17.08.2017 15:54
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Richtpreis muss 5 Rappen steigen»
Aufgrund markant höherer Preise für Milch und Butter im Ausland sowie einer tieferen Milchproduktion im Inland fordert der Schweizer Bauernverband für das 4. Quartal eine Richtpreiserhöhung um 5 Rappen pro Kilo. Der Detailhandel müsse die preislichen Voraussetzungen schaffen, dass die Richtpreise effektiv bezahlt werden können.

Seit Monaten verharrt der Produzentenpreis für Molkereimilch auf sehr tiefen Niveau. Die Bauern vermögen mit den Erlösen knapp ihre Kosten zu decken. Aufgrund dieser miserablen Situation haben etliche Milchbauern die Produktion aufgegeben.

Tiefe Butterlager in der Schweiz

Das spiegelt sich auch in den Einlieferungen wieder. Im ersten Halbjahr lagen diese um 2.6 Prozent unter dem Vorjahr. Die Butterlager in der Schweiz sind 40 Prozent tiefer als im Vorjahr, schreibt der Schweizer Bauernverband (SBV) in einem Communiqué am Donnerstag.

Im Ausland wurde in den vergangenen Monaten hingegen eine gegenteilige Entwicklung beobachtet.  Die internationalen Preise (Kieler Rohstoffwert) liegen 30 bis 60 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Juli 2017 erhöhte sich der Kieler Rohstoffwert Milch erneut um 1,8 Cent auf 40,0 Cent je Kilogramm Milch. Das sind umgerechnet 45 Rp./kg.

Rekordpreise in der EU

«Die erneute Erhöhung im Juli 2017 ist durch weitere Preissteigerungen für Butter und eine geringere Reduzierung der Preise für Magermilchpulver zu erklären», schreibt das «ife Institut. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt der derzeitige Kieler Rohstoffwert Milch um 59 Prozent höher. Die Butterpreise in der EU sind gar auf Rekordniveau und 100 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Gemäss der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) wurde im Mai mit 1,49 Euro je Packung in der untersten Preislage ein neuer Rekordwert erreicht. Die bisherige Rekord-Notierung stammte aus dem Jahr 1983. Damals kostete eine 250 Gramm Packung umgerechnet 1.36 Euro. Noch im zweiten Quartal 2016 lag der Durchschnittpreis bei 75 Cent pro Packung. Innerhalb von 12 Monaten hat sich der Preis damit verdoppelt. Grund für die höheren Preise sind tiefere Milcheinlieferungen der Bauern.

Gemäss Prognosen bleibt die Marktlage auf den internationalen Märkten in den nächsten Monaten gut. «Damit zeigt sich der Markt auf internationaler Ebene, wie letztmals im Sommer 2014», hält der SBV fest. Der Richtpreis für A-Milch betrug damals in der Schweiz 71 Rp./kg. Der effektive Milchpreis lag um mehr als 10 Rp./kg höher als heute. «Dafür waren die Margen der Verarbeitung und des Handels gemäss Marktberichten des Bundesamts für Landwirtschaft um 4.5 Rappen tiefer», betont der Verband. Ausserdem habe sich der Wechselkurs deutlich verbessert.

A-Richtpreis von 70 Rp. gefordert

Aufgrund dieser Indikatoren fordert der Bauerverband für das 4.Quartel (1. Oktober bis 31. Dezember 2017) eine Erhöhung des Richtpreises für Molkereimilch im A-Segment (geschützter Inlandmarkt) um 5 Rappen pro Kilo Milch. Die Branchenorganisation Milch (BOM) konnte sich im Mai nicht auf eine Richtpreiserhöhung einigen. Dieser wurde bei 65 Rp./kg Milch belassen.

Zudem seien ungerechtfertigte Abzüge zu eliminieren. Viele Konsumenten und weitere Kreise der Gesellschaft würden die aktuellen Milchpreise als nicht fair erachten. «Es ist nur mehr als gerecht, dass nebst Handel und Verarbeitung auch die Milchbauern von der positiven Marktentwicklung profitieren», so der Verband. In der Pflicht sieht der SBV vor allem auch den Detailhandel. Dieser müsse vor allem bei der Butterbeschaffung preisliche Voraussetzungen schaffen, damit die Richtpreise effektiv bezahlt werden können.

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