24.07.2019 12:52
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Milchpreissenkung nicht zugestehen
Der Fronten verhärten sich am Molkereimilchmarkt. Die Migros-Tochter Elsa hat per 1. Juli den Produzentenpreis gesenkt. Milchbauern sind empört. Bauernorganisationen fordern Milchvermarktungsorganisationen auf, keine Preisnachlässe zu gewähren.

Die Zeichen stehen auf Sturm am Schweizer Molkereimilchmarkt. Die Produzenten von Molkereimilch haben seit Jahren mit tiefen Preisen zu kämpfen. Der erlöste Milchpreis ist oft nicht kostendeckend. Vielen Produzenten müssen sich mit einem Auszahlungspreis von etwas mehr als 50 Rappen pro Kilo zufrieden geben.

Milchproduktion seit Monaten rückläufig

Die Milchpreissenkung der Migros-Tochter Elsa sorgt bei den Bauern für Empörung. Den Direktlieferanten wurde per 1. Juli der Preis um 2,5 Rappen gesenkt. Die Marktlage deutet eigentlich nicht auf eine Reduktion der Preise hin. Die sinkenden Tierbestände und die tiefen Produzentenpreise haben sich auf die Erzeugung ausgewirkt.

Seit August 2018 ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat rückläufig. In den ersten fünf Monaten von 2019 haben sich die Einlieferungen gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent zurückgebildet. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht in Sicht.

Margenverbesserung auf Buckel der Bauern

Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) sind erzürnt. «Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die bestpositionierten Unternehmen im Schweizer Markt auf die milchärmere Periode hin Milchpreissenkungen durchboxen wollen, während alle wichtigen Marktindikatoren entweder auf Stabilität oder eine positive Entwicklung hindeuten», teilten sie am 5. Juli mit. Die Bauernorganisationen suchten in der Folge das Gespräch mit der Migros. Dieses blieb erfolglos.

Drei Wochen später doppeln wenden SMP und SBV via Medienmittelung nach. «Es wird immer klarer, dass es hier um eine direkte Margenverbesserung auf dem Buckel der Produzenten geht. SBV und SMP fordern von ELSA, auf die Milchpreissenkung bei ihren Direktlieferanten zu verzichten», machen die beiden Verbände am Mittwoch deutlich. 

«Die Migros spielt mit ihren Verarbeitungsfirmen einmal mehr ihre Marktmacht aus und versucht so, ihre Margen auf Kosten der Produzenten zu erhöhen. Dieses Vorgehen ist inakzeptabel», kritisierte auch der Zürcher Bauernverband.

Marktlage spricht gegen Senkung

Die Marktsituation mit den saisonal tieferen Einlieferungen spreche deutlich gegen eine Preissenkung. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit werde sich der Rückgang gar noch verstärken, argumentieren SMP und SBV.

Zudem würden sämtliche Marktbeobachtungsinstrumente auf eine stabile bis leicht positive Situation hinweisen. Auch der Marktbericht Milch des Bundesamts für Landwirtschaft beurteilt die Marktlage sowohl national, wie auch international als «stabil», halten die beiden Organisationen fest.

Migros spricht von sinkenden Preisen

Der Migros-Genossenschaftsbund hingegen sagt, dass seit Februar die ausbezahlten Milchpreise in der Branche kontinuierlich sinken würden. Darum habe Elsa den Basispreis um 2,5 Rappen auf 62,5 Rappen gesenkt. Das Unternehmen habe «sehr lange zugewartet» bis es sich zur aktuellen Preissenkung entschlossen habe.

Zusammen mit den drei Rappen Nachhaltigkeitszuschlag betrage der ausbezahlte Preis 65,5 Rappen. «Dies ist nach wie vor deutlich höher als der durchschnittlich in der Branche ausbezahlte Milchpreis», macht die Detailhändlerin klar. Die Migros ihrerseits hat die tieferen Preise in den Läden weitergegeben. Sie hat viele Milchprodukte vergünstigt.

«Migros-Argumentation falsch»

Für SMP und SBV entbehr diese Argumentation «jeder Grundlage». Eine Senkung sei absolut nicht gerechtfertigt. «Die Produzentenpreise sind entgegen der Behauptung der Elsa nicht zusammengefallen. Durchschnittlich sind die Preise gerade einmal um 0.8 Rappen (nicht 2.5 Rappen) gesunken und das vorwiegend aus Gründen, welche die Elas nicht für sich beanspruchen kann (Exporte mit der Nachfolgelösung Schoggigesetz)», halten SMP und SBV fest.

Appell an Händler und Konsumenten

Die beiden Organisationen appellieren nun auch an die Milchvermarkungsorganisationen und setzen Druck auf. «Diese müssen konsequent solidarisch bleiben und auch ihrerseits gegenüber der Elsa oder anderen Abnehmern keine Preisnachlässe gewähren», betonen SMP und SBV. Alle Milchvermarktungsorganisationen seien aufgefordert, diese Position einheitlich zu vertreten.

Auch die Konsumenten werden in die Pflicht genommen. Die Gesellschaft verlange Nachhaltigkeit. «Die Milchproduzenten tragen, mit ihrer Arbeit auf den Betrieben, ihren Teil dazu bei», heisst es in Mitteilung. Konsumenten müssten nur ihren Teil mittragen. «Ansonsten kann die Migros in ihrer Werbung nicht länger behaupten, ein nachhaltiger und fairer Partner zu sein», schliesst das Communiqué.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE