28.07.2013 10:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Milchmarkt
Ritter fordert: «Milchpreis muss um 7,4 Rappen steigen»
Bauernpräsident Markus Ritter macht sich Sorgen um die künftige Versorgung der Schweizer Bevölkerung mit Lebensmitteln. In der Schweiz existiere keine Strategie, wie man in Krisenfällen an genügend Nahrungsmittel komme, sagte er in einem Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».

2050 würden neun Milliarden Menschen auf der Welt leben, zwei  Milliarden mehr als heute. Er mache sich Sorgen, dass man diese  Leute nicht alle ernähren könne. Weil die Schweiz einen  Nettoselbstversorgungsgrad von nur gerade 54 Prozent aufweise,  könne es auch hierzulande zu Engpässen kommen.

Ritter fordert vom Bundesrat, dass er aufzeigt, wie sich die  Nahrungsmittelsituation in den nächsten Jahrzehnten entwickeln wird  und wie die Schweiz gedenkt, damit umzugehen. Ritter möchte dies  vom Bundesrat hören. Er selber habe schon ein Rezept.

In der Schweiz selber könne man die Landwirtschaft nicht mehr  intensivieren. Ritter sieht die Lösung einzig darin, dass die  Schweiz mit Staaten, die viel fruchtbares Land besitzen, eine Art  Versicherung abschliesst, damit man dort in Krisenzeiten  Nahrungsmittel kaufen kann.

Brasilien oder Frankreich wären nach Meinung von Ritter  Kandidaten für solche Verträge. Der Kauf von Land im grossen Stil,  das so genannte Landgrabbing, hält Ritter für moralisch sehr  fragwürdig.

Sorgenfalten bereitet dem Bauernpräsidenten auch die Situation  auf dem Milchmarkt - dies, obwohl der Milchpreis wieder ein  bisschen angezogen hat. 58 Prozent der aktiven Milchproduzenten  würden aussteigen, wenn es in den kommenden Jahren keine wirkliche  Preissteigerung gebe, sagt Ritter mit Blick auf eine Umfrage von schweizerbauer.ch.

Die Milchbauern meldeten sich an Versammlungen nicht mehr zu  Wort, man spüre eine gewisse innere Kündigung, stellt Ritter fest.  Wenn Milchbauern eine Alternative fänden, würden sie aussteigen.

Die Agrarpolitik 2014-17 werde dies noch verstärken, meint  Ritter und rechnet vor, dass der Milchpreis ab dem 1. Januar 2014  mindestens um 7,4 Rappen pro Liter steigen muss, damit die Bauern  nach der Abschaffung der Tierbeiträge noch gleich viel verdienen  wie heute.

Es sei falsch, Durchhalteparolen für die Milchproduktion  auszugeben. Entweder sei der Markt in der Lage, Preise zu zahlen,  mit denen sich die Produktion lohne. Oder aber die Bauern würden  sich anderen Produktionen und Tätigkeiten zuwenden.

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