5.07.2015 06:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Milchmarkt
«Überangebot ist ein zu heisses Eisen für die SMP»
Die Milchbauern-Organisation BIG-M stellt fest, dass es für viele in der Milchbranche ein Tabu ist, von zu viel Milch zu reden.

Es sei leider eine unumstössliche Tatsache, dass schlicht zu viel Milch auf den Markt gelange. Alle Verantwortlichen der Milchbranche wüssten das. Das schreibt die Milchbauern-Basisorganisation BIG-M in ihrem jüngsten Newsletter. «Aber in den normalen Medien vernimmt man nichts davon. Das hat einen einfachen Grund: Die offiziellen Vertreter der Milchverarbeiter und Milchhändler hüten sich, von einer zu hohen Produktion zu sprechen.» Stattdessen redeten sie lieber von einem «Nachfrageproblem».

Weiter Zwangsabgaben

Damit stählen sie sich aus der Verantwortung, kritisiert BIG-M. Denn sie hätten alle dafür gekämpft, dass Mengenbeschränkungen für die Produzenten von der Politik aufgehoben würden. Es sei in ihrer Verantwortung, dass diese Mengen nun nicht abgesetzt werden könnten. Im Moment deute nichts darauf hin, dass von der Branchenorganisation Milch (BOM) oder vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) Schritte eingeleitet würden, um endlich das Milchaufkommen an die Absatzmöglichkeiten anzupassen.

Es solle weiterhin möglich sein, einen Stall für 200 Kühe zu bauen, egal, ob man das notwendige Land für das Futter oder die Fläche für die Gülle dazu habe. «Man will weiterhin Überschüsse mit Zwangsabgaben auf dem Weltmarkt verschachern», schreibt BIG-M. Und das BLW bastle unter dem Diktat von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann weiter an Vorbereitungen zur Grenzöffnung für den gesamten Milchmarkt.

C-Milch soll freiwillig sein

Das Problem, wie Angebot und Nachfrage bei der Milch in Einklang gebracht werden könnten, sei offensichtlich auch für die Verbandsführung der Schweizer Milchproduzenten (SMP) ein zu heisses Eisen. «Es könnte ja sein, dass man letztlich Lösungen präsentieren müsste, die zwar von einer überwältigenden Mehrheit der Milchproduzenten akzeptiert, aber von einer Minderheit (meist mit dem Milchhandel verbandelten Bauern) abgelehnt würden», schreibt BIG-M. Und weil die SMP die Einigkeit über alles stellten, liesesn sie sich von dieser Minderheit erpressen und schwiegen zur Frage der Angebotsregulierung.

Dieses Schweigen öffne nun den politischen Schlaumeiern Tