12.07.2016 10:44
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milch
Tierschutz schlägt „Faire Milch“ vor
Der Schweizer Tierschutz STS sorgt sich um die hiesige Milchwirtschaft. Sie sei aufgrund agrarpolitischer Fehlentscheide zum Sanierungsfall geworden. Einem neuen Label, bei welchem das Tierwohl ins Zentrum rückt, misst der STS viel Potential zu. Der Tierschutz schlägt einen Produzentenpreis von einem Franken vor.

Die Schweizer Milchproduktion hat 2015 einen neuen Höchstwert erklommen. Die geht aus dem Agrarbericht 2015 hervor. Rund 4 Milliarden Liter wurden von den hiesigen Kühen produziert. Beim Schweizer Tierschutz läuten die Alarmglocken.

Agrarpolitische Fehler

„Noch nie haben die Bauern so viel produziert und so wenig verdient dabei“, schreibt die Organisation am Dienstag in einem Communiqué. Als Hauptschuldigen hat der STS die Politik ausgemacht. Wegen agrarpolitischen Fehlentscheiden, beispielsweise die Aufhebung der Milchkontingentierung, die Ankurbelung von Käse- und Futtermittelimporten oder die Subventionierung von Hochleistungs-Viehzucht, sei der einst wirtschaftlich und imagemässig bedeutende Betriebszweig der Schweizer Landwirtschaft zu einem Sanierungsfall verkommen.

Der STS anerkennt zwar auch Verbesserungen, die durch die Politik geschaffen wurden. Der vermehrte Weidegang, der Auslauf und freie Bewegung sowie die Tierschutzgesetzgebung verschaffen aus Sicht der Tierschützer den hiesigen Bauern einen Vorsprung.

Handlungsbedarf

Doch sie orten auch Handlungsbedarf bezüglich Tierhaltung (verwehrtes Sozialleben, verbreitete Einzelhaltung der Aufzuchtkälber, Kuhtrainereinsatz), Fütterung, Tierzucht (einseitige Hochleistungszucht) und der Mensch-Tierbeziehung (mangelnde Pflege und Tierbeobachtung).  „Das «Naturprodukt» Milch ist - zunehmend auch in der Schweiz - ein industriell produziertes und verarbeitetes Nahrungsmittel dessen Herstellung punkto Tierschutzrelevanz der Fleischproduktion in nichts nachsteht“, mahnt der Tierschutz.

Um die Schweizer Milch besser zu positionieren, soll dem Tierwohl mehr Gewicht beigemessen werden. Gemäss STS herrsche in der Branche einen „unerwartet“ breiten Konsens. Das Fazit der Organisation: Tierwohl hat Potenzial.

1 Franken pro Liter

Deshalb soll eine Marke „Schweizer Milch – aus tierfreundlicher Haltung“ ins Leben gerufen werden. „Konsumenten müssen bereit sein, für Schweizer Weide-, Bio- und Labelmilch mehr zu bezahlen und eine solche Herkunft nachzufragen, statt zum Billig(import)produkt zu greifen“, fordert der STS. Dazu ist es unerlässlich, die Konsumenten über die tierschützerischen und ökologischen Hintergründe der Milchproduktion zu informieren (Importprodukte - Produkte aus konventioneller, einheimischer Herkunft).

Hier gehts zur Broschüre

Es sei entscheidend, die bäuerlichen Strukturen in der Schweiz zu erhalten. „Wenn nur noch 40 Prozent des Konsumentenfranken beim Landwirt lande, stimmt etwas nicht“, heisst es in der STS-Broschüre „Milchproduktion und Tierschutz“. Würde einem Bauern mit guter Tierhaltung 1 Franken pro Kilo Milch ausbezahlt werden, so müsste ein Konsument von Milchprodukten monatlich um die 15 Franken mehr ausgeben. „So viel muss uns das Tierwohl wert sein“, betont der STS.

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