23.07.2020 11:46
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Milchproduktion: Unterdeckung bei 30%
Steigende Milcherzeugungskosten bei gleichzeitig nachgebenden Produzentenpreisen haben im April 2020 die Kostendeckung bei den deutschen Milchbauern weiter sinken lassen. Auf diesen Missstand hat die Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Milch Board vergangene Woche bei der Vorstellung aktueller Ergebnisse des Milch Marker Index hingewiesen.

Demnach sind in Deutschland die durchschnittlichen Milcherzeugungskosten im April gegenüber Januar um 0,83 Cent/kg (0,9 Rp.) auf 46,76 Cent/kg (50,3 Rp.) gestiegen, vor allem wegen teurerem Zukauffutter infolge der Trockenheit.

Agrarministerin: Keine Krise  

Gleichzeitig ist in diesem Zeitraum der Auszahlungspreis für Milch mit 4,0% Fett und 3,4% Eiweiss um 0,56 Cent/kg (0,6 Rp.) auf 32,68 Cent/kg (35,1 Rp.) gesunken. Damit fehlten den Milchbauern zuletzt 14,1 Cent/kg (15,2 Rp.) oder 30% zur Vollkostendeckung. Die ohnehin schon unzureichende Preis-Kosten-Ratio ging von 72% im Januar auf 70% im April zurück.

Bereits am Dienstag vergangener Woche hatte sich die MEG Milch Board mit einem offenen Brief an Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber gewandt und sie darin für Äusserungen gegenüber der Presse gerügt. In der „Passauer Neuen Presse“ hatte die Ressortchefin mit Blick auf die Corona-Krise erklärt, dass der Milchpreis im Freistaat im April bei rund 34 Cent/kg (36,6 Rp.) und damit auf einem Durchschnittsniveau gelegen habe. Verglichen mit der Auszahlungsleistung von weniger als 23 Cent/kg (24,7 Rp.) in der Milchpreiskrise 2016 und den wieder anspringenden Märktenwäre „es unredlich, von einer Krise zu reden“, so Kaniber.

MEG: Dauerkrise

Die MEG Milch Bord wies jedoch darauf hin, dass die pagatorischen Kosten der Milcherzeugung in Bayern von 2018 bis April 2020 immer über 34 Cent/kg gelegen hätten und die Bauern bei Berücksichtigung von kalkulatorischen Kosten draufzahlen würden, von Gewinnen ganz zu schweigen. Die jetzige Unterdeckung der Milcherzeugungskosten von 30% liege nicht mehr weit entfernt vom Krisenjahr 2016 mit 34% im Jahresmittel. Es gebe somit eine Dauerkrise, aus der man nur mit einem Systemwechsel aus dem immer „billiger und mehr“ herauskomme.

Es würden Rahmenbedingungen benötigt, die den Milcherzeugern über den Markt eine faire Entlohnung ihrer Leistungen, auch im ökologischen und sozialen Bereich, ermöglichten. Den Weg dorthin beschreibt der MEG zufolge die „RoadMap Milch & Markt“, die unter anderem eine verpflichtende vertragsgebundene Milchvermarktung vorsieht.

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