17.04.2017 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sam
ZMP
«Nur Klopapier billiger als Milch»
Die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) haben an ihrer DV vom Donnerstag die schwierige Situation auf dem Milchmarkt mit Tiefstpreisen thematisiert. ZMP-Präsident Thomas Oehen kritisierte, dass nur Toilettenpapier häufiger in Aktionen zu kaufen sei, als Milch.

«Die Werbung von Migros und Coop verspricht eine ökologische Milchproduktion, glückliche Kühe auf saftigen Wiesen und strahlende Bauern», kritisierte ZMP-Präsident Thomas Oehen gemäss Medienmitteilung. Auch die Verarbeiter würden zwar auf Nachhaltigkeit setzen. Das Ziel für Schweizer Milch wäre also klar.

Nur Toilettenpapier gleich häufig in Aktion


Man brauche aber die Milch als Frequenzbringer im Laden, weil sie als gesundes Grundnahrungsmittel in vielen Haushalten täglich gebraucht werde. Thomas Oehen stellte fest, dass man bei einem Detailhändler oder Discounter jederzeit 10 Liter Schweizer UHT Milch aktionsmässig für CHF 1.-/Liter oder billiger kaufen könne. Ähnlich oft durchgeführte Aktionen stelle er noch beim Toilettenpapier fest - auch so ein Produkt, das man täglich benötigt.

Immer wieder höre er von Konsumentinnen und Konsumenten, dass sie bereit wären, mehr für Milch und Milchprodukte zu bezahlen, wenn das Geld auch wirklich zum Produzenten fliessen würde. Oehen ist überzeugt, dass bei gut 6 Prozent durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Lebensmittel mehr zu holen wäre. Das sei nur möglich, wenn die ganze Wertschöpfungskette dazu bereit ist, etwas zu bewegen. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten müssen Wort halten - nur mit «Schönrederei» sei es nicht getan.

Auch Bundesrat kriegt Fett weg


Auch der Bundesrat, der in seinem Bericht Milchmarkt vor allem die Branche in die Pflicht nahm, kriegte sein Fett weg. Der Bundesrat rufe in seinem Bericht zum Milchmarkt die Milchbauern auf, auf Nischen und Mehrwerte (Differenzierungsstrategie) zu setzen sowie die Produktionskosten zu senken, schreiben die ZMP in einer Mitteilung. «Aber ein Ausbau von staatlichen Massnahmen und Instrumenten sieht der Bundesrat dafür nicht vor», heisst es weiter. Eine Mehrwert- und Qualitätsstrategie habe auch die Branchenorganisation Milch definiert. Und der Schweizer Bauernverband analysiere in einer Arbeitsgruppe, wie mehr Geld zu den Milchbauern fliessen könne.

Oehen kritisierte an der Versammlung gemäss Mitteilung, dass die Akteure der Wertschöpfungskette Milch im selben Boot sitzen würden, aber jeder rudere aktuell in seinem Tempo - teilweise in eine andere Richtung. «So würden wir das Ziel nie erreichen - drehen uns höchstens im Kreis», so Oehen. Der Präsident ZMP forderte alle Akteure auf, sich auf das Ziel zu fokussieren und dieses gemeinsam anzusteuern. Nachhaltigkeit verursache vor allem beim Produzenten Mehraufwand. Nachhaltigkeit bedeute, dass auch beim Bauer Wertschöpfung ankommen müsse.

Auch der Bundesrat und das Parlament seien in der Pflicht, die staatlichen Instrumente entsprechend auszurichten. Die Durststrecke im Molkereimilchmarkt daure nun schon zwei Jahre. Eine Richtpreiserhöhung werde auf Mitte Jahr in Aussicht gestellt. «Diese wird aber kaum substanziell höhere Milchpreise bringen. Wichtig ist nun eine gemeinsame Strategie der Branche, zusammen mit dem Schweizer Bauernverband und dem Bund», so die Mitteilung weiter.

 

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