23.06.2020 17:18
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/blu
Milchmarkt
«SMP lassen Milchbauern im Stich»
Die Bauernverbände Nidwalden, Obwalden und Uri wenden sich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit. Sie kritisieren das Verhalten der Schweizer Milchproduzenten (SMP) und der Branchenorganisation Milch (BOM). Sie fordern die beiden Organisationen auf, sich für bessere Bedingungen und Preise für die Milchbauern einzusetzen.

Der nachfolgende Brief wendet sich an die Schweizer Milchproduzenten und die Branchenorganisation Milch. Die Bauernverbände werfen den SMP und der BOM, vor die Milchproduzenten im Stich zu lassen: 

Auf den 1. Juli 2020 wird eine Milchpreissenkung vorgenommen. Dies ist für unsere Milchproduzenten, aber auch für die Konsumenten nicht nachvollziehbar.

Uns ist sehr wohl bewusst, dass der Markt im Ausland gesättigt ist, sich die Milchpreisdifferenz vergrössert hat und so die aus B-Milch hergestellten Exportprodukte unter Druck geraten sind. Da aber die Milcheinlieferungen im laufenden Jahr gegenüber dem Vorjahr eher tiefer sind und zugleich Butter importiert wird, kann der schweizerische Milchmarkt zwischen Angebot und Nachfrage auf einem gesunden Niveau eingestuft werden. 

Als weiteres werden Millionen, die eigentlich für die Butterexporte bestimmt wären, zur Eiweissstützung umgelagert und freigegeben. In der gleichen Zeitspanne werden von unseren Detailhändlern Butteraktionen durchgeführt. Anhand der aktuellen Marktsituation wäre eine Anhebung des Butterpreises angemessener. Darum sollte es möglich sein, aus A-Milch Butter herzustellen und auf den Import von Butter zu verzichten, auch wenn dies für die Milchverwerter und Detailhändlern nicht interessant ist.

Zugleich wird von uns Milchproduzenten der Grüne Teppich gefordert, hinter dem wir als Produzenten grundsätzlich stehen. Dieser ist aber in den Bergregionen wegen der Topografie und den vielen Anbindeställen nur mit grossen Anstrengungen und teils finanziellen Herausforderungen umsetzbar. 

Zum einen stellt die Dachorganisation Forderungen und Auflagen der eigenen Branche (Produzenten). Auf der anderen Seite werden gleichzeitig Importe von Butter und weiteren Produkten fast ohne Auflagen zugelassen. Für ein solches Verhalten haben Produzenten und Konsumenten kein Verständnis. Wir erwarten, dass sich die Schweizer Milchproduzenten (SMP) und die Branchenorganisation Milch (BOM) gegen eine Milchpreissenkung einsetzen. Unsere regionalen Milchorganisationen, welche für die Vermarktung und Logistik verantwortlich sind und einen guten Job machen, haben nicht die Möglichkeit, eine Milchpreissenkung zu verhindern.

Für die Milchproduzenten wird die Lage immer schwieriger. Wegen der unrentabel gewordenen Milchproduktion werden noch mehr Produzenten aufgeben. Neben der Milch- und Fleischproduktion gibt es in den voralpinen Gebieten nicht viele Alternativen, um auf andere Produktionsformen umzusteigen. Viele Betriebe geben auf. Hinter jeder Aufgabe steckt ein familiäres Schicksal. Soziale Probleme auf den Betrieben und innerhalb der Bauernfamilien nehmen zu. Dies kann zu Burnout, Scheidungen oder im schlimmsten Fall zu Suiziden führen. Das will niemand. Wir alle sind gefordert, dieser Situation entgegenzuwirken. Für die produzierende Milchwirtschaft sind Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die ganze Branche nachhaltig vorwärtsbringt. 

Darum fordern wir, dass sich die SMP und die BOM wie eine Wettertanne verhalten, die den inneren Wald schützt, in unserer Situation für gute Bedingungen der Milchproduzenten sorgt. Die Wettertanne hat die Aufgabe den rauen Wind abzuwehren. Sie lässt sich bei einem Sturm nicht einfach fallen. Dies erwarten wir auch von den SMP und der BOM.

Für die Kenntnisnahme und Berücksichtigung unserer Forderungen danken wir Ihnen. 

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