13.03.2017 14:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Nicht Politik soll Milchmarkt regulieren»
Jungbauern rufen alle im Milchgeschäft auf, ein Zeichen zu setzen. Ein vorgefertigter Brief mit der Bitte um faire Marktbedingungen liege auf der Homepage der Jula bereit, erklärt deren Präsident Christian Schönbächler.

Schweizer Bauer»: Am Dienstagabend ging die WhatsApp-Nachricht «Jetzt reicht’s» der Junglandwirtekommission (Jula) viral. Um was geht es Ihnen in dem Aufruf?
Christian Schönbächler: Der Jula geht es um das Premium-Produkt Schweizer Milch. Dieses sehen wir bei den aktuellen Produzentenpreisen stark bedroht und fordern nun eine Trendwende hin zu fairen Produzentenpreisen und einer gerechten Verteilung der Wertschöpfung im Milchbereich.

Mittels eines Briefs, welcher auf der Homepage der Jula zum Herunterladen bereitsteht, soll ein Appell an die Verarbeiter gerichtet werden. An wen richtet sich der Brief konkret, und was steht drin?
Wir haben uns auf fünf Empfänger aus Verarbeitung und Detailhandel konzentriert. Wir sind der Meinung, dass nicht die Politik den Milchmarkt regulieren soll, sondern dass wir das gemeinsam und partnerschaftlich mit den Verarbeitern und dem Detailhandel regeln müssen. Dabei sitzen wir schlussendlich im gleichen Boot. Wir stellen bewusst keine konkreten Forderungen, sondern bitten um deren Unterstützung. Eine nachhaltige und für alle Stufen kostendeckende Milchproduktion ist nur möglich, wenn Produzenten, Verarbeiter und Detailhandel zusammenarbeiten und für die gegenseitige Situation Verständnis zeigen.

Haben Sie bereits Reaktionen erhalten auf die Aktion?
Diverse positive Mails und SMS sind eingetroffen. In der Sache ist sich die Landwirtschaft einig. Über die Art und Weise einer solchen Forderung gehen die Meinungen allerdings etwas auseinander.

Nebst den Schweizer Milchproduzenten (SMP) will auch der Schweizer Bauernverband (SBV) eine Fachgruppe Milch bilden. Wieso ist auch eine Aktion der Jula nötig?
Es geht bei dieser Aktion nicht um die Jula oder einzelne Personen, sondern um die Sache und damit in erster Linie um die Milchbauern und deren Familien. Wir sind der Meinung, dass man den Milchmarkt und die Milchpreisverhandlungen nicht nur den Funktionären überlassen sollte. Mit unserer Aktion geben wir allen an der Sache interessierten Leuten die Möglichkeit, sich mit kleinem Aufwand einzubringen und einen Beitrag zu leisten. Nun haben sie die Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Gilt der Appell nur für Milchbauern?
Der Aufruf richtet sich aber nicht nur an die Milchbauern. Der Brief ist bewusst so verfasst, dass er auch von Nicht-Milchproduzenten und den Konsumenten versendet werden kann. Ich denke da spezifisch an all die Leute, welche in den vor- oder nachgelagerten Stufen ihr Einkommen mit der Landwirtschaft verdienen. Also alle Tierärzte, Futtermittelvertreter, Stalleinrichter, Landmaschinenhändler, Mitarbeiter von Zuchtverbänden, Treuhänder usw. Die Liste könnte man fast endlos fortsetzen.

Der ausbezahlte A-Molkereipreis lag 2016 im Schnitt bei 58,47 Rp./kg. Über alle Segmente bei 54,51 Rp./kg. Welchen Preis braucht ein Junglandwirt mindestens, damit er in die Industriemilch investieren wird?
Dazu kann ich keine Aussage machen, denn jeder Betrieb ist anders. Wer aber mit den aktuellen Preisen gedenkt, grosse Investitionen zu tätigen, dem rate ich dringend, einen Nachhilfekurs in Betriebswirtschaft zu belegen. Bei den aktuellen Milchpreisen ist keine nachhaltige Milchproduktion möglich. Viele Betriebe leben von der Substanz und verschieben zum Teil überfällige Investitionen in der Hoffnung auf einen besseren Milchpreis.

Wenn die Preise nicht steigen werden, ist von Seiten der Jula mit weiteren Aktionen solcher Art zu rechnen?
Selbstverständlich haben wir einen Pool von Ideen, welche wir je nach Reaktion der angeschriebenen Verarbeiter und Detailhändler umsetzen werden. Fürs Erste hoffen wir aber darauf, dass unsere Aktion noch einige Tage oder Wochen anhält und möglichst viele Leute daran teilnehmen. 

Hier gehts zum Brief


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