10.07.2017 09:41
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Milchproduktion einstellen?
Für Bauern, die Molkereimilch produzieren, leiden seit Monaten unter einer miserablen Marktsituation. Denn an der Preisfront hat sich nicht viel bewegt. Wenn die Preise für Molkereimilch nicht kostendeckend sind, soll man allenfalls mit Melken aufhören. Dies empfiehlt Bauernverbandspräsident Markus Ritter. Wie denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die Produzenten von Molkereimilch kämpfen mit widrigen Bedingungen. Die Milchpreise sind tief, die Kosten lassen sich so kaum decken. Und obwohl die Milchmenge in den vergangenen Monaten deutlich rückläufig war und die Preise auf dem europäischen Markt massiv gestiegen sind, blieben die Produzentenpreise in der Schweiz unverändert.

Verarbeiter: Grosse Differenz

Aufgrund der steigenden Preise im europäischen Umfeld forderte der Bauernverband die Händler und Verarbeiter auf den 1. Juli auf, den  gemeinsam festgelegten Richtpreis von 65 Rappen für Milch der höchsten Wertschöpfungsstufe und 47.9 Rappen für B-Milch zu bezahlen sowie ungerechtfertigte Abzüge einzustellen.

Der Bauernverband hat in der vergangenen Woche die Produzentenpreise der vier grössten Milchverarbeiter publiziert. Hierbei handelt es sich um eine Schätzung. Die Differenz ist gross. Die Migros-Tochter Elsa bezahlt mit knapp 59 Rappen den höchsten Produzentenpreis aus. Es folgen mit 4 Rappen Differenz Hochdorf (55.70 Rp./kg) und Emmi (55.55 Rp./kg). Am Schluss der vier grossen Verarbeiter steht Cremo (50.55 Rp./kg).

Grosser Nachholbedarf

«Die Schweizer Bauern legen aktuell beim Melken täglich Geld drauf», sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter am vergangenen Mittwoch vor den Medien in Bern. Die Botschaft des Verbandes in Bern lautete denn auch: Beim Milchpreis ist weiter grosser Nachholbedarf vorhanden.

Sollten die Verarbeiter diesen nicht sehen, so empfiehlt Ritter, die Situation grundlegend zu überdenken. Sein Appell an die Bauern ist eindeutig: Wenn man in Produktionsrichtungen tätig ist, bei denen man die Kosten nicht decken kann und bei denen man keine Marktpartner hat, die gewillt sind, die Preise zu zahlen, die man braucht, um die Kosten decken zu können, dann muss man vor allem bei oder vor Neuinvestitionen bereit sein, sich zu verändern.

Kurz gesagt, Ritter rät diesen Bauern, die Produktion aufzugeben und sich innerhalb der Landwirtschaft bessere Produktionszweige mit höherer Wertschöpfung zu suchen. Als Beispiel nennt er den Fleischmarkt oder ein Umstellen auf die Bioproduktion.

Gezielte Aktionen blieben aus

Anfang Juni forderte der Bauernverband die Verarbeiter auf, einen Richtpreis ohne ungerechtfertigte Abzüge zu bezahlen. Sollten sie dieser Forderung nicht nachkommen, solle eine «gezielte» Aktion erfolgen.  

Der Vorstand des Bauernverbandes beschloss in der Folge, in der ersten Juliwoche eine Aktion gegenüber jenen Abnehmern durchzuführen, welche den Milchproduzenten ihren Anteil an der Wertschöpfung weiter verweigern. Diese Ankündigung hat der Bauernverband nicht umgesetzt. An der Medienkonferenz wurden die «gezielten» Aktionen auch nicht thematisiert. 

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