11.07.2017 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Nur 50 Rp./kg: Cremo verteidigt sich
Der Schweizer Bauernverband verteilte den Medien vergangene Woche anlässlich einer Medienkonferenz eine Preistabelle. Daraus geht hervor: Die Freiburger Molkerei Cremo zahlte den schlechtesten aller schlechten Milchpreise. Die Molkerei nimmt gegenüber dem «Schweizer Bauer» Stellung.

Nur 49.30 Rp./kg bezahlt die Molkerei Cremo ab 1. Juli als Produzentenpreis für die Suisse-Garantie-Milch. Das geht aus einer Tabelle hervor, die der Schweizer Bauernverband erstellt hat. Sie beruht auf Erhebungen und Schätzungen.

SBV stellt Cremo an den Pranger

SBV-Departementsleiter Martin Rufer betonte an der Medienkonferenz vom Mittwoch, dass es extrem schwierig sei, Licht ins Dickicht der Milchpreise zu bringen und dass die Molkereien alles täten, um ihre schlechten Preise zu verschleiern. Er wies auch darauf hin, dass die Molkereien mit den Zahlen vorab bedient worden seien und diese sie nicht als falsch zurückgewiesen hätten.

Via Bauernverband gelangt also die Cremo Molkerei für ihre Tiefpreise an den Pranger.
Die Molkerei Cremo ist mit ihrem wertschöpfungsschwachen Produkteportfolio (viele Eiweiss-Rohstoffe für den Export) schon lange ein Sorgenkind der Schweizer Milchwirtschaft. Trotz Milchpreisen, die den Schweizer Milchbauern die Kosten nicht decken (geschweige denn einen angemessenen Stundenlohn ermöglichen), schrieb die Molkerei 2016 fast keinen Gewinn. Laut Branchenvertretern hat die Cremo in ihren Rechnungen auch nirgendwo Gewinne «verschwinden» lassen.

Der «Schweizer Bauer» hat der Molkerei Cremo die folgenden Fragen gestellt. Cremo-Generalsekretär Thomas Zwald hat diese wie folgt beantwortet:

«Schweizer Bauer»: 1. Können Sie diese Milchpreise franko Rampe für den Monat Juli bestätigen (70% A-Milch à 55.0 Rp.; 30% B-Milch à 47.90 Rp.)?
Thomas Zwald: Wir können diese (unsere) Preise deshalb nicht bestätigen, weil sie nicht die Realität, d.h. effektiv bezahlten Milchpreise abbilden. Darin liegt denn auch die grosse Schwäche der SBV-Darstellung. Was die effektiv bezahlten Milchpreise betrifft, möchte ich namentlich auf den BLW-Marktbericht Milch verweisen. Der dort ausgewiesene Produzentenpreis für die Regionen I und V belegen (Zeitraum Januar bis April 2017), dass Cremo offensichtlich bei den Leuten ist. Daran dürfte sich auch in naher Zukunft nichts bis wenig ändern.

2. Wie kommt es zu diesem enorm tiefen Milchpreis der Cremo?
Aufgrund des vorstehend Gesagten kann von „enorm tiefen Preisen“ nicht die Rede sein.

3. Was unternimmt die Cremo, damit sie in Zukunft höhere Milchpreise bezahlen kann?
Höhere Milchpreise können dann bezahlt werden, wenn sich die Markbedingungen entsprechend verbessern. Wie Sie wissen, richtet sich das Preissystem der Cremo richtigerweise am realen Markt aus.

4. Hochdorf setzt auf Babynahrung und verlängert dabei die Wertschöpfungskette mit dem Zukauf eines Vertriebsunternehmen. Emmi hat in der Schweiz den Ziegenmilchbereich, den Joghurt-Bereich (Joghurt pur) und die Käseaffinage unter eigener Kaltbach-Marke ausgebaut. Cremo investiert in ein neues Pulverwerk. Anlässlich der Medienkonferenz sagten SBV-Vertreter, dass im Pulverbereich die Wertschöpfung sehr niedrig sei und sie ein grosses Fragezeichen hinter diese Investition machen. In welche Zukunftsmärkte mit hoher Wertschöpfung investiert Cremo?
Die Investitionspolitik und –strategie der Cremo ist grundsätzlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

5. Wie sollen die Cremo-Milchlieferanten mit einem Milchpreis von um die 50 Rp./kg in der Milchproduktion ihre Kosten decken, von Investitionen in den Milchviehbereich ganz zu schweigen?
Es ist nicht Sache der Cremo, stellvertretend für die Betroffenen zu antworten.

6. Hat das Cremo-Management in letzter Zeit offiziell den Hof eines Cremo-Direktlieferanten besucht und mit ihm über seine finanzielle Situation gesprochen?
Sie können davon ausgehen, dass wir die finanzielle Situation unserer Direktlieferanten aufgrund der regelmässigen – und auch sachlichen – Kontakte mit ihnen hinreichend kennen. Apropos Sachlichkeit: Sachlichkeit bzw. ein sachlicher Dialog ist in dieser sowohl für Produzenten als auch Verarbeiter schwierigen Zeit besonders gefragt und in jedem Fall weit zielführender als Polemik und Politgetöse.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE