20.03.2016 09:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
SMP und SBV liegen sich in den Haaren
Die beiden grössten Verbände der Schweizer Landwirtschaft liefern sich unterschwellig einen Machtkampf. Es geht zum einen um die Strategie in der Milchpolitik, zum anderen aber auch um das liebe Geld.

Offiziell ist alles in bester Ordnung zwischen dem Schweizer Bauernverband (SBV) und seinem mitgliederstärksten Teilverband, den Schweizer Milchproduzenten (SMP). Doch hinter den Kulissen brodelt es.

SMP soll Führung haben

Aufhorchen lässt etwa folgende Passage im letzten Newsletter der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), immerhin grösster Teilverband der SMP: «In der Weiterentwicklung der Agrarpolitik sollen die SMP als Dachverband der Schweizer Milchproduzenten weiterhin den Lead im Themenbereich Milch haben. Die Strategie und die Positionen sind zwischen SMP und SBV zu klären und abzustimmen. Für eine starke Interessenvertretung Milch braucht es auf nationaler Ebene eine gemeinsame starke Stimme.» Die ZMP verlangen also klar, dass die SMP das Primat in der Milchpolitik haben und nicht der SBV.

Dafür, dass schon seit Längerem ein Machtkampf zwischen den beiden Verbänden tobt, gibt es noch andere Indikatoren. Ende Januar riefen die SMP ihre Mitglieder auf, die Milchmenge um 3% zu reduzieren, um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. In der Medienmitteilung der SMP hiess es auch explizit, dass in dem Zusammenhang eine Sitzung mit dem SBV stattgefunden habe. Trotzdem unterschrieb der SBV den Aufruf zur Mengenreduktion nicht. Auf die Frage, warum der Bauernverband die Mitteilung nicht formell unterstütze, meinte SBV-Präsident Markus Ritter am 3. Februar im Interview mit dem «Schweizer Bauer»: «Es ging vor allem um die Formulierung. Die Empfehlung, die 3% zu reduzieren, haben wir aber unterstützt.» 

Alte Konfliktmuster

Dem Vernehmen nach waren die Differenzen aber grösser. Die Gründe für das Abseitsstehen des SBV sind eigentlich altbekannt. Zum einen steckt der alte Konflikt der Masshalter und der Mehrmengenmelker dahinter. Im SBV-Vorstand gab es Stimmen, welche nicht verstanden, dass alle Milchbauern ihre Menge reduzieren sollten und nicht nur die, welche diese in den vergangenen Jahren deutlich ausgedehnt hatten.

Und die andere – noch viel grössere — Differenz zwischen SMP und SBV besteht in der ebenfalls alten Problematik der fehlenden Bündelung und damit — aus Sicht des SBV — auch dem Verlust an Wertschöpfung. Der SMP-Vorstand hat sich von der früheren Strategie der Mengenbündelung verabschiedet. SBV-Präsident Ritter hingegen sieht in der Bündelung der Kräfte im Milchmarkt sowie in der Entflechtung von Interessenvertretung und Milchhandel die einzige Chance, den Milchbauern die Wertschöpfung zu erhalten.

SBV-Vertreter kritisieren etwa hinter vorgehaltener Hand, dass der Produzentenmilchpreis ständig sinke, während die Preise der Milchprodukte im Detailhandel deutlich weniger sänken. Das bedeute nichts anderes, als dass die nachgelagerte Stufe – sprich Molkereien und Detailhandel – ihre Margen ausgebaut hätten, lautet die Kritik des SBV. 

Der Trumpf der SMP

Und Ritter hat an Veranstaltungen schon mehrfach betont, dass gemäss Markus Höltschi die Direktkosten plus fremde Strukturkosten pro kg Milch im Tal  im Schnitt bei 67 Rp./kg liegen – noch ohne Lohn für die Arbeit.

Trotzdem geht er sehr behutsam vor, was seine Gründe hat. Denn die SMP haben einen starken Trumpf in der Hand. Der SBV zieht die Beiträge nicht direkt bei seinen Mitgliedern ein. Dies übernehmen seine Unterorganisationen. Das sind zum einen die kantonalen Bauernverbände, aber zum anderen auch die Fachverbände.

Den Löwenanteil bezahlen die SMP. Eigentlich müssten sich die Beiträge nach der Wertschöpfung der Mitglieder richten. Und der Milchpreis ist seit 2000 massiv gesunken. Da die Abgabe für den SBV aber gleich geblieben ist, müssen die Milchbauern heute einen höheren Anteil ihres Einkommens an den SBV abliefern als früher. Eigentlich müsste also der SBV vom SMP weniger Geld verlangen, dafür von anderen Mitgliedsorganisationen mehr.

Zwar hat der SBV schon vor Längerem eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche erste Vorschläge gemacht hat. Der Beitrag an den SBV soll über einen separaten und transparent ausgewiesenen Beitrag eingefordert werden. Doch diese Lösung wird von den Verbänden, die mehr bezahlen müssten — wie etwa den Gemüseproduzenten — nicht akzeptiert. 

Schoggigesetz

Ebenfalls nicht gerne gelesen haben wird man bei den SMP, wie sich Ritter am 24.12. im «Tages-Anzeiger» zur Schoggigesetz-Nachfolgeregelung äusserte: «Ein Beispiel: Der grösste Bezüger von Beiträgen ist Nestlé. Der Standort Konolfingen wird vorwiegend von Bauern aus dem Emmental und angrenzenden Regionen beliefert. Wie wollen Sie einem Westschweizer Bauern, dessen Milch in der Schweiz bleibt, beibringen, dass er einen Teil seines Einkommens für die  Verarbeitung  am Nestlé-Standort Konolfingen  abgeben soll? Das ist reine Träumerei.» Denn schon in der BOM haben sich die SMP für Lösungen stark gemacht, die die Lücken im Schoggigesetz mit «horizontalen» Abgaben auf der gesamten Milchmenge  stopfen wollen.

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