren, müssten Sie mit solchen Betrieben Kontakt aufnehmen. Sicher ist aber, dass heute der Arbeitsverdienst mit anderen Produktionsrichtungen höher ist als bei der Milchproduktion und daher auch grosse Betriebe ihre Ausrichtung ändern.  

Wie sieht es für das Jahr 2014 aus? Setzt sich dieser Trend fort?
Hoffentlich setzt sich dieser Trend nicht fort! Unsere Wettbewerbsfähigkeit würde damit geschwächt. Die Auswirkungen der neuen Agrarpolitik und des neuen Direktzahlungssystems kennen wir in der Praxis noch nicht. Die Milchproduzenten sind Unternehmer, und es liegt auf der Hand, dass die einen oder anderen auch grösseren Betriebe wegen der angepassten agrarpolitischen Rahmenbedingungen andere Produktionsrichtungen (Alternativen zur Milchproduktion) prüfen.
            
Wie kann dem Trend entgegengewirkt werden? 
Die Milchpreise spielen hier eine zentrale Rolle. Wenn sie sich in etwa auf dem heutigen Niveau längerfristig bewegen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere Betriebe aussteigen sicher kleiner, als wenn die Preise wieder deutlich fallen sollten. Sorge bereiten uns nach wie vor die grossen Preisunterschiede in der Schweiz – dies kann, insbesondere wenn wieder ein grösseres Milchangebot vorhanden ist, unweigerlich zu Preisunterbietungen am Markt führen, davon profitieren ganz sicher nicht die Milchproduzenten. Zudem spielt auch die Gestaltung des Mengenmanagements eine wichtige Rolle, insbesondere für grosse Produktionsbetriebe.

Was will die ZMP dagegen unternehmen?
Die Strategie der ZMP ist so ausgelegt, dass unsere Milchlieferanten im Schweizer Vergleich von überdurchschnittlichen Milchpreisen profitieren können, und da spielt eine möglichst hohe Angebotsbündelung und Milchdichte eine wichtige Rolle, um die Logistikkosten tief zu halten. Was nicht in der Logistik «verloren» geht, kommt beim Milchproduzenten an. Aber auch in der Mengenführung haben wir wichtige Schritte unternommen, um auch für grössere Betriebe attraktiv zu sein.

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