6.10.2015 08:36
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Niemand kennt genauen B-Milch-Anteil
Der Anteil des B-Segments in der Industriemilch steige kontinuierlich, schreibt BIG-M in ihrem Newsletter. Zu Grunde liegen Zahlen des BLW. Doch diese sind nicht vollständig. Niemand hat genaue Zahlen.

Wieder einmal sorgt ein Newsletter von BIG-M für rote Köpfe. BIG-M hat im Marktbericht Milch des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW), Ausgabe August, Folgendes festgestellt: Im Juli 2013 galten 10 Prozent der Milchmenge als B-Milch. Im Juli 2014 lag der B-Anteil bei 15 Prozent. Im 2015 ist der B-Milch-Anteil auf 20 Prozent gestiegen.

Sprich: Im Verlauf von nur zwei Jahren hat sich der Anteil der gegenüber der A-Milch deutlich billigeren B-Milch im Monat Juli verdoppelt. «Im Juli 2013 (einem Jahr mit Milchüberschüssen) galten nur gerade 10 Prozent der Milchmenge als B-Milch. Im Juli 2014 lag (bei ausgeglichenem Milchmarkt) der B-Anteil bei 15 Prozent. Im 2015 (wo es deutlich zu wenig Milch hat) ist der B-Milch-Anteil auf 20 Prozent gestiegen», wird kritisiert.

Unvollständige Zahlen

Das Problem: Die Zahlen des BLW sind nicht vollständig. Die Menge an Industriemilch, die bei der Segmentierung berücksichtigt wird, beträgt nur 58 Prozent der Gesamtmenge an Industriemilch. Warum wird nicht 100 Prozent oder zumindest ein höherer Anteil der Gesamtmenge berücksichtigt? «Trotz unserer Bemühungen, die Preise und die entsprechenden Mengen für Industriemilch nach Segmentierung zu erhalten, melden mehrere Milchkäufer immer noch gemischte oder ungenügend segmentierte Preise und Mengen. Es ist deshalb derzeit nicht möglich, einen höheren Anteil der Gesamtmenge zu berücksichtigen», sagt BLW-Sprecher Jürg Jordi. Er korrigiert zudem die von BIG-M zitierten Zahlen leicht: Der Anteil B-Milch habe im Juli 2015 nicht 20, sondern nur 16 Prozent betragen.  

Jordi verweist deshalb an die Branchenorganisation Milch (BOM), welche eine vollständige Statistik über die Entwicklung der Mengen nach Segment A, B, und C erfasse. Tatsächlich erfasst die TSM Treuhand im Auftrag der BOM alle in der Schweiz produzierte Milch im Erstmilchkauf nach Segmenten. «Diese Zahlen sind im Gegensatz zu den BLW-Zahlen vollständig und zuverlässig, sie decken nicht 58, sondern 100 Prozent der eingekauften Milch ab», betont BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler.

Auch BOM nicht genau

Doch auch er hat keine genauen Zahlen über die Segmentierung nur der Industriemilch: «Die Segmentierung nur der Industriemilch alleine wird bei uns nicht erfasst. Dies wäre auch etwas heikel, weil die Grenze zwischen Industriemilch und Käsereimilch genau genommen nicht sehr klar ist, weil von der Käserei sehr viel Milch und Rahm in die Industrie fliesst.» Die Käsereimilch sei allerdings praktisch ausschliesslich A-Milch.

Auch wenn es keine separaten Zahlen für Industriemilch gebe, sei  eine Überschlagsrechnung über zwei Drittel Molkereimilch zu ein Drittel Käsereimilch relativ einfach zu bewerkstelligen: «Der B-Anteil steigt dann auf ca. 20 Prozent, der C-Anteil auf 3 Prozent im Jahresdurchschnitt.» Da aber die Anteile B- und C-Milch bei den verschiedenen Verarbeitern extrem unterschiedlich seien, brächten diese Durchschnitte auch nicht viel.

Beleidigung von TSM

Anders gesagt: Wenn ein Milchbauer seine Milch an einen Verarbeiter verkauft, der sehr viel B-Milch in seinem Portfolio hat, brächten ihm tiefe Durchschnittswerte gesamtschweizerisch wenig. «Ich kann nicht bestätigen, dass der Anteil B-Milch steigt», betont deshalb Kohler. «Wer hier von einem Bschiss redet, schaut sich einfach nur das an, was er ohnehin sehen möchte», fügt er an.

Die Segmentierung werde mit einem extrem aufwändigen System vom Stall bis hin zum Ladenregal kontrolliert und verfolgt. «Es ist eine Beleidigung für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TSM Treuhand GmbH und der BOM, wenn ihnen unterstellt wird, sie würden das Ganze nicht seriös kontrollieren», fügt er an. Kohler bietet jedoch an, das Ganze ausführlich zu erklären, wenn jemand das möchte.

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