19.03.2020 15:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
SMP fordern höhere Milchfettpreise
Die Milchfettbedarf in der Schweiz kann nicht durch die inländische Produktion gedeckt werden. Die könne bei den Kunden aufgebaute Swissness gefährden, befürchten die Schweizer Milchproduzenten. Sie fordern deshalb höhere Fettpreise, damit die Milcherzeugung im Inland wieder steigt.

Bereits im vergangenen Winter gingen die Wogen hoch. Anfang Dezember wurde bekannt, dass die Migros Butter aus der EU importiert. Die Detailhändlerin führte dies auf einen Mangel von Schweizer Butter zurück. 

Das sorgte in der Branche für Aufsehen und kritische Reaktionen. Denn die weiteren Detailhändler setzten trotz tiefem Butterlager auf Schweizer Butter. Laut Marktkennern hat die Migros sich bei der bestellten Rahmmenge verkalkuliert. Sie sei davon ausgegangen, dass wie in anderen Jahren kurzfristig billigerer Rahm verfügbar wird. Dieser Darstellung widersprach die Migros. 

Zusätzlicher Fettbedarf von bis zu 3000 Tonnen

Gründe für die im Dezember im Vorjahresvergleich rund 90 Prozent tieferen Butterlager waren unter anderem die tiefere Milchproduktion sowie die grössere Käseproduktion. Gesamthaft werden in der Schweiz pro Jahr knapp 45'000 Tonnen Butter hergestellt. 

Und im neuen Jahr hat sich Milchfettmangel akzentuiert. Aktuell sind in der Schweiz die Butterlager gegenüber dem Vorjahr um knapp 2’000 Tonnen tiefer. Die aktuellen Einschätzungen auf dem Schweizer Milchmarkt gehen von einem zusätzlichen Milchfettbedarf von 2‘000 bis 3'000 Tonnen Butter bis Ende 2020 aus. Wie die Schweizer Milchproduzenten (SMP) mitteilen, ist dieser zurzeit nicht durch die inländische Produktion abgesichert. Die Folge dürften Butterimporte sein.

Fettpreis muss steigen

Bei der Milchproduktion zeichnet sich aber keine Trendwende ab. Diese dürfte sich weiter zurückbilden oder im besten Fall stabilisieren. Für die SMP ist nun klar, dass nun gehandelt werden muss. Wie bereits vor zweit Monaten fordert sie höhere Fettpreise. «Die Viehbestände sind tief. Es liegt also auf der Hand, die Milch in die besten Kanäle umzuleiten», schreiben die SMP am Donnerstag in einer Mitteilung.

Es brauche nun «preislich die richtigen Anreize». Für die Dachorganisation der Schweizer Milchbauern heisst das:

  • Mehr Milch soll in der inländischen Butterproduktion Verwendung finden, anstatt zu einem tiefen EU-Preis (netto) in verarbeiteten Produkten exportiert zu werden.

  • Bei den verarbeiteten Produkten, die in den Export gehen, sind Preiserhöhungen bei Rahm, Butter und Vollmilchpulver fällig. Bereits bei der Umstellung zum privatrechtlichen System Anfang 2019 mussten ungenügende Verkaufsleistungen konstatiert werden.

  • Sehr marktgerecht seien in der aktuellen Situation auch eine Anpassung der Fettpreise im Inland.

Swissness nicht gefährden

Butterimporte ohne steigende Preise seien für die Schweizer Milchbauern undenkbar, stellen die SMP klar. «In der derzeitigen Situation ist es für die Schweizer Milchproduzenten zentral, dass nun die Preise sich so entwickeln, dass die Anreize zur Inlandproduktion gross genug sind», lautet die Forderung.

Butterimporte würden zudem die Anstrengungen in Sachen Swissness gefährden, mahnen die SMP an. Alle gemeinsamen Buttermarken (Suisse Garantie, Floralp, Die Butter) der Schweizer Land- und Milchwirtschaft seien auf Swissness getrimmt worden, unter anderem auch mit Geld der Produzenten. «Diese Errungenschaft darf nun aufgrund einer kurzfristigen Situation nicht aufs Spiel gesetzt werden», machen die SMP deutlich. Die letzten grossen Butterimporte fanden im Jahr 2007 statt. 

Emmi findet Importe nicht schlimm

Auch der Chef des grössten Milchverarbeiters hat sich kürzlich zu Butterimporten geäussert. Dies müsse die Branche regeln. «Nach heutigem Kenntnisstand braucht es Importe in geringem Umfang. Ich persönlich finde das nicht so schlimm. Denn in der Vergangenheit mussten wir exportieren und es gab C-Milch», sagte Urs Riedener zu schweizerbauer.ch.

Es sei gut, habe sich der Markt gedreht und werde Butter in der Schweiz wieder mehr nachgefragt. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) liessen verlauten, dass 2020 C-Milch kein Thema sein wird. Teilt Riedener diese Aussage? «Von diesem Szenario gehe ich auch aus. Denn wenn kein Butterexport nötig ist, braucht es auch keine C-Milch», so der Emmi-Chef zu schweizerbauer.ch

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