18.04.2018 15:17
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Verbände
«Politik könnte Branche überholen»
An der Delegiertenversammlung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) von Mittwoch in Bern sprach SMP-Direktor Präsident Stephan Hagenbuch über Milchpreise, Risiken und die Agrarpolitik.

Der SMP-Direktor blickte bei seiner Rede an der DV auf die Marktbedingungen und den Milchpreis. Der EU-Milchmarkt war Anfang 2017 leicht unter Druck, hat aber in der zweiten Jahreshälfte sehr deutlich angezogen, so dass Preise bis zu 40 €-Cents je Kilogramm erreichte, sagte Hagenbuch.

Seitwärtsbewegung

«In der Schweiz konnte der A-Richtpreis dank intensiver Vorarbeit und guter Zusammenarbeit unter den Produzentenorganisationen im entscheidenden Moment Ende August 2017 per 1. Oktober um 3 Rappen erhöht und bis auf Stufe Milchproduzenten umgesetzt werden», betonte Stephan Hagenbuch. Die Preiserhöhungen auf dem Absatzmarkt seien aber nicht vollumfänglich bei den Milchproduzenten angekommen. Dies habe eine Margenuntersuchung der SMP gezeigt.

Hagenbuch erwartet für die kommenden Monate «anständige» Fettpreise. «Wir werden aber weiterhin schlechte Magermilchpulverpreise zu verdauen haben», rief er Erinnerung. Insgesamt erwartet er beim Milchpreis eine Seitwärtsbewegung. Eine gewisse Entspannung der Marktsituation bringe auch das Erstarken des Euro. Dieser kratzt an der Marke von 1.20 Franken pro Euro.

EU: 370'000 t Milchpulver an Lager

Hagenbuch spricht auch die Risiken an. «Man weiss nie, was der blonde Mann morgen twittert», so der SMP-Direktor. Gemeint ist US-Präsident Donald Trump. Von Zöllen und Gegenmassnahmen könnte auch der Schweizer Milchmarkt tangiert sein, hält Hagenbuch fest. In der EU sind 370'000 Tonnen Magermilchpulver eingelagert. Die EU-Kommission wollen diese Mengen «irgendwie» entsorgen. Im Vordergrund steht der Fütterungskanal.

Bezüglich Milchmenge, die kumulierte Milchproduktion der ersten beiden Monate dieses Jahres liegt um 5.4 Prozent oder 29'902 Tonnen über dem Vorjahreswert, spricht Hagenbuch von etwas zu viel Milch.

Viel reguliert über Lactofama

Der SMP-Chef blickt auch zurück. So sei in den vergangenen drei Jahren via Lactofama ziemlich viel Regulierung gemacht worden. «2017 holten wir das EU-Rahm-Kontingent und füllten es mit rund 16 Mio. kg Milch. Insgesamt hat Lactofama rund 21 Mio. kg C-Milch aufgekauft», sagt Hagenbuch. Man habe früh begonnen, die Stützung für diese Milch haben weniger als 10 Rappen betragen.

Mittels einer Grafik zeigte er, dass im Zeitraum, als Lactofama aktiv war, eine Vergrösserung des Preisabstands Schweiz-EU messbar ist. Das war sehr effizient, so Hagenbuch. «Jetzt sind die finanziellen Mittel von Lactofama aufgebraucht», fährt er fort. Seit zwei Jahren wird mehr ¼-Käse-Fett produziert. Hier sei auch ein Teil Entsorgung enthalten. Hagenbach warnt: «Da sollten wir reagieren. Sonst könnte die Politik die Branche links überholen.» Er meint damit neue Regelungen zur Verkäsungszulage von heute 15 Rp. je Kilo.

Keine weiteren Marktöffnungen

Auch dem Grenzschutz und der Agrarpolitik nimmt sich Hagenbuch an. «Der SMP wehrt sich gegen weitere Marktöffnungen, wie sie in der Gesamtschau des Bundesrates angedacht sind», so seine deutliche Botschaft.  Aber er ist überzeugt, dass man mehr Einfluss hat, wenn man sich an den Tisch setzt. Deshalb nahm er die Einladung von Agrarminister Johann Schneider-Ammann zum Mercosur-Agrar-Gipfel an.

Die Milchbauern bräuchten zudem Verbesserungen der agrarpolitischen Rahmenbedingungen. Hagenbuch geht nach den jüngsten Entscheiden der Wirtschaftskommission des Ständerats davon aus, dass es eine AP 22+ gibt. Von einer Verschiebung auf 2024, wie sie der Schweizer Bauernverband will, geht er nicht aus.

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