8.04.2017 06:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
«Seid froh, dass Milchpreis nicht noch tiefer war»
Aussagen von Emmi-Verantwortlichen lassen sich aus Bauernsicht wie folgt zusammen: Seid froh, dass wir den Milchpreis im Jahr 2016 nicht noch tiefer senkten.

Emmi-Mann Reto Hübscher schreibt den Berner Emmi-Direktlieferanten in einem Brief mit Datum 31. März 2017, der Molkereimilchpreisindex als Basis für die Festlegung des A-Richtpreises sei zwar analog den Preisen im Ausland angestiegen. Da jedoch der BOM-Vorstand 2016 den A-Preis nicht auf das Niveau des Index gesenkt habe, habe dieser zuerst seinen Rückstand auf den A-Preis aufholen müssen.

«Das macht 4500 Franken pro Betrieb»  

Trotzdem sei Emmi dafür, dass eine Erhöhung des Richtpreises für A-Milch in der zweiten Jahreshälfte rasch zum Thema werde – wenn der internationale Trend weiterhin nach oben zeige.

Im Schreiben betont auch Emmi-Chef Urs Riedener: «Zudem wird gerne vergessen, dass die Schweizer Milchverarbeiter in den letzten zwei Jahren mehrfach auf Richtpreissenkungen verzichtet haben, obwohl der gemeinsam ausgewählte Index dies verlangt hätte. Dieses Entgegenkommen hat den Schweizer Milchbauern gegen 60 Mio. Fr. gebracht. Das sind 4500 Fr. pro Betrieb.» Die Bauern können diese Aussagen so verstehen: «Seid froh, dass der Preis nicht noch tiefer war.»

Emmi zahlt 49,7 Rp./kg 

Aus dem Schreiben gehen ebenfalls der Milchpreis im April 2017 hervor. Er setzt sich wie folgt zusammen:

66% A-Milch à 60.0 Rp./kg
19% B-Milch à 42.3 Rp./kg
15% C-Milch à 30.0 Rp./kg (dank Stützung der Lactofama)  
Marktabzüge: minus 2.4 Rp./kg  

So resultiert für die Bemo-Bauern im April ein Basispreis inkl. Marktabzüge von 49,7 Rp./kg.

Laut der jüngsten Studie von Agronom Markus Höltschi, Prorektor und Beratungsleiter BBZN Hohenrain, ist im Talgebiet ein Preis von 65 Rp./kg nötig, um beim Durchschnitt von über 100 untersuchten Betriebe schon nur die Kosten zu decken (noch ohne Lohn für eigene Arbeit).

SBV findet Situation «unhaltbar»

Vor diesem Hintergrund bezeichnet der Schweizer Bauernverband (SBV) die Situation auf dem Milchmarkt als «unhaltbar». Der SBV-Vorstand fordert in einer Medienmitteilung vom Donnerstag erneut unmissverständlich eine Erhöhung der effektiv bezahlten Milchpreise auf das Niveau der Richtpreise und beauftragte die wieder reaktivierte Arbeitsgruppe Milch, diesbezüglich an die Milchkäufer heranzutreten. Es sei nicht akzeptabel, dass diese mittlerweile seit Monaten eine Erhöhung der Milchpreise hinausschieben.

Riedener zum Gewinn

Riedener wird im Schreiben von seinen PR-Leuten direkt gefragt: «Weshalb bezahlt Emmi keinen höheren Milchpreis, obwohl das Geld in Anbetracht dieses Rekordgewinns ja vorhanden wäre?» (Emmi machte 2016 einen Reingewinn von 140,3 Mio. Fr.). Riedener betont als Erstes, dass die Gewinnentwicklung von Emmi in keinem Zusammenhang mit dem Milchpreis in der Schweiz stehe. Der Gewinn habe primär gesteigert werden können, wie ausländischen Betriebe höhere Ergebnisbeiträge lieferten. Riedener betont: «Emmi zahlt ihren Schweizer Milchlieferanten einen überdurchschnittlichen Preis. Sie setzt auch alles daran, sämtliche eingehende Milch abzunehmen und zu möglichst wertigen Produkten zu verarbeiten.» 

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