20.01.2013 07:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter/Daniel Salzmann
Milchmarkt
Nagelprobe für die Segmentierung
Die Segmentierung wird oft nur mangelhaft umgesetzt. Insbesondere für POs mit mehreren Abnehmern ist sie kaum korrekt umsetzbar. Dazu kommt, dass die Verarbeiter auch die billige C-Milch wollen.

Per sofort müssen es auch jene können, die es bis jetzt nicht konnten, das Milch-ABC. Denn seit dem 1. Januar sind alle Mitglieder der Branchenorganisation Milch (BOM) dazu verpflichtet, ihren Produzenten A-, B- und C-Milch-Mengen auszuweisen. Und für jedes einzelne Segment soll der Milchpreis angegeben sein. Dies schreibt das Reglement «Segmentierung Milchmarkt» der BOM vor. Das Reglement soll durch den Bundesrat noch für allgemein verbindlich erklärt werden.

C-Milch soll freiwillig sein

Die Idee scheint logisch. Der Milchbauer soll wissen, welche Mengen er in welches Segment zu welchem Preis liefern kann. Und kriegt er seines Ermessens zu wenig für die C-Milch, soll es ihm möglich sein, nur A- und B- Milch abzuliefern – die Lieferung von C-Milch soll freiwillig sein. Die Verarbeiter wiederum sollen die Milch zu jenem Preis einkaufen, zu welchem sie den Absatz sicherstellen können. Überschüsse, welche durch die Produzenten abgebaut werden, sollten bei korrekter Segmentierung keine mehr anfallen.

Es gibt mehrere Haken

Das Ganze hat aber mehrere Haken. Erstens schreibt das Reglement vor, die Segmentsmengen und -preise müssten mit der Milchabrechnung ausgewiesen werden – also erst, wenn die Milch bereits abgeliefert ist. Um die Segmentsmengen im Voraus bekannt zu geben, müssten die Milchhandelsorganisationen genau wissen, wie viel gemolken werden wird.

Zweitens wird die Freiwilligkeit der C-Milch auch durch Verarbeiter unterlaufen, die erklären: «Ihr dürft A- und B-Milch nur liefern, wenn ihr auch C-Milch bringt.» Entsprechend verlangen sie von ihren Lieferanten auch einen gewissen Anteil C-Milch.

Drittens wurde der  Satz «Es dürfen keine Mischpreise bezahlt werden» auf Antrag der Produzentenvertreter kurzfristig aus dem Reglement gestrichen.

Was machen die POs?

Bislang rechnete die Lobag Milch AG nur A- und B-Milch ab. Und jetzt? «Wir werden unseren Produzenten ausweisen, wie viel Milch in welchem Segment landet», versichert Donat Schneider, Geschäftsführer der Lobag Milch AG. Dass aber nur A- und B-Milch abgerechnet wird, daran hält die Lobag fest – vorerst zumindest. «Einige Produzenten haben nach wie vor ein Jahreslieferrecht, anderen rechnen wir monatlich ab. Dies verunmöglicht, dass wir jeden Monat drei Segmente abrechnen können», erklärt Schneider. Wer die C-Milch nicht produzieren wolle, könne beim Lobag-System auch die B-Milch nicht abliefern.

«Ähnlich sieht es bei der Prolait aus. Sie weist ihren Produzenten einen A-minus-Preis aus. «Unsere Produzenten haben keine Mehrmengen und daher nur A-Milch», erklärt Geschäftsführer Eric Jordan. Die Verarbeiter würde aber B- und C-Milch diktieren und entsprechend abrechnen. Deshalb seien sie gezwungen, den A-Preis ihrer Produzenten zu reduzieren. Jordan stellt aber in Aussicht, dass die Prolait ab März die Segmentierung konform umsetzen werde. Er legt Wert darauf zu sagen, dass die Segmentierung ein Papiertiger bleibe, «so lange keine Referenzmenge pro Segment über die ganze Schweiz definiert ist».

Drei Mengen, drei Preise

Die PO Miba verwendet für die Kommunikation zwar immer noch einen «Basispreis», der alle drei Segmente umfasst. Gegenüber ihren Produzenten weist sie aber seit Juni 2012 in der monatlichen Milchgeldabrechnung für die Segmente A, B und C drei Mengen und drei Preise aus, wie Miba-Geschäftsführer Christophe Eggenschwiler erklärt. Ebenso werde die PO Nordostmilch, beginnend mit der Milchgeldabrechnung für den Monat Januar, drei Mengen und drei Preise ausweisen, stellt Geschäftsführer René Schwager in Aussicht. 
Bei den Zentralschweizer Milchproduzenten hat jeder Lieferant eine vertraglich zugeteilte Menge. Was darüber produziert wird, geht in den B- und den C-Kanal. Abgerechnet werden schlussendlich jene Anteile, welche effektiv am Markt abgesetzt werden konnten.

Kommt es zu Sanktionen?

«Das Nichteinhalten der Bestimmungen dieses Reglements wird durch die BOM sanktioniert», steht im neuen Segmentierungsreglement. Zuständig dafür ist eine Sanktionskommission. Falls der Bundesrat die Allgemeinverbindlichkeit erteilt,   wird auch die Verwaltung ein Auge auf die Umsetzung halten.

Eines ist klar: Die Segmentierung wäre bei einem Verarbeiter und bei einem Milchproduzenten einfach umzusetzen; bei mehreren Verarbeitern, mehreren Milchhändlern und vielen Produzenten wird es automatisch sehr kompliziert. Deshalb wird sie wohl die Nagelprobe nicht bestehen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE