24.02.2013 09:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Skepsis zum Milchfreihandel
Die Tier&Technik in St.Gallen ist eröffnet. An einem Forum ging es um Vor- und Nachteile eines EU-Milchfreihandels.

Beim Käse besteht mit der EU Freihandel. Auf der «weissen» Linie (Frischmilch, Joghurt, Butter, Rahm, Pulver) sind die Grenzen hingegen geschützt. Da ein umfassendes Agrarfreihandelsabkommen mit der EU blockiert ist, drängen gewisse Kreise jetzt auf eine sektorielle Marktöffnung gegenüber der EU im Bereich Milch.

Zu geringe Differenzierungsmöglichkeiten

Letzten Sommer lobbyierte die Cremo im Parlament dafür. Nationalrat Jean-René Germanier (FDP, VS), der in der Migros-Verwaltung sitzt, lancierte in der Wirtschaftskommission eine Motion, die bis Mitte 2013 einen Bericht des Bundesrates zum Thema verlangt. Der Nationalrat hat der Motion bereits zugestimmt, der Ständerat wird sie im März behandeln.

Beim Schweizerischen Bauernverband überwiege die Skepsis gegenüber einer sektoriellen Öffnung im Bereich Milch, erklärte Martin Rufer am Forum der Schweizer Milchproduzenten (SMP) an der Tier&Technik in St.Gallen. Zu gering seien die Differenzierungsmöglichkeiten im Export, zu hoch der Importdruck. Bei den nötigen Begleitmassnahmen zweifle er die Verlässlichkeit der Politik an. Es sei fraglich, in welcher Höhe und für wie lange das Parlament zusätzliche Flächenbeiträge für die Milchproduzenten spräche.

Emmi gegen Öffnung

Bei Bernard Lehmann, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, war herauszuhören, dass er ein umfassendes Agrarfreihandelsabkommen mit der EU bevorzugen würde. Mit einer sektoriellen Öffnung könnten immerhin für Schweizer Milchprodukte Exportpotenziale auf dem EU-Markt besser genutzt werden. Er meint, dass trotz offenen Grenzen in der Schweiz ein noch etwas höherer Milchpreis als in der EU möglich sein sollte.

Emmi-Konzernleitungsmitglied Markus Willimann sagte, die Milchindustrie sei grundsätzlich offen für eine sektorielle Öffnung. Wenn  die Segmentierung nicht funktioniere, lande man am Schluss ohnehin beim EU-Milchpreis, dies ohne staatliche Begleitmassnahmen. 

Die Industrie wäre bei der Milchbeschaffung flexibler, sei aber ebenfalls auf Begleitmassnahmen angewiesen. Willimann machte  deutlich, dass Emmi als grösster Milchverarbeiter der Schweiz sich derzeit gegen eine Öffnung ausspricht. Der Zeitpunkt sei falsch, argumentiert er. 2015 würden in der EU die Milchquoten abgeschafft, die EU-Molkereien würden immer grösser, und der Wechselkurs sei ungünstig.

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