26.01.2017 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Anja Tschannen, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Segmentierung ist toter Buchstabe
Neu müssen die Milchkäufer gegenüber den Bauern Milchpreis und Menge im Voraus bekannt geben. Das haben die meisten für Februar zwar gemacht. Doch C-Milch, die man nicht liefern müsste, hat offenbar fast niemand. Was haben Sie für eine Meinung, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Laut Reglement der Branchenorganisation Milch (BOM) wäre das Abliefern von C-Milch schon lange freiwillig. Was tun, wenn C-Milch zwar auf keiner Abrechnung deklariert wird, sich der Preis für B-Milch aber auf dem C-Niveau befindet?  

Bei Produzenten nicht ausgewiesen

«Ich habe schon lange gespürt, dass etwas falsch läuft, aber ich hatte nie Beweise dafür», erzählt Philippe Gruet, Prolait-Lieferant aus Gressy VD. Als dann vor einem Jahr die Abrechnungen für März und April eintrafen und keine C-Milch aufgeführt war, obschon er wusste, dass Prolait Milch ins C-Segment verkaufte, reagierte er: «Mir war klar, dass Prolait in den Monaten zuvor zwar C-Milch an die Industrie verkauft hatte, diese aber gegenüber uns Produzenten nicht ausgewiesen, sondern in einem B-Mischsegment versteckt hat.»

Trotz einem langen Briefwechsel zwischen der Milchgenossenschaft Yverdon, der BOM und Prolait hat sich daran nichts geändert. Auch für den Februar 2017 weist Prolait keine C-Milch aus, und der B-Preis beträgt nur 32 Rp./kg. Damit liegt der Prolait-B-Preis viel näher beim C-Richtpreis von 30,5 Rp./kg als beim Richtpreis des B-Segments von 50,4 Rp./kg.

Niemand weist C-Milch aus


Eric Jordan, Geschäftsführer der Prolait, weist zunächst darauf hin, dass der mittlere ausbezahlte Produzentenmilchpreis über alle Segmente rund 52 Rp./kg betrage. Und dann kritisiert er das System der Segmentierung massiv: «Jeder arrangiert sich mit Regeln, die nicht funktionieren. Wir haben den Mut, zu sagen, dass die Regeln nicht funktionieren», betont er. Er weist darauf hin, dass seines Wissens keine der anderen PO C-Milch auswiesen.

Die beiden grossen PO Aaremilch und ZMP räumen zwar ein, dass innerhalb der Monatsvertragsmengen nur die Segmente A und B enthalten seien. Erst wer darüber hinaus Milch abliefere, erhalte C-Milch abgerechnet. Damit sei aber das Reglement  eingehalten. Jordan betont, dass er die Bauern, die einen besseren Milchpreis möchten und deshalb die C-Milch nicht liefern möchten, zwar verstehe: «Das Problem ist jedoch, dass wenn Prolait weniger liefert, andere mehr liefern.» 

Trotz weniger Milch nicht höhere Preise

Sogar BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler kritisierte kürzlich am BZS-Anlass in Kallnach BE, dass der Milchpreis noch immer im Loch und kein Aufschwung in Sicht sei: «Wir haben sehr viel weniger Milch als im Vorjahr. Trotzdem sind die Milchpreise nicht gestiegen.» Das treibe ihn genauso zur Verzweiflung wie SBV-Präsident Markus Ritter, der sich an der gleichen Veranstaltung ähnlich geäussert hatte.

Das sagt Prolait

Eric Jordan, Geschäftsführer der Produzentenorganisation Prolait (PO), stellt nicht in Abrede, dass seine Produzenten die C-Milch nicht abwählen können. «Aber bei welcher PO können die Produzenten auf die Lieferung von C-Milch verzichten?», stellt er die Gegenfrage. Das Problem liege nicht nur bei Prolait, denn das System funktioniere schon seit Jahren nicht. «Jeder arrangiert sich mit Regeln, die nicht funktionieren. Wir haben den Mut, zu sagen, dass die Regeln nicht funktionieren», betont er. Er sei deshalb nicht bereit, den «Schwarzen Peter» zu akzeptieren. Die Probleme mit der Segmentierung seien vielfältig. So habe jeder Verarbeiter seine eigene Segmentierung. «Man hat keine Referenzmenge für C-Milch für die nationale Ebene. Nun will man aber trotzdem weitergehen und dem einzelnen Produzenten eine Menge C-Milch zuteilen. Das geht einfach nicht auf», so Jordan. sam 


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