7.06.2017 12:33
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Protest-Aktionen sind denkbar»
Die derzeitige Lage ist für viele Milchbauern ungemütlich. Mit den tiefen Preise können sie ihre Kosten kaum decken. Bauernverbandspräsident Markus Ritter fordert, dass die Verarbeiter einen Richtpreis ohne Abzüge ausbezahlen. Werde diese Forderung nicht erfüllt, seien Demonstrationen oder Aktionen denkbar, sagte er gegenüber schweizerbauer.ch.

Per 1. Juli fordern der Schweizer Bauernverband, die Schweizer Milchproduzenten und die Junglandwirte, dass die Abzüge auf Molkereimilch im A-Segment reduziert werden sollen. Das hört sich nach einem Mindestpreis an?
Nein, wir fordern den Richtpreis ein, den die Branchenorganisation Milch (BOM) nach klaren Indikatoren jeweils festlegt. Dieser Richtpreis für Molkereimilch im A-Segment (für den geschützten Inlandmarkt) wurde auf 65 Rappen je Kilo festgelegt. Wir wollen, dass dieser Richtpreis nun den Milchbauern ausbezahlt wird. Ungerechtfertigte respektive nicht ausgewiesene Abzüge wie beispielsweise jene für die Frankenstärke oder die Butterabräumung soll es nicht mehr geben. Unsere Forderung: Richtpreis ohne Abzüge, der bis zu den Bauern kommt.

Was passiert aber nun, wenn die Verarbeiter und Händler dieser Forderung nicht nachkommen. Sie sagten an der Pressekonferenz, dass sich der Bauernverband bei diesem Falle weitere Massnahmen vorbehält. Das hört sich nach Streik oder Kampfmassnahmen an?
Wir haben kommenden Freitag beim Bauernverband eine Vorstandssitzung. Doch Sie müssen sehen: Seit dem Sommer 2016 sind die Milchmengen in der Schweiz und auf den internationalen Märkten rückläufig. Seitdem sind die Preise im Ausland deutlich gestiegen. Der wichtigste europäische Index ist von 20 Cent (21.8 Rp) auf 35 Cent (38.1 Rp.) je Kilo Milch gestiegen. Die Situation auf dem Milchmarkt ist gut, doch in der Schweiz passierte bezüglich Produzentenpreis nichts. Deshalb stellen wir nun auch Forderungen. Wenn nun diesen nicht Beachtung geschenkt wird, ist es folgerichtig, dass wir uns weitere Massnahmen vorbehalten und diese auch umsetzen. Sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit.

Damit könnte es also doch zu einem Milchstreik kommen?
Was uns wichtig ist: Wir wollen nicht, dass Milch ausgekippt wird. Dazu ist die Milch ein zu wertvolles Lebensmittel. Zudem ist es ethisch nicht zu erklären. Denn unser Ziel ist es, dass die Konsumenten verstehen, weshalb wir Massnahmen ergreifen. Zurück zu Ihrer Frage: Demonstrationen wie 2015 auf dem Bundesplatz oder Protest-Aktionen bei grösseren Unternehmungen (Red. Molkereien oder Händler) sind durchaus denkbar. Solche Schritte werden wir beim Bauernverband diskutieren.

Emmi wird an Abzügen festhalten

Der Bauernverband fordert einen Milchpreis ohne ungerechtfertigte Abzüge. Darunter zählt er Abzüge wegen der Frankenstärke oder der Butterabräumung. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter wird dieser Forderung nicht nachkommen. «Wir behalten alle Abzüge bei», sagt Sprecherin Sibylle Umiker gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Den Vorwurf, Emmi zahle den Bauern zu wenig, weist sie entschieden zurück. Für A-Milch (geschützter Inlandmarkt) erhielten die Bauern 65 Rappen, wie es der Richtpreis vorsehe, so Umiker. Für Export-Milchprodukte zahle Emmi niedrigere Richtpreise. Der Produzentenpreis sei ein Durchschnitt aus drei unterschiedlichen Richtpreisen. «Weil heute niemand so viel exportiert wie Emmi, kann unser Milchpreis nicht der höchste der Schweiz sein», macht Umiker deutlich.

77 Rappen wären nötig

65 Rappen pro Kilo machen gemäss der Vollkostenrechnung der landwirtschaftlichen Schule Hohenrain im Durchschnitt von 158 Milchwirtschaftsbetrieben im Talgebiet alleine die Fremdkosten aus. Die Arbeit der Bauernfamilien sei damit noch nicht bezahlt, schreibt der Bauernverband. Rechnet man einen Arbeitsverdienst von 28 Franken pro Stunde und die Direktzahlungen mit ein, dann müssten die Milchproduzenten rund 77 Rappen für den Liter Milch erhalten. Die Lage ist also bereits dramatisch, warnt der SBV. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE