29.06.2013 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Schweizer Milchpreise sind zu tief
Im Ausland gilt Milch umgerechnet rund 45 Rappen. Entsprechend sollten die Preise in der Schweiz bei mindestens 65 Rappen liegen. Dem ist in den seltensten Fällen so. Die Molkereien wollen nicht mehr bezahlen.

Die neuseeländische Molkerei Fonterra will ihren am Pilotprojekt «fester Milchpreis» teilnehmenden Landwirten einen garantierten Milchpreis von umgerechnet 35,4 Cent/kg (44,8 Rp.) für das Milchjahr 2013/14 anbieten. Interessant dabei ist nicht nur, dass sich die Molkerei vor Preiserhöhungen schützen will, sondern dass es auch das hohe Weltmarktniveau zeigt.

Nicht nur in Übersee sind die Milchpreise gestiegen. Auch in den umliegenden EU-Staaten gilt die Milch aktuell umgerechnet um die 45 Rp./kg. Wohlgemerkt, es treten grosse Preisunterschiede auf.

Milch müsste 65 Rappen gelten

Bislang galt die Regel, dass sich der Preis für Schweizer Milch aus EU-Milchpreis, 10% Swissness-Bonus plus 15 Rp. (Sogwirkung der Verkäsungszulage) errechnet. Bei der heutigen Marktlage müsste er also bei 65 Rp. über alle Segmente liegen. Betrachtet man Milchabrechnungen, stellt man fest, dass die Schweizer Bauern sowohl im April wie auch im Mai deutlich weniger erhielten.

Zum Teil lag der durchschnittlich ausbezahlte Milchpreis über alle Segmente unter 50 Rp. – dies auch bei grösseren Liefermengen und obschon es bereits im Frühling hiess, Milch sei gesucht. Auch auf den Juniabrechnungen werden die allermeisten Milchproduzenten unter dem Strich nicht auf 65 Rp./kg kommen.

Verträge sind Problem

«Die Differenz zwischen dem Schweizer und dem EU-Milchpreis war in den letzten Monaten nicht so gross, wie sie eigentlich sein sollte», bedauert Kurt Nüesch, stellvertretender Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Aus seiner Sicht entwickelten sich die Milchpreise zu langsam nach oben. Nüesch kennt aber auch die Problematik: «Bei einem bedeutenden Teil der Milch werden Preise über mehrere Monate hinaus fixiert und können deshalb kurzfristig nicht angepasst werden.» Und an die vertraglichen Vereinbarungen müssten sich bekanntlich alle Vertragspartner halten.

Preis soll weiter steigen

Die Zentralschweizer Milchproduzenten bezahlen zurzeit 65 Rappen je Kilo Milch franko Rampe. «Dieser Mischpreis besteht zum grössten Teil aus A-Milch und zum andern Teil aus B-Milch», erklärt ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden. Momentan würden sie keine C-Milch abrechnen. Sie ist überzeugt, dass der ZMP-Preis dem Markt entspreche. Zudem informiert sie, dass sich auf Juli eine weitere Preiserhöhung bei den ZMP abzeichne.

«Der Druck, den Milchpreis weiter zu erhöhen, ist gross», erklärt Donat Schneider, Geschäftsführer der Aaremilch AG. Die Aaremilch AG bezahlt im Moment für A- und B-Milch brutto 63 Rappen. Für Schneider ist aber klar: Im Herbst muss die Branchenorganisation Milch eine erneute Richtpreiserhöhung angehen. Das wäre angebracht und würde seine Verhandlungsposition stärken.

Wir nähern uns EU-Preis

«Die Differenz unseres Molkereimilchpreises zum EU-Milchpreis wird von Jahr zu Jahr geringer», analysiert Roland Werner, Präsident der Thur Milchring AG. Auch für ihn müsste Schweizer Milch aktuell mindestens 65 Rappen gelten. Er rechnet aber nicht mit einem Swissness-Bonus, sondern ganz nüchtern mit 45 Rappen EU-Preis, 15 Rappen von der Sogwirkung der Verkäsungszulage und 3 bis 5 Rappen aus dem Fetterlös.

Schliesslich werde fast jeglicher Milch Fett entnommen. Dazu komme, dass der Milchfettpreis in der Schweiz mindestens doppelt so hoch wie im Ausland sei, während beim Milcheiweiss die Schweizer Preise ungefähr dem internationalen Niveau entsprächen. 

Gefährliche Entwicklung

«Die sich dem EU-Milchpreis annähernde Entwicklung ist für die Milchbauern gefährlich», ist Werner überzeugt. Zunehmend werde aus Schweizer Milch Industriekäse hergestellt. Dazu werde meistens B-Milch verwendet, welche die Verarbeitungsbetriebe nach Abzug der Verkäsungszulage und dem Fetterlös unter dem EU-Preisniveau bekämen. «Mit solchen Produkten erzielen wir keine Wertschöpfung, und sie entsprechen nicht der eingeschlagenen Qualitätsstrategie», erklärt er.

Werner ist überzeugt, dass sich die Situation der Milchbauern bei offenen Grenzen finanziell verbessern könnte. Dann würde der Markt spielen, und Schweizer Milchbauern könnten auch Abnehmer im Ausland beliefern. Er weiss aber auch, dass die Schweizer Milchproduzenten nicht zum EU-Preis produzieren können. «Eine Art Verkäsungszulage auch für die Molkereimilch wäre mir am liebsten», sagt er. Im Wissen, dass dies politisch auf wenig Gegenliebe stösst, schlägt er eine Kombination von Milchkuhprämie und Betriebspauschale, bemessen an einer Referenzmenge, vor.

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