24.06.2020 16:37
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Milchpreispolitik ist unhaltbar»
Der Schweizer Bauernverband ist äusserst verärgert über die aktuelle Situation am Molkereimilchmarkt. Entgegen den Versprechungen seien die Preise nur minimal gestiegen. Weil die Abzüge erhöht wurden, hätten die Produzenten gar weniger Milchgeld. Der SBV fordert deshalb ab sofort bessere Milchpreise.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist so richtig sauer auf die Händler und Verarbeiter von Molkereimilch. «Die Milchproduzenten werden geprellt», hält der Verband in seiner Mitteilung von Mittwoch fest.

Der Grund für diese Verärgerung liegt einige Monate zurück. Um die Jahreswende waren die Butterlager praktisch leer. Für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) einen Hauptgrund aus. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich flossen in die Käseherstellung. 

BOB erhöht Fettpreis

Es brauche deshalb zusätzliche Anreize, damit wieder mehr Milchfett in die Butterherstellung fliesse, teilte die BOB im März mit. Sie hat deshalb beschlossen, ihren internen Richtpreis für zu Butter verarbeiteten Industrierahm auf den 1. Juli 2020 um 60 Rappen je Kilo Fett zu erhöhen. 

Doch die BOB mahnte, dass dies nicht ausreiche, um die Fehlmenge kompensieren zu können. Diverse Butterprodukte müssten ab Mitte Jahr auf Importbutter umgestellt werden. Diese Massnahme dauere so lange, bis die Inlandproduktion die Nachfrage wieder abdecken könne, so die BOB weiter. 

BOM stellt Importgesuch

Am 1. April hat der Bundesrat Teilkontingente für Butter bewilligt. Erstmals seit Jahren sei inländische Butter knapp, teilt die Landesregierung mit. Um die Nachfrage nach Butter befriedigen zu können und die Versorgung sicherzustellen, hat der Bund Teilzollkontingente bewilligt.

Nun kam die Branchenorganisation Milch (BOM) ins Spiel. Diese hat beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag zum Import für 1000 Tonnen Butter gestellt. Damit soll die Versorgung sichergestellt werden, teilte die BOM am 23. April mit. «Ohne Gegenmassnahmen zeichnet sich bis Ende Jahr ein Versorgungsengpass ab», warnte die BOM. 

BOM hat Preisaufschlag versprochen

«Damit die Versorgung mit Butter über das ganze Jahr gesichert bleibt, sollten in der Schweiz Ende April 4000 bis 5000 t Butter in den Tiefkühllagern liegen», so die BOM weiter.  In der Schweiz werden pro Jahr rund 43'000 Tonnen Butter verkauft.

Um die Milchbauern nicht zu verärgern, gab die BOM ein Versprechen ab. Der Entscheid für diesen Antrag erfolge unter der Zusage der Verarbeiter und des Handels, dass der Mehrerlös des zu erwartenden höheren Marktpreises für Schweizer Butter an die Produzenten weitergegeben wird. Konkret heisst das: Für die betroffenen Milchlieferanten rechnet die BOM mit einem Preisaufschlag pro Kilogramm Milch zwischen 0,6 bis 1,0 Rp. Dieser Aufschlag müsse aber noch durch die Marktakteure ausgehandelt werden, schränkte die BOM ein.

15 bis 20 Millionen Franken

Den Antrag der BOM beschloss eine Arbeitsgruppe, nicht der Vorstand. «Diese ist paritätisch zusammengesetzt, das heisst gleich viele Milchproduzentenvertreter wie Vertreter der Milchverarbeiter und des Detailhandels», sagte BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler zu «Schweizer Bauer». Der höhere Butterpreis führt in etwas zu einem Mehrerlös von total 15 bis 20 Millionen Franken. Der grösste Teil davon fliesst an die Bauern.

