9.08.2017 16:47
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Mit 50 Rappen wird es schwierig»
Die Situation für die Molkereimilchproduzenten ist prekär. Der Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Schluechthof bei Cham, Martin Pfister, sagt, dass es denkbar ist, dass auch grössere Produzenten aufhören werden. Es sei besorgniserregend, dass der Markt nicht spiele.

Seit Monaten verharren die Produzentenpreise für Molkereimilch je nach Abnehmer zwischen 50 und 60 Rappen je Kilo Milch. Damit können die Bauern knapp die Kosten decken. Die Branchenorganisation Milch konnte sich in den vergangenen Monaten nicht darauf einigen, den Richtpreis zu erhöhen, obwohl die Milchmengen in der Schweiz seit Monaten rückläufig sind und die Preise in Europa wieder steigen.

Die Situation sei nicht motivierend, sagt Martin Pfister denn auch Ende Juli gegenüber der «Zuger Zeitung». «Die Marktmacht liegt in der Schweiz klar auf der Seite des Detailhandels und der Verarbeiter», fährt er fort. Einige Produzenten hätten erhebliche finanzielle Probleme zu verkraften. Es gäbe Betriebe, die sich einen Ausstieg überlegen würden. «Es ist auch denkbar, dass grössere Produzenten aufhören», betont Pfister. Zudem würde derzeit wenig in die Milchproduktion investiert.

Grund für die Probleme seien die tiefen Preise. «Generell lässt sich sagen, dass es für alle sehr schwierig ist, wenn der Milchpreis dauerhaft auf 50 Rappen bleiben wird», erklärt Pfister. Steige der Preis nicht, würden noch mehr Bauern der Milchproduktion den Rücken kehren. Zudem ist er überzeugt, dass die produzierte Milchmenge deutlich zurückgehen würde. «Bei einem solchen Milchpreis gehe ich nicht davon aus, dass die wachsenden Betriebe die wegfallende Menge der aufgebenden Betriebe produzieren werden», ist sich Pfister sicher.

Die Schweizer Milchwirtschaft bringt aus der Sicht des Rektors im Wettbewerb mit der EU gute Voraussetzungen mit. Es gäbe einige Produzenten, die in einen traditionellen Käsekanal wie den Gruyère liefern könnten. Diese erhalten im Vergleich zu den Industriemilchproduzenten einen hohen Milchpreis. Besorgniserregend sei aber, dass der Markt nicht spiele und die Milchmenge zurückgehe. «Die positiven Entwicklungen im Export kommen nicht bis zu den Bauern. Hier sehe ich den Handel und die Verarbeiter in der Pflicht», sagt Pfister der «Zuger Zeitung».

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