4.08.2013 07:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Segmentierung leistet eher Bärendienst
Im Juni wurde trotz tiefen Milcheinlieferungen C-Milch abgerechnet. Wird die Segmentierung missbraucht? Drückt sie den Preis? Sie sollte nicht. Doch abschliessend können die Fragen nicht beantwortet werden.

Als der Milchsektor in der Schweiz mit Überschüssen kämpfte, suchte die Branche nach Lösungen. Mit dem Entlastungsfonds räumten die Bauern den Butterberg ab, um den Preisdruck zu reduzieren. Zudem suchte man nach einem System, bei welchem kein Butterberg mehr entstehen sollte. Die Milch solle marktgerecht eingekauft werden, so die Idee. Und es entstand die Segmentierung.

Preis nicht durch letztes Kilo

Das System ist einfach. Für jene Milch, aus der Produkte für den Schweizer Markt hergestellt wird, welche vom Grenzschutz oder der Verkäsungszulage profitieren, wird ein A-Preis bezahlt. Für Milch, welche in ungeschützte Kanäle fliesst, gilt ein B-Preis, und für Milch, welche auf dem Weltmarkt abgesetzt werden muss, gilt ein C-Preis, der dem Weltmarktpreis entspricht.

Die Idee lag auf der Hand: Erstens sollen die Verarbeiter die überschüssige Milch zu einem Preis abnehmen, welcher es ihnen ermöglicht, sie zu verarbeiten und im Ausland abzusetzen. So wollte man mit der Segmentierung verhindern, dass das sogenannte letzte Kilo Milch den Preis macht. Denn bei einem zu grossen Milchangebot und keiner Segmentierung könnten die Verarbeiter auch für wertschöpfungsstarke Produkte billige Milch einkaufen. Sie hätten die höhere Marge, und die Bauern wären die Leidtragenden.

Andere Marktlage

In den letzten Monaten aber liegt die Milchproduktion deutlich unter Vorjahresniveau. Das Milchangebot ist knapp, ja, es muss sogar Butter importiert werden. Von Überschüssen spricht momentan niemand – im Gegenteil. Welche Rolle spielt das Segmentierungsmodell in der heutigen Situation? Führt das System, das verhindern soll, dass das letzte Kilo Milch den Preis macht, in einer Situation, in der die Verarbeiter um das letzte Kilo Milch kämpfen sollten, nun dazu, dass nicht ein marktgerechter Milchpreis bezahlt wird?

Klar ist: Die Verarbeiter rechnen ihren Lieferanten eine gewisse Menge zum B-Preis ab. Fakt aber ist auch, dass die Differenz zwischen A- und B-Preis aktuell nicht sehr gross ist, ja zum Teil für A- und B-Milch gleich viel bezahlt wird.

System für Überschüsse

Kurt Nüesch, stellvertretender Direktor bei den Schweizer Milchproduzenten, ist sich der Problematik bewusst: «Das Segmentierungsmodell ist vor allem ein System für Überschusszeiten. Das Preissystem kann aber nicht immer wieder angepasst werden», sagt er. Nüesch weiss auch, dass die Segmentierung es den Verarbeitern ermöglicht, gewisse Mengen der Milch zu tieferen Preisen einzukaufen. Ob das System die Durchschnittspreise aber drückt, kann er nicht abschliessend beantworten. Es fehle dafür an der Transparenz.

Intransparent sei insbesondere, welche Mengen die Verarbeiter ihren PO und Direktlieferanten zu welchen Preisen abrechneten. «Die Milchvermarktungsorganisationen haben es in der Hand, genau hinzuschauen und gegebenenfalls zu handeln», sagt er. Und geht davon aus, dass diese mit ihrem Verhandlungsgeschick das Beste für die Bauernfamilien rausholen.

Im Juni gab es C-Milch

«Würden die Schweizer Bauern nur für den Schweizer Markt produzieren, würde sich die Segmentierung zurzeit nicht negativ auf die Preise auswirken», erklärt Adrian Affolter, Geschäftsführer der PO Lobag. Dem sei aber nicht so. Affolter weist darauf hin, dass die Milch zwar knapp sei, die Menge aber nach wie vor über dem Bedarf der Schweiz liege.  

Für Nüesch und Affolter ist klar: «C-Milch darf aktuell keine abgerechnet werden.» Nüesch aber weiss, dass im Juni noch C-Milch abgerechnet wurde, was er kritisiert. Beide sind sich einig, dass dies nur in Überschusszeiten legitim ist. Affolter aber weist darauf hin, dass das Segmentierungsmodell dann wichtig ist. Kurt Nüesch aber hat seine Zweifel an der Krisentauglichkeit der Segmentierung: «Ob das System in Überschusszeiten auch ohne Stützung funktionieren würde, müsste erst noch bewiesen werden.»

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