18.02.2019 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Solche Abzüge sind inakzeptabel»
Die Molkereien ziehen wegen der neuen Milchzulage nicht 4,5 Rp./kg ab, sondern laut Martin Rufer teils über 10 Rp./kg.

«Schweizer Bauer»: Der Schweizer Bauernverband (SBV) kritisierte Milchpreisabzüge, welche die Milchzulage von 4,5 Rp./kg übersteigen. Wie hoch gehen die denn? 
Martin Rufer: Die Preisbildung im Molkereimilchmarkt ist bekanntlich nicht sehr transparent. Daher ist es sehr schwierig, genaue Angaben zu machen. Wir haben aber Hinweise, dass teilweise über 10 Rappen abgezogen werden. Die SMP kommen zu den gleichen Einschätzungen. Solche Abzüge sind nicht akzeptabel! Die Produzentenpreise sind bei der Molkereimilch sonst schon zu tief. Es ist aber so, dass die BOM beschlossen hat, 25% der bisherigen Mittel anders einzusetzen, nämlich für den Export von Fett und neuen Produkten. Das sind fast 20 Mio. Fr. 

Aus Ihrer Sicht sollen sich die Hersteller von Milchpulver, Babynahrung und Schoggi dies ans Bein streichen?
Alle Stufen in der Wertschöpfungskette müssen einen Beitrag zur Deckung des Preisunterschieds leisten. Es darf nicht sein, dass die Hauptlast den Milchproduzenten aufgebürdet wird. Es ist nicht Aufgabe der Milchproduzenten, über Milchgeldabzüge die hohen Kosten der Verarbeitung mitzufinanzieren. 

Der SBV fordert Milchproduzenten und ihre Vermarktungsorganisationen in der Mitteilung auf, die Milch in bessere Kanäle zu leiten. Was sind bessere Kanäle?
Die Milchmengen sind momentan glücklicherweise relativ tief. Die Einlieferungen liegen momentan deutlich unter Vorjahr. Ein guter Indikator ist auch die Butterproduktion, welche 16% unter Vorjahr ist. Prioritär geht es nun also darum, die tiefere Milchmenge so zu disponieren, dass die Milchverarbeiter mit den hohen Abzügen weniger beliefert werden. 

Was kann der Schweizer Bauernverband gegen die anhaltende Misere auf dem Molkereimilchmarkt tun?   
Einfache Antworten gibt es leider nicht. Ich bin der Meinung, dass wir nur aus der Misere herauskommen, wenn wir uns aus den wertschöpfungsschwachen Märkten zurückziehen. In Märkten, in denen nur der Preis zählt, können wir nicht mithalten, und die Milchproduzenten werden  dabei nie Geld verdienen. Wir müssen unbedingt auch die Frage der Überkapazitäten auf Stufe der Milchverarbeitung thematisieren. Wenn Verarbeitungskapazitäten da sind, dann wird alles daran gesetzt, diese auszulasten: Es wird Milch bestellt, und die Milchproduzenten bezahlen die Überkapazitäten über einen tiefen Milchpreis oder Abzüge. Wir müssen die  Verarbeitungskapazitäten daher dem Absatzvolumen anpassen, das wir mit guter Wertschöpfung verkaufen können. 

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