30.05.2019 15:22
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchproduktion
Nestlé ist stolz auf «Klima-Milch»
Nestlé gehört zu den grossen Milchkäufern der Schweiz. Eines ihrer Prestigeprojekte ist die «klimafreundliche Milch». Wie der Milliardenkonzern nun mitteilt, wurde das Jahresziel zum zweiten Mal «weit» übertroffen. Zur Abgeltung für die Bauern hat Nestlé keine Angaben gemacht.

Die Nestlé hat eine Vision: Schweizer Milch soll lokal, naturnah, tiergerecht und klimaschonend produziert werden. Das Unternehmen mit Sitz in Vevey VD hat auf dem hiesigen Milchmarkt ein Wörtchen mitzureden. Und es hat sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben.

Wichtiger Beitrag gegen Klimaerwärmung

Nestlé kauft pro Jahr 118‘000 Tonnen Schweizer Milch (Jahresproduktion Schweiz: 3,4 Mio. Tonnen). Milch gehört zu den fünf wichtigsten Rohstoffen für den Konzern in der Schweiz. Mit der klimafreundlichen Milch soll der CO2-Ausstoss gesenkt werden.

Kühe, die länger leben und länger Milch produzieren, stossen pro Kilo Milch rund 5% weniger Treibhausgase aus, schreibt Nestlé am Mittwoch in einer Mitteilung. Ihr Treibhausgas-Ausstoss in der Aufzuchtphase als Kalb, in der sie keine Milch, aber Methan produzieren, verteilt sich so auf eine längere Zeit und eine grössere Milchmenge. Mit weiteren Massnahmen wie einer optimierten Kälberaufzucht könnten die Emissionen gar um 10 bis 20 Prozent reduziert werden. Das sei ein wichtiger Beitrag gegen die globale Klimaerwärmung, so Nestlé.

Mehrpreis von 3 Rp. für 46 Betriebe

Im Pilotprojekt «Klimafreundliche Milch» setzt sich Nestlé Schweiz zusammen mit mittlerweile 145 Landwirtschaftsbetrieben der Milchhändlerin Aaremilch AG für eine nachhaltige Schweizer Milchwirtschaft ein. Ziel: Bis 2020 will das Projekt pro Kilo produzierte Milch rund 50 Gramm CO2-Äquivalente einsparen, welche beim Verdauungsprozess der Kühe entstehen. Das entspricht einer Reduktion von 10% pro Kilo Milch. Finanziert wird das Projekt von Nestlé Schweiz und dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in einer Public-private-Partnership.

Im ersten Jahr (2017) nahmen 46 Milchviehbetriebe in der Region Konolfingen BE teil. Sie konnten ihren CO2-Ausstoss im Vergleich zur Ausgangslage (Zeitraum 2014 – 2016) um 123 Tonnen zu senken. Das entspricht den Emissionen, die auf 20 Erdumrundungen mit dem Auto entstünden, schreibt Nestlé. Die Bauern wurden mit einem Mehrpreis von 3 Rp. pro Kilo Milch bedacht, wie «Schweizer Bauer» im vergangenen August berichtete.

Grossteil der Klimaziele erreicht

Im zweiten Projektjahr wurde ein weiterer Rückgang der Emissionen um 180 Tonnen erzielt. «Somit wurde das Jahresziel bereits zum zweiten Mal in Folge weit übertroffen», hält Nestlé fest. «Wenn wir es schaffen würden, dieses Projekt auf die ganze Schweizer Milch auszuweiten, wäre damit ein Grossteil der Klimaziele der Schweizer Landwirtschaft erreicht. Die ersten Ergebnisse sind für uns eine grosse Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen», lässt sich Daniel Imhof, Leiter Landwirtschaft von Nestlé Schweiz, zitieren. «Bei der Milch, einem unserer wichtigsten Rohstoffe, legen wir ganz besonders Wert auf eine nachhaltige und klimaschonende Beschaffung», sagt Muriel Lienau, CEO von Nestlé Schweiz.

Entscheidend wird sein, ob Verarbeiter wie Nestlé bereit sind, die Bauern für Nachhaltigkeitsstandards wie «klimafreundliche Milch» entsprechend zu entschädigen. Ob und wann Nestlé Schweiz über das Pilotprojekt hinaus einen Mehrpreis für klimafreundliche Milch ausrichten wird, ist unklar. In der Medienmitteilung hat Nestlé keine Angaben dazu gemacht. 

Ein Förderbereich des Projekts ist die Lebtagesleistung, das heisst geleistete Milchmenge durch Anzahl Lebtage. Als Zielwert gelte im Talgebiet 13,8 kg Milch pro Lebtag und im Berggebiet 11,7 kg Milch. Der Unterschied habe mit der weniger intensiven Haltung im Berggebiet zu tun. Bei Aaremilch ist die Lebtagesleistung nicht gleich Lebtagesleistung. Diese wird auf Talbetrieben mit maximal einer durchschnittlichen Jahresmilchleistung pro Kuh von 8000 kg Milch und im Berggebiet von maximal 7000 kg Milch berechne. hal

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