15.10.2018 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/pd
Milchmarkt
So muss der Milchbauer vorgehen
Die Nachfolgelösung des Schoggigesetzes tritt am 1. Januar 2019 in Kraft. Am Montag zeigte die Branche auf, wie die neue Verkehrsmilchzulage künftig zu den Bauern gelangen wird.

Die bisherigen Ausfuhrbeiträge für Milch und Getreide im Rahmen des Schoggisgesetzes sind nicht mehr konform mit den Regeln der Welt-Handelsorganisation (WTO). Dies entschied die WTO-Ministerkonferenz Ende 2015. Rund 280 Mio. kg Milch drohten damit den Absatzmarkt zu verlieren. Das sind rund 8 Prozent der gesamten Milchmenge bzw. die Milch von 1'750 Betrieben. Der Bundesrat hat bereits vor Wochen die WTO-konforme Umlagerung der Mittel direkt an die Produzenten beschlossen. Die Milch- und Getreidebranche hat sich auf eine privatwirtschaftliche Nachfolgelösung geeinigt. Diese ist auch WTO-konform.

Der Verarbeiter entrichtet für alle nicht verkäste Milch, die er einkauft, einen Beitrag in einen Fonds. Der Entscheid über die Höhe des Beitrages liegt beim Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM). «Das neue System ist Garant, dass ein wichtiger Absatzkanal für Molkereimilch gesichert werden kann», schreiben die Schweizer Milchproduzenten (SMP) in einer Mitteilung. 

Gleichgewicht fördern

Im neuen System sind die Produzenten bei der Milch für die Rohstoffpreisdifferenz beim Export verantwortlich, die Verarbeiter für allfällige Mehrkosten in der Verarbeitung. Dadurch steigt gemäss SMP die Transparenz für die Produzenten.

Der Beitrag wird maximal so hoch sein wie die Verkehrsmilchzulage des Bundes an die Produzenten. 80% der Mittel gehen in den Fonds zur Förderung des Exports und 20% in den Fonds zur Milchfettregulierung. «Damit ist das System für den Milchproduzenten erlösneutral oder positiv und es wird ein langfristig stabiles Gleichgewicht im Schweizer Milchmarkt gefördert», schreibt die BOM.

Auf dmbmilch.ch beantragen

Die neue Verkehrsmilchzulage von 4.5 Rappen je Kilogramm muss von jedem einzelnen Milchproduzenten beantragt werden. Die Zulage muss über www.dbmilch.ch ab dem 6. November 2018 beantragt werden. Das gilt sowohl für Molkerei-, für Käserei-, für Bio- als auch direktvermarktete Milch. SMP und die SMP-Mitgliedsorganisationen unterstützen die Milchproduzenten bei Bedarf.

Damit der Bund die Informationen hat, um die Milchzulage auszubezahlen, meldet ihm die TSM Treuhand GmbH (TSM) bis am 10. des Folgemonats die gelieferten Milchmengen und die Koordinaten der Milchproduzenten inkl.
Zahlungsverbindung. 

TSM entscheidet über Anträge

Die erste Auszahlung für den Monat Januar wird Ende Februar erfolgen. Um dies lückenlos und zeitgerecht machen zu können, ist die TSM darauf angewiesen, dass die Milchkäufer die Mengen melden und dass jeder Milchproduzent seinen Antrag in der DBMilch, unter www.dbmilch.ch, stellt. Sämtliche Milchproduzenten werden dazu bis Mitte November direkt durch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) angeschrieben und über das Vorgehen informiert.

Für den privatrechtlichen Teil der Nachfolgelösung Schoggigesetz stellt die TSM den Milchverwertern aufgrund ihrer Meldungen Rechnung. Mit diesen Erträgen werden die beiden Fonds alimentiert. Anträge für eine Unterstützung aus diesen Geldern stellen die Exporteure direkt an die TSM, die zusammen mit der Zertifizierungsstelle ProCert die Anträge auf Unterstützungswürdigkeit prüft. Wenn diese Berechtigung vorhanden ist, zahlt die TSM die Beiträge aus dem entsprechenden Fonds aus.

Neu entrichtet der Bund ab nächstem Jahr 94,6 Mio. Franken direkt an Molkereimilch-Produzenten und Getreidebauern in Form einer Zulage. Im Fall von Molkereimilch sind es 4,5 Rp. pro kg. Die Bauern haben aber nichts von der Zulage, denn diese wird ihnen von den Abnehmern wieder auf der Milchgeld-Abrechnung abgezogen. Stattdessen werden mit der Zulage zwei Fonds der BOM alimentiert. Der eine Fonds, der mit jährlich 60 Mio. Fr. (80% der Mittel) gespiesen wird, dient der Rohstoffverbilligung analog des heutigen Schoggigesetzes. Allerdings erhalten Verarbeiter weniger Geld pro kg exportiertes Nahrungsmittel als heute.

Der andere Fonds, in den jährlich rund 16 Mio. Franken fliessen (20% der Mittel), soll für den Export überschüssiger Butter eingesetzt werden. Neu will die BOM auch Produkte wie Joghurts und Desserprodukte im Export unterstützen, die bislang nicht von Schoggigesetz-Geldern profitiert haben. Damit will man Innovationen und den Aufbau neuer Märkte fördern. lid

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