24.01.2018 10:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Stefan Kohler
Milchmarkt
Nächste Krise steht vor der Tür
Stefan Kohler, Geschäftsführer der Brancheorganisation Milch (BOM), äussert sich in einem Kommentar zu aktuellen Situation auf den europäischen Milchmarkt und wirft einen Blick in die Zukunft.

2017 war auf dem Weltmarkt für Milch ein gutes Jahr. Die abnehmende Produktion in der EU zwischen Sommer 2016 und Sommer 2017 führte zu steigenden Preisen. Die Europäer sind die Taktgeber auf dem Weltmarkt. Deshalb haben Massnahmen in den europäischen Ländern grosse Auswirkungen. Und weil die europäischen Preise auch Auswirkungen auf die Schweiz haben – meist mit einer Zeitverzögerung von sechs bis neun Monaten – sollte uns die europäische Entwicklung interessieren.

Die Milchproduktion in der EU zieht jetzt bedenklich an. In den letzten drei Monaten 2017 lag der Anstieg bei jeweils über 4 Prozent gegenüber den Monaten des Vorjahres. Die Milchbauern befürchten einen drastischen Preiszerfall im Ausmass von etwa 10 Cent pro kg. Die dritte Milchkrise innerhalb weniger Jahre steht am Horizont. Konsequenterweise fordern die Milchbauern staatliche Hilfe. Weil aber nur ein koordiniertes Vorgehen in allen EU-Ländern sinnvoll ist, braucht es neben der komplizierten Abstimmung verschiedener Agrarminister in der EU auch eine branchenweite Zustimmung in allen wichtigen milchproduzierenden Staaten. Dass eine Art «Branchenorganisation Milch» auf europäischer Ebene fehlt, wird der Branche jetzt bewusst. 

Ein kritischer Blick der Betroffenen auf einen allfälligen politischen Entscheid ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Denn leider ist nicht jeder staatliche Eingriff nützlich. Nach wie vor sitzt man in der EU auf dem gigantischen Lagerbestand von über 370'000 Tonnen Magermilchpulver aus der staatlichen Intervention der vergangenen Jahre. Auch in den USA waren im Herbst 2017 145'000 Tonnen Magermilchpulver eingebunkert. Dabei hat gerade dieses Lager im vergangenen Jahr eine stabile Preiserholung weltweit verhindert und drückt nach wie vor auf die Stimmung. Es wussten jederzeit alle, dass das Überangebot riesig ist.

 


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