17.11.2013 12:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Weltmilchmarkt
Produktionskosten für 1 kg Milch reichen von 3,8 Rappen bis 1,21 Franken
Die globalen Kosten der Milchproduktion sind in den vergangenen zwölf Jahren deutlich gestiegen, Deutschland konnte jedoch seinen Wettbewerbsnachteil gegenüber wichtigen Konkurrenten am Weltmarkt verringern.

Dies geht aus einer Analyse des International Farm Comparison Network (IFCN) hervor, in dem die Betriebskosten von typischen Milchbetrieben in mehr als 50 Ländern verglichen wurden. Dabei errechneten die Experten für das vergangene Jahr einen Aufwand für die Erzeugung von 100 kg Standardmilch mit 4,0 % Fett und 3,3 % Eiweiß, der von 4 $ (2,98 Euro) in Kamerun bis zu 128 $ (95,49 Euro) in Japan reichte. Umgerechnet sind das 3,8 Rp./kg in Kamerun und Fr. 1,21.- pro kg in Japan.

Im globalen Durchschnitt 44 Rp.kg Milch

Im weltweiten Mittel mussten 2012 laut IFCN für die Produktion von 100 kg Milch rund 46 $ (36,50 Euro) aufgewendet werden. Das sind umgerechnet 44 Rp./kg. Für einen deutschen Milcherzeuger in Norddeutschland mit 106 Kühen lag dieser Wert bei 42 $ (31,33 Euro). Damit rangierte Deutschland im weltweiten Vergleich auf einem Mittelfeldplatz, in etwa gleichauf mit dem Vereinigten Königreich, Polen, Russland, den USA und Brasilien.

Teurer war die Milcherzeugung dagegen zuletzt in Kanada und Mexiko sowie auch in China, wo die Kosten eines Produktionsunternehmens mit 340 Kühen der Analyse zufolge bei gut 60 $/100 kg (44,76 Euro) lagen; der Anstieg der Futterkosten und die Aufwertung des Renminbi ließen dort den in US-Dollar ausgedrückten Produktionsaufwand zuletzt spürbar steigen. Preiswerter als in Deutschland konnten 100 kg Milch dagegen mit Kosten von weniger als 30 $ (22,40 Euro) in Argentinien, Peru, Uruguay und einigen afrikanischen Staaten produziert werden. Dies galt auch für Indien, Australien und Neuseeland, wo sich der Aufwand in einer Spanne von 30 $ (22,40 Euro) bis 40 $ (29,84 Euro) bewegte. Neben Futter-, Lohn-, und Landkosten sowie dem Produktivitätsfortschritt hatte den Verfassern der Studie zufolge vor allem die Wechselkursentwicklung nationaler Währungen einen erheblichen Einfluss auf das jeweilige Kostenniveau, das zu Vergleichszwecken auf dem US-Dollar basiert.

Wechselkurse beeinflussen Vergleichsergebnisse

Deutlich wird der Wechselkurseinfluss am Beispiel Neuseeland: In nationalen Währungseinheiten gerechnet, nahm der Kostenaufwand der Milcherzeugung in der Zeitspanne von 2000 bis 2012 um rund 50 % zu; gemessen in US-Dollar war jedoch eine Verdreifachung des finanziellen Aufwandes für die Erzeuger festzustellen. Neben dem Preisanstieg der Produktionsfaktoren Arbeit, Land und Futter sorgte in erster Linie die massive Aufwertung des NZ-Dollars für die starke Zunahme der in US-Dollar gemessenen Erzeugungskosten. Diese legten laut IFCN in den vergangenen zwölf Jahren für die Produktion von 100 kg Standardmilch um etwa 22 $ (16,41 Euro) auf 34 $ (25,36 Euro) zu. Die zuletzt nachgebenden Preise für Kraftfutter brachten wenig Ersparnis, da sie wegen der verbreiteten Weidehaltung in Neuseeland im Vergleich zu anderen Ländern geringere Bedeutung besitzen.

Der Analyse der IFCN zufolge hat sich der Abstand der Produktionskosten zwischen Neuseeland und Deutschland seit dem Jahr 2000 spürbar verringert. Obwohl die Milcherzeugung für den norddeutschen Durchschnittsbetrieb in den vergangenen zwölf Jahren um die Hälfte teurer wurde, konnte die Kostendifferenz zum neuseeländischen Milchfarmer in diesem Zeitraum um 50 % auf rund 6 Euro/100 kg Milch abgebaut werden. Die in den vergangenen zehn Jahren bestehenden Wettbewerbsnachteile gegenüber den US-Milchfarmen sollen sich der Studie zufolge ebenfalls nivelliert haben. Ein Familienbetrieb mit 500 Kühen im Bundesstaat Wisconsin hatte laut Kalkulation der Experten im vergangenen Jahr Produktionskosten von etwa 44 $ (32,82 Euro) je 100 kg Milch und lag damit sogar etwas über dem durchschnittlichen Niveau eines Erzeugers in Norddeutschland. Vor zwei Jahren war die Milchproduktion in den USA laut IFCN noch etwa 10 $/100 kg (7,46 Euro) preiswerter als im Bundesgebiet.

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