31.01.2016 07:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
SMP
Nicht alle SMP-Vorstandsmitglieder reduzieren
Der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten (SMP) fordert die Bauern auf, die Milchmenge um 3% zu reduzieren. Wir haben die Vorstandsmitglieder aus der Deutschschweiz gefragt, wie sie das auf ihren Betrieben umsetzen.

Christian Arnold (ZMP, Seedorf UR): «Bereits seit einigen Jahren mästen wir Kälber. Wir versuchen damit jeweils die Basismenge einzuhalten. Wir geben ältere Kühe früher in den Schlachthof. Und aufgrund des Wetters im letzten Jahr gibt es auch weniger Milch aus dem Grundfutter.»

Ernst Bachmann (VMMO; Flaach ZH): «Seit 1. Januar haben wir eine Betriebsgemeinschaft mit dem Nachbarn. Wir haben insgesamt weniger Tiere als vorher, was auch mit dem Umbau des Stalls zusammenhängt. Im Zuge der Umstrukturierung haben wir also unseren Milchviehbestand etwas heruntergefahren. Und wenn es nicht besser wird auf dem Markt, werden wir auch die Produktion nicht wieder hochfahren.»

Hanspeter Egli (VMMO, Trachslau SZ): «Wir haben einen Betrieb mit 25 Kühen der Rasse Original Braunvieh. Schon immer mästeten wir unsere Kälber selbst. Wenn die Milch gesucht ist, liefern wir mehr Milch ab. Bei tiefem Milchpreis kaufen wir noch einige Tränkerkälber hinzu und schauen, dass die Kälberboxen voll sind. Das haben wir bereits im Jahr 2015 gemacht. Da haben wir 10% weniger Milch abgeliefert als 2014. Für mich gilt auch: Man kann nicht einen solchen Aufruf machen und  selbst das Gegenteil tun. Es ist sehr wertvoll, wenn unser Aufruf Wirkung zeigt.

Karl Häcki (VMMO, Hausen am Albis ZH): «Mein neuer Stall ist letzten Sommer abgebrannt. Viele Kühe sind verstellt. Ich melke momentan im alten Stall noch etwa 15 Kühe. Ich vertränke sämtliche Milch an Kälber.  Auch die BG Frauenthal, wo viele meiner Kühe momentan stehen, vertränkt viel Milch an Mastkälber. Es empfiehlt sich, den Kraftfuttereinsatz etwas zu senken. Seit August habe ich vermehrt Kühe auf dem Schlachtviehmarkt verkauft und somit die Menge reduziert.» 

Andreas Hitz (MPM, Untersiggenthal AG): «Zunächst setzen wir bei der Fütterung an. Wir versorgen die Kühe bedarfsgerecht, aber pushen sie nicht noch. Wir behalten die Stierkälber länger und vertränken damit zusätzliche Milch. Und wir selektionieren strenger. Wir lassen ältere Kühe nicht mehr besamen und geben sie dann in den Schlachthof. Allerdings sollten auch die Milchkäufer nicht noch Anreize setzen, Fett zu produzieren. Einige machen das bereits. Bei uns Emmi-Direktlieferanten lohnt es sich nicht mehr, über den geforderten Fettgehalt von 4,0% hinauszugehen.»

Hanspeter Kern (Präsident SMP, Buchberg SH): «Ich betreibe eine Milchproduktion mit einem Leistungsniveau, das auf die Rahmenbedingungen meines Betriebs abgestimmt ist. Jetzt gebe ich den Kälbern etwas länger Milch. Ich lasse zwei Kühe, die ich erst im Sommer schlachten wollte, sofort schlachten. Es braucht gar nicht viel, um die Mengenreduktion von 3% pro Betrieb hinzubekommen. Wenn man 30 Kühe hat und man vertränkt die Milch einer Kuh zusätzlich den Kälbern, hat man das Soll schon erfüllt. Die saisonalen Überschüsse bringt man allerdings so nicht weg.»

Andreas Müller-Friedli (Berner Bauernverband, Walkringen BE): «Wir haben die Milchproduktion kürzlich aufgrund von  wirtschaftlichen Überlegungen eingestellt. Früher melkten wir 350000 kg.»

Ruedi Schnyder (Thurgauer Milchproduzenten, Ellighausen TG): «Ich habe von 26 Stallplätzen seit Winterbeginn 2 bis 3Plätze leer wegen Futterknappheit. Den Aufruf zur Mengeneinschränkung erachte ich als Signal, dass die Verantwortung bei jedem Einzelnen beziehungsweise bei den Milchkäufern liegt.»

Andreas Schaad (Berner Bauernverband, Bettenhausen BE): «Ich liefere Milch in eine Emmentaler-Käserei, wo wir derzeit ja nur 53% der Referenzmenge käsen dürfen. Letzten Herbst haben wir in der Genossenschaft dazu aufgerufen, die Milchmenge zu reduzieren, damit es uns den ausbezahlten Preis nicht weiter herunterzieht. Denn der Preis für die Einschränkungsmilch ist ja sehr tief. Persönlich habe ich meinen Stall nicht mehr voll, ich habe den Futterzukauf stark reduziert.»

Daniel Schreiber (Miba, Wegenstetten AG): «Schon seit Längerem bringen wir Kühe, die wir noch melken könnten, früher zur Schlachtbank. Und wir setzen in der Fütterung für die Kälber, die wir aufziehen, nur noch Milch ein, kein Milchpulver mehr. Mehr Kälber einstallen als jetzt können wir allerdings aus Platzgründen nicht. Auch bei der Fütterung der Kühe sind wir derzeit zurückhaltend.»

Christian von Känel (Berner Bauernverband, Lenk BE): «Unsere Strategie ist, mehr Milch an die Kälber zu vertränken. Bezüglich Abkalbezeitpunkt schauen wir auch darauf, dass die Kühe möglichst im Sommer viel Milch geben, wenn wir mit ihnen auf der Alp sind, wo wir Alpkäse herstellen. Hier an der Lenk wollen wir ohnehin via die Lenk Milch AG möglichst viel Milch selbst verarbeiten.»

Urs Werder (VMMO, Ganterschwil SG): «Ich habe am Montag zwei Kühe in den Schlachthof verkauft, die noch viel Milch gegeben haben. Das sind fast 10% meines Kuhbestands. Zuerst wollte ich diese Kühe bis in den Sommer melken, aber jetzt habe ich mich entschieden, ein Zeichen zu setzen.»

Zwei investieren

Thomas Oehen (ZMP, Lieli LU): «Ich bin in einer etwas speziellen Situation. Unser Anbindestall ist sanierungsbedürftig. Mein Sohn und ich glauben an die Zukunft der Milchproduktion, und deshalb sind wir am Bauen. Wir werden mittelfristig die Milchproduktion ausdehnen. Momentan holen wir aber nicht das Maximum aus dem Betrieb heraus. Bei uns ist es üblich, dass wir jeden Tränker bis 75 kg bei uns halten. Wir geben zudem Kühe etwas früher in den Schlachthof.»

Thomas Hirsbrunner (Bemo, Häusernmoos BE): «Wir setzen schon lange auf die Milchproduktion. Um zu wachsen, haben wir auch in diesen Bereich investiert. Durch das Vertragsmengen-Modell von Emmi nutzten wir die Möglichkeit zu wachsen. Diesen Weg haben wir vor zwei Jahren gewählt und werden ihn auch weiter  verfolgen. Auch wenn der Milchmarkt im Moment schwierig ist, können  und wollen wir unsere Strategie nicht plötzlich ändern.»

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