22.02.2016 10:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Statt Import: Biomilch lässt sich im Inland beschaffen
Die Züger Frischkäse AG hat ein Gesuch für den Import von Biomilch eingereicht. Ob dieses von der Zollverwaltung bewilligt wird, ist noch offen. Der Import von Bio-Milch stösst aber schon jetzt auf breite Kritik.

Die Züger Frischkäse AG verarbeitet in Oberbüren SG jährlich 17 Mio. kg Bio-Vollmilch. Doch Züger möchte noch mehr verarbeiten. Namentlich im Export seien die Bio-Milchprodukte gefragt. Rund 60% der Biomilchprodukte würden exportiert, schreibt Züger in einer Mitteilung.

Im Sommer importieren

Deshalb will Züger in den Sommermonaten offenbar bis zu 5 Millionen kg Biomilch für den aktiven Veredelungsverkehr aus Deutschland importieren (siehe Kasten). «Wir verwenden die Veredelungsverkehrsmilch nur für die Exportaufträge. Diese haben ein bestimmtes Preisniveau, und dementsprechend kann für diese Aufträge ein bestimmter Milchpreis bezahlt werden», betont denn auch Christof Züger.

Im Sommer sei durch die starke Alpsömmerung der Bio-Betriebe die Schweizer Biomilch a priori knapp. «Da helfen auch keine finanzielle Anreize, da die grundsätzliche Struktur nicht stimmt», betont er. Seine Firma habe im Herbst 2015 intensiv Bio-Milch-Lieferanten gesucht. Und zwar sowohl in der eigenen PMO Züger wie auch in anderen Organisationen. «Wir hatten damals schon realisiert, dass wir für die guten Exportchancen nicht genügend Biomilch haben würden», so Züger.

Kritik von SMP

Ob Zügers Gesuch von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) positiv beantwortet wird, ist noch offen. «Aus Gründen des Berufs- und Amtsgeheimnisses dürfen wir keine Auskunft darüber erteilen», heisst es dort. Tatsache ist aber, dass sich die betroffenen bäuerlichen Verbände kritisch zum Importgesuch stellen. So etwa auch die Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Stephan Hagenbuch, stellvertretender Direktor, teilt auf Anfrage des «Schweizer Bauer» mit, dass «dem Gesuch für Veredelungsverkehr von Bio-Vollmilch vom 1. Mai bis 30. September 2016 nicht entsprochen werden dürfe, da in Realität kein Mangel an Bio-Milch bestehe. Vermarktungsorganisationen hätten sich gemeldet, welche die Lieferung sicherstellen könnten und so in der gleichen Zeitperiode weniger Bio-Milch zu deklassieren hätten.

Bio Suisse kritisch

Beim genannten Gesuch gehe es auch um grundsätzliche Fragen, betont Hagenbuch: «Weil es hier um Vollmilch geht (Gegensatz zu Magermilchkonzentrat), würde auch Milchfett vorübergehend zollfrei importiert zudem würde damit in grundsätzlicher Art in die Preisbildung auf dem Inlandmarkt Einfluss genommen.»

Auch beim zuständigen Fachverband Bio Suisse steht man dem Importgesuch der Züger AG kritisch gegenüber, wie Stephan Jaun, Leiter Unternehmenskommunikation, betont: «Wir sind Importen gegenüber sehr kritisch und wissen aus der Vergangenheit, dass sich diese Mengen in nützlicher Frist im Inland aufbauen lassen.»

Handel und Verwerter auch in der Pflicht

Was unternimmt Bio Suisse gegen die ausgeprägte Saisonalität bei der Bio-Milch. Also konkret dafür, dass im Sommer mehr Bio-Milch zur Verfügung steht? «Bio Suisse liefert der Branche laufend aktuelle Informationen über Angebot und Nachfrage und ruft die Produzenten dazu auf, die Produktion während der Sömmerungsmonate zu erhöhen», so Jaun.

Es sei dann die Aufgabe des Handels und der Verarbeiter, in Zusammenarbeit mit den Produzenten saisonale Engpässe mit entsprechend langfristig geplanten Beschaffungs-, Preisgestaltungs- und Verwertungsmassnahmen zu überbrücken oder Überschüsse zu verwerten.

Veredelungsverkehr

Der aktive Veredelungsverkehr umfasst die vorübergehende Einfuhr von Waren zur Bearbeitung, Verarbeitung und Ausbesserung. Die Ware muss danach wieder exportiert werden. Bei Zügers Gesuch geht es also um diese Form des Veredelungsverkehrs. Der passive Veredelungsverkehr umfasst die vorübergehende Ausfuhr von Waren zur Bearbeitung, Verarbeitung und Ausbesserung. Ein bekanntes Beispiel, wo es zum passiven Veredelungsverkehr kommt, ist die Herstellung von Dosensprührahm. Hierfür wird Schweizer Milch ins Ausland transportiert, dort verarbeitet und wieder in die Schweiz zurückgeführt. sam

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