3.09.2019 10:26
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Deutschland
«Produzentenpreise unterirdisch»
Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) befinden sich die Milchviehhalter in einer Dauerkrise. Der Verband verwies hierzu auf die unterdurchschnittlichen Erntemengen im Produzentenpreise unterirdisch Getreidebereich und eine unter dem Vorjahr liegende Milchanlieferung.

Gleichwohl erlösten die Landwirte deutlich niedrigere Produzentenpreise, und die Preise für Kälber und Schlachtrinder seien „unterirdisch“.

Schieflage des Marktes

Der BDM-Bundesvorsitzende Stefan Mann erklärte am vergangenen Freitag, mit einem Milcherzeugerpreis von aktuell rund 33 Cent/kg (35.9 Rp.) Milch bei fallender Tendenz liege man deutlich unter dem Vorjahresniveau. Damit sei eine Deckung der Vollkosten von etwa 43 Cent/kg (46.7 Rp.) Milch nicht möglich. „Von Gewinnen, mit denen wir unsere Betriebe nachhaltig weiterentwickeln können, sind wir meilenweit entfernt“, so der BDM-Bundesvorsitzende.

„Wenn man beispielsweise für ein völlig gesundes Kalb mit Glück noch 50 Euro erlösen kann respektive in einigen Fällen beim Verkauf mit Gebühren sogar noch draufzahlt, zeigt das eine Schieflage des Marktes, die dramatisch ist“, mahnt er.

Agrarmarktpolitik ändern


„Wenn Lebewesen nur noch billige Agrarrohstoffe sein sollen oder liefern sollen, und nur die Ernährungsindustrie und der Handel in diesem Spiel Gewinne machen, sollte doch auch der Letzte begreifen, dass die bisherige Grundausrichtung der Agrarmarktpolitik auf „Immer billiger, immer mehr“ überdacht und dringend geändert werden muss“, betont Stefan Mann weiter. 

Die Landwirte „sollen und wollen“ in das Wohl ihrer Tiere weiter investieren. Gleichzeitig sei das Tier selbst aber nicht mehr als eine Tankfüllung wert. Das passe überhaupt nicht zusammen und sei ein eindringliches Zeichen, wie hoch der Marktdruck bereits sei, erklärte Mann.

Kritik an Freihandelsabkommen


"Die Schizophrenie, dass die Politik regional mehr Massnahmen für Artenvielfalt, Tierwohl, Klima- und Gewässerschutz einfordert, aber auf globaler Ebene den Markt mit Freihandelsabkommen wie Mercosur weiter öffnet und noch stärker unter Druck setzt, baden am Ende voll die Landwirte aus“, kritisiert der BDM-Vorsitzende. Angesichts der anstehenden Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) sieht Mann ganz konkret die Möglichkeit, daran etwas zu ändern.

Notwendig seien Veränderungen in der Ausgestaltung der Gemeinsamen Marktordnung (GMO), so dass die Milchviehhalter ihr Einkommen hauptsächlich über ihr Produkt und den Markt erzielen könnten. Ein erster wichtiger Schritt würde für den BDM in der Weiterentwicklung des EU-Sicherheitsnetzes um wirkungsvolle Krisenmanagementinstrumente liegen, führte Mann aus. Weitere wichtige Schritte wären die Verbesserung der Marktstellung und die Marktteilhabe der Milchviehhalter. Der BDM-Bundesvorsitzende verwies auch auf die Sektorstrategie 2030 des Verbandes.

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