5.07.2019 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Tieferer Milchpreis, bessere Marge
Im Schweizer Milchmarkt herrscht dicke Luft. Kurz vor der Einführung des neuen Branchenstandard «Nachhaltige Milch» sorgen die Migros-Tochter Elsa und Emmi mit Preissenkungen für Empörung. Bauernorganisationen sehen darin eine Margenverbesserung zulasten der Milchproduzenten.

Eigentlich war sich die Branche schlussendlich einig. Die Branchenorganisation Milch (BOM) hatte Anfang Mai zugestimmt, den Branchenstandard für Nachhaltige Milch per 1. September 2019 einzuführen. Auch die gewerblichen Käser haben ihren Widerstand aufgegeben.

SMP-Präsident Hanspeter Kern war gar euphorisch. «Der Entscheid ist wichtig und gar historisch», sagte Kern zu schweizerbauer.ch. Die Branchenorganisation Milch habe einmal mehr gezeigt, dass sie sich für die Branche einsetze. «Der grüne Teppich ermöglich uns gute Möglichkeiten am Markt und bei der Vermarktung», sagte er damals.

Molkereimilch im A-Segment

Im für alle BOM-Mitglieder verbindlichen Reglement steht, dass ab dem 1.September auf der Milchgeldabrechnung ein Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rp./kg bezahlt und separat ausgewiesen werden muss. Dies auf Molkereimilch im A-Segment sowie auf aller verkästen Silomilch, die als A-Milch abgerechnet wird.

Doch im Juni zogen im Schweizer Molkereimilchmarkt dunkle Wolken auf. Emmi und Migros-Tochter Elsa haben eine Preissenkung angekündigt. Die Direktlieferanten von Elsa wurden über eine Reduktion von 3 Rp./kg per 1. Juli informiert. Emmi erhöht ab selbem Datum die Marktabzüge (Schoggigesetz) um 0.4 Rp./kg auf 2,6 Rp./kg.

Milcheinlieferungen sinken stetig

Ein Affront für viele Milchbauern. Die Marktlage deutet eigentlich nicht auf Senkung der Preise hin. Die sinkenden Tierbestände und die tiefen Produzentenpreise haben sich auf die Erzeugung ausgewirkt. Seit August 2018 ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat rückläufig. Das höchste Minus wurde im Januar (-5%) registriert, im Februar (-3,8%) und März (-1,2%) hat sich das Minus zurückgebildet.

Im April hat sich das Minus wieder erhöht. Gemäss der Monatsstatistik von der Treuhand TSM wurden im April 313'962 Tonnen Milch produziert, das sind 5’745 Tonnen oder 1.8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Damit ist er Rückgang um 1 Prozent höher ausgefallen als vor einem Monat prognostiziert.

Elsa: Marktpreise stark gesunken

In der Folge haben der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) die Preissenkungen kritisiert. «Die Milcheinlieferungen und Butterlager sind tief und der A-Richtpreisindex des Bundesamts für Landwirtschaft liegt über dem Vorjahr», teilten die beiden Organisationen Ende Juni mit. Auch die für die Schweiz wichtige Marktlage in der EU spreche nicht für eine Senkung.

Doch die beiden Milchverarbeiter gaben sich unbeirrt. Nicht-BOM-Mitglied Elsa sagte gegenüber «Schweizer Bauer», dass die Marktpreise im A-Segment seit Februar stark gesunken seien. «Korrigiert um die Saisonalität und die Auswirkungen der Nachfolgelösung Schoggigesetz verbleibt eine wesentliche Differenz zum A-Richtpreis auch im Detailhandelssegment», erklärte Lukas Barth, Leiter Agrarpolitik und Milchbeschaffung der Migros-Molkerei, Ende Juni. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, sei die Elsa mit den Lieferanten im Gespräch zur Annäherung des Basispreises an den Markt.

Erfolglose Gespräche

Die Spitze des Bauernverbandes und der Schweizer Milchproduzenten suchten in den vergangenen Tagen das Gespräch mit dem grössten Schweizer Milchverarbeiter Emmi und der Migros-Tochter Elsa. Doch die beiden Unternehmen halten an ihren Senkungen fest.

Das verärgert SBV und SMP. «Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die bestpositionierten Unternehmen im Schweizer Markt auf die milchärmere Periode hin Milchpreissenkungen durchboxen wollen, während alle wichtigen Marktindikatoren entweder auf Stabilität oder eine positive Entwicklung hindeuten», teilten sie am Freitag mit.

Argumente fehlen

Sachliche Argumente, um die Senkung zu rechtfertigen, würden weiterhin fehlen. Die Fakten sprechen aus der Sicht von SBV und SMP eine eindeutige Sprache - auf eine Preiserhöhung:

- Die Butterlager sind tief.
- Die Milcheinlieferungen liegen unter Vorjahr.
- Der A-Richtpreisindex steigt.
- Die Marktlage und Aussichten in der EU sind stabil bis verhalten positiv

SBV und SMP fordern Elsa und Emmi unmissverständlich auf, die Mehrleistungen des «grünen Teppichs» mit einem 3 Rappen höherem Milchpreis zu entschädigen. «Es kann nicht hingenommen werden, dass die Schweizer Milchproduzenten nachweislich Mehrwerte schaffen, die auf dem Markt sehr wesentlich zu einer besseren Positionierung beitragen und der nachgelagerte Bereich diese eins zu eins für eine Margenverbesserung nutzt», halten die beide Organisationen am Freitag fest. 

Keine Partnerschaft

«So funktioniert eine partnerschaftliche Zusammenarbeit nicht», heisst es weiter. SMP und SBV wollen auch auf dem politischen Weg Massnahmen ergreifen. Mit der AP2022+ sollen die Marktstellung verbessert werden. «Die Milchproduzenten fühlen sich einer immensen Marktmacht ausgesetzt», mahnen SBV und SMP.

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