6.06.2017 11:33
Quelle: schweizerbauer.ch - rab/sda/blu
Milchmarkt
Mindestens Richtpreis bezahlen
Milchbauern wollen mehr Geld von den Milchkäufern und verweisen dabei auf ihre schwierige wirtschaftliche Lage. Weiterverkäufer und Verarbeiter sollen ab 1. Juli mindestens den Richtpreis der höchsten Stufe - 65 Rappen pro Liter - bezahlen, ohne Abzüge.

Eine Allianz aus Schweizer Bauernverband (SBV), Schweizer Milchproduzenten (SMP) und den Junglandwirten lud am Dienstag nach Bern ein, um vor versammelter Presse die derzeit schwierige Lage auf dem Schweizer Milchmarkt unmissverständlich darzulegen. In Anbetracht der schwierigen Lage auf den Bauernbetrieben seien die höheren Preise für Milch zwingend und mehr als gerechtfertigt, sagte Bauernverbandspräsident Markus Ritter.

Kein Mengenproblem

Bauern erhielten für Molkerei-Milch im A-Segment nicht den von der Branchenorganisation (BO) Milch festgelegten Richtpreis von 65 Rappen, sondern weniger. Ein Mengenproblem gebe es in der Schweiz nicht: Die Milchmenge sei gegenüber dem Vorjahr um rund 5 Prozent gesunken. Weltweit seien die Milchpreise gestiegen. «Es ist frustrierend, wenn im wichtigsten Produktionszweig innerhalb der Schweizer Landwirtschaft die Produktionskosten nicht mehr gedeckt werden könnten», erklärte Markus Ritter. 

65 Rappen pro Kilo machen gemäss der Vollkostenrechnung der landwirtschaftlichen Schule Hohenrain im Durchschnitt von 158 Milchwirtschaftsbetrieben im Talgebiet alleine die Fremdkosten aus. Die Arbeit der Bauernfamilien sei damit noch nicht bezahlt, schreibt der Bauernverband. Rechnet man einen Arbeitsverdienst von 28 Franken pro Stunde und die Direktzahlungen mit ein, dann müssten die Milchproduzenten rund 77 Rappen für den Liter Milch erhalten. Die Lage ist also bereits dramatisch, warnt der SBV. 

Seit Monaten könne er nicht kostendeckend Milch produzieren, doppelte SBV-Vizepräsident Hans Frei nach. Denn Milchbauern legten drauf: Die Vollkosten der Milchproduktion lägen im Tal bei mindestens 65 Rappen, «ohne Entschädigung der eigenen Arbeit und ohne Verzinsung des Eigenkapitals». «Ein höherer Milchpreis ist das Gebot der Stunde. Für die einzelnen Betriebe wird es langsam unerträglich», so seine deutlich Botschaft.

BOM fordert, Differenz zu verkleinern

In Hügel- und Berggebieten sei die Produktion noch teurer. Er selbst erhalte vier Rappen weniger als den Richtpreis, führte Frei aus. Damit fehlten ihm monatlich über 1000 Franken im Portemonnaie. Doch ein Ausstieg koste - wegen der Investitionen in den Milchbetrieb - noch mehr als der Betrieb.

Forderungen

Die konkreten Forderungen präsentierte SBV-Direktor Jacques Bourgeois. Konkret stellte die Allianz aus Schweizer Bauernverband, Schweizer Milchproduzenten und Junglandwirte folgende Forderungen an die Abnehmer von Molkereimilch: 

• Sie müssen die effektiven Produzentenpreise im A- und B-Segment auf den 1. Juli 2017 mindestens auf das Niveau der Richtpreise der Branchenorganisation Milch anheben. Wenn jetzt bei der jetzigen Situation die Richtpreise im Durchschnitt nicht erreicht werden könne, hat das Richtpreissystem jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

• Sie müssen Abzüge, Rückbehalte und dergleichen auf den 1. Juli 2017 auf das absolute Minimum reduzieren.

• In der Milchbranche muss ein Dialog über eine konkrete Verteilung der Wertschöpfung entlang der Kette geführt werden

Der Vorstand der Branchenorganisation Milch hatte am 24. Mai nach langer Diskussion entschieden, den Richtpreis für A-Milch in den Monaten Juli bis September nicht zu erhöhen. Er befürchtete, dass nach einer Erhöhung wegen Importprodukten und Einkaufstourismus weitere Marktanteile verlorengehen könnten. Die BO Milch sieht jedoch «eine nicht in jedem Fall gerechtfertigte Differenz zwischen dem Richtpreis und dem tatsächlich ausbezahlten Milchpreis». Die Branchenorganisation forderte deshalb, diese Differenz zu verkleinern.

Kein Mindestpreis möglich

Mindestpreise könne die BO Milch nicht festsetzen, aus wettbewerbsrechtlichen Gründen, gab Geschäftsführer Stefan Kohler auf Anfrage zu bedenken. Und nicht jeder Milchverarbeiter wäre auf Grund des Produkteportfolios und der Konkurrenz aus dem Ausland in der Lage, den Richtpreis zu bezahlen.

Zur Kritik an den Abzügen sagte Kohler, dass diese Abzüge zwischen den einzelnen Milchverkäufern und -käufern vereinbart würden. Zu einer Kontrolle über Abzüge durch die Branchenorganisation gebe es kartellrechtliche Bedenken. «Wir begrüssen die Stossrichtung der Bauern», sagte Kohler aber dennoch. Denn das Nichteinhalten des Richtpreises gefährde das System der Milchmarkt-Segmentierung.

Die BO Milch erlässt gemäss Landwirtschaftsgesetz abgestufte Richtpreise für Milch. Der höchste Preis wird für Milch bezahlt, die in den geschützten Schweizer Markt geht. Dies soll verhindern, dass mehr subventionierte Milch gemolken wird als der Schweizer Markt braucht.

Wichtigster Produktionszweig

Milch ist nach Angaben von Markus Ritter der wichtigste Produktionszweig der Schweizer Landwirtschaft. Rund zwei Milliarden Franken des Produktionswertes stammten aus der Milch. «Weil der Milchpreis eine zentrale Bedeutung hat, ist auch die Verzweiflung gross und flächendeckend», sagte er. Die Forderung des Bauernverbandes tragen die Schweizer Milchproduzenten (SMP) mit. Ungerechtfertigte Abzüge, die den Euro-Franken-Kurs und die Lage auf dem Fettmarkt ausgleichen sollten, dürfe es nicht mehr geben, verlangt die Organisation.

Die Butterproduktion in der Schweiz ist nach Angaben der SMP rückläufig. In den ersten fünf Monaten 2017 wurden mehr als 4000 Tonnen Butter weniger produziert als im Vorjahr. Die Butterlager hätten den für die Jahreszeit üblichen Umfang.

Prädestiniert für Milchproduktion

Der Präsident der Junglandwirte Christian Schönbächler stellte indes klar, dass man sich einerseits zwar bewusst sei, dass die Zeiten von fixen Preisen und Mengen vorbei sei. Auf der anderen Seite aber nicht ein könne, dass im Grasland Schweiz, welches für die Milch prädestiniert sei, sich die Produktion nicht mehr lohnt.

Christophe Noël von den SMP zeigte anhand von aktuellen Zahlen auf, dass die Differenz beim Produzentenpreis von Molkereimilch unter den Abnehmern derzeit bis zu 10 Rp. je Kilo betrage, und dass die Margen der Verarbeiter nach wie vor hoch seien. 

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