19.12.2018 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
Starker Druck auf Milchpreis
Im Schweizer Milchmarkt läuft wieder einmal ein Hauen und Stechen. Den Bauern drohen 2019 markant tiefere Milchpreise.

Am 1. Januar 2019 beginnt eine neue Ära in der Schweizer Milchwirtschaft. Der bisherige Preisausgleichsmechanisus via Schoggigesetz läuft aus. Er wird ersetzt durch eine Milchzulage des Bundes in der Höhe von 4,5 Rp./kg Verkehrsmilch, die direkt an die Milchproduzenten ausbezahlt wird. Maximal diese 4,5 Rp./kg werden im Rahmen einer  Lösung der Branchenorganisation Milch (BOM) von den Verarbeitern wieder eingezogen. Das heisst, dass die ausbezahlten Milchpreise ab 1. Januar 2019 sinken werden. Die Frage ist, um wie viel. 

Bauern sollen büssen

Der Schweizer Bauernverband (SBV) schrieb am Freitag, er erwarte von den Abnehmern in aller Klarheit,  dass sie den Milchproduzenten zur Exportunterstützung nicht mehr als die vom Bund den Milchbauern aufgezahlten 4,5 Rp./kg vom Milchgeld abzögen. «Es darf nicht sein, dass die Bauern das von der Verarbeitungsindustrie eingegangene unternehmerische Risiko mitfinanzieren müssen!» Der Druck geht in erster Linie von den exportierenden Schokoladeherstellern aus. Für die «Entschädigung», dass sie statt billigerem ausländischem Milchpulver inländisches verwenden, steht nicht mehr gleich viel Geld zur Verfügung. 

Der wichtigste Grund dafür ist, dass  20% der von der BOM eingezogenen Mittel stattdessen  in einen Fonds für den Butterexport geleitet werden. Das haben die Cremo und die Cremo-Milchlieferanten in der BOM durchgedrückt. Das kann der Cremo in der Tat helfen, ihre chronisch schlechte Ertragslage zu verbessern – aber nur, wenn es ihr «gelingt», die Milch weiterhin so günstig einzukaufen. 

Druck aufgesetzt

Ferner ist die Stützung pro Kilogramm Milch im neuen System limitiert auf maximal 25 Rp./kg. Vorher entsprach der Schoggigesetzmechanismus aber umgerechnet einer Stützung  von bis zu 40 Rp./kg. Und jetzt hat die BOM auch noch die Beitragsansätze für die ersten drei Monate des Jahres 2019 um 12% gekürzt. Die exportierenden Schokoladehersteller (unter anderem Mondélez mit der Toblerone und Lindt  & Sprüngli) üben deshalb grossen Druck auf die Milchpulverhersteller Hochdorf und Emmi aus.

Hochdorf ihrerseits steht unter massivem Druck der Börse, der Aktienkurs ist eingebrochen. Emmi muss auch die hohen Erwartungen der Aktionäre erfüllen. Keiner will auf Marge verzichten. Also sollen die Bauern den Grossteil der jetzt im neuen System noch grösser gewordenen  Lücke im Rahmen von sogenannt «vertikalen Lösungen» übernehmen, das heisst via Abzüge vom Milchpreis. Also versuchen sie, die Milchpreise um mehrere Rappen zu drücken. Das könnte die Milchlieferanten an Hochdorf und Nestlé, aber auch an den  Babynahrungshersteller Nestlé ab Januar hart treffen. 

Emmi ist sauer auf Elsa 

Für Ärger bei  Bauern und Konkurrenten sorgt auch die Ankündigung der Migros-Tochter Elsa, dass sie für Milch, welche die neuen Elsa-Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllt, ab 2019 grosso modo nicht mehr bezahlt als bisher. Die Elsa-Bauern nehmen das hin, weil sie immer noch weniger schlecht bezahlt werden als andere. Aber Emmi, die laut BOM-Beschluss für nachhaltige Milch ab 1. Juli 2019 einen Zuschlag von 2 Rp./kg bezahlen muss, ist sauer. Denn so verschlechtert sich ihre Wettbewerbsfähigkeit. 

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