Bauernverband: «Importe sind ein Affront»

Beim Schweizer Bauernverband (SBV) läuteten bereits Ende April die Alarmglocken. «Es ist ein Affront gegenüber den Schweizer Milchproduzenten. Butterimporte zum jetzigen Zeitpunkt sind nicht angezeigt», kritisiert der Verband.

Der SBV mehrere Gründe auf. Er verwies auf die steigenden Butterlager und die teilweise sinkenden Produzentenpreise im Mai. Als stossend erachtet der SBV, dass die Abzüge unverändert hoch blieben. Die Erhöhung des Fettpreises von 60 Rappen je Kilo war für den Bauernverband ungenügend. «Für den SBV sind Butterimporte unter den aktuellen Umständen ein absolutes No-Go», so der Verband klipp und klar.

Butter-Kontingente versteigert

Auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP) meldeten sich zu Wort. «Butterimporte: Bei diesen schwierigen Marktaussichten bitte keine zusätzlichen Experimente zulasten der Schweizer Milchproduzenten!», twitterte der Dachverband der Milchbauern. Die SMP hätten einen Import von 2 Tranchen à 500 Tonnen favorisiert. 

Trotz der Bedenken bewilligte das Bundesamt für Landwirtschaft Mitte Mai das Importgesuch der BOM. Die 1000 Tonnen Butter in Form von Kontingentsanteile bis am 26.Mai versteigert. Tausend Tonnen entsprechen rund 2,3 Prozent der pro Jahr in der Schweiz verkauften Buttermenge

Seit der Versteigerung sind wieder einige Wochen vergangen. Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist über die derzeitige Situation am Milchmarkt frustriert. Seine Enttäuschung macht der SBV in einer Mitteilung kund. «Die Milchpreispolitik ist unhaltbar», so die klare Botschaft. Der SBV fühlt sich in seine Befürchtungen bestätigt. 

«Alles nur Schall und Rauch»

Die Molkereimilchproduzenten hätten entgegen dem Versprechen einer Erhöhung des Produzentenpreises um 0.6 bis 1 Rappen pro Kilo Milch keinen höheren, ausbezahlten Milchpreis. «Heute zeigt sich: Alles nur Schall und Rauch!», so das Fazit des SBV. Die meisten Akteure hätten nur minimale Aufschläge gewährt.  

Dass der ausbezahlte Milchpreis teilweise gar gesunken ist, führt der Bauernverband vor allem auf die Abzüge zurück. «Diese wurden zum Teil massiv erhöht. Bei wichtigen Akteuren übersteigen die höheren Abzüge die Zuschläge. Die Kreativität bei den Abzügen scheint unbegrenzt», fährt der Bauernverband fort. 

Bauern finanzieren Exporte

Der SBV wirft Händlern und Verarbeitern vor, dass die Bauern mit den Abzügen die Konkurrenzfähigkeit der Exporte von Schweizer Butter in verarbeiteten Nahrungsmitteln mitfinanziert, während gleichzeitig Lastwagen mit Importbutter in die Schweiz fahren.

Nicht verstehen kann der SBV, dass trotz gutem Absatz von Milchprodukten während der Coronakrise der Preis für Molkereimilch im A-Segment nicht gestiegen ist. Und obwohl die Milchmenge im Sommer aus saisonalen Gründen sinke, würden gar noch die Produzentenpreise gesenkt. «Jetzt kommt ab Juli noch Importbutter ins Land. Das ist eine unhaltbare Situation und entbehrt jeglicher Marktlogik», lauten die scharfen Worte des Bauernverbandes.

Bessere Preise gefordert

Die aktuelle Situation im Molkereimilchmarkt ist für den SBV unhaltbar. Er fordert die Verarbeiter auf, sich wie «faire Marktpartner zu verhalten». Das heisst für den Verband:

  • einen deutlich besseren Milchpreise
  • Lücke zu den Richtpreisen schliessen 
  • Erhöhung der Preisabzüge sofort zurückzunehmen
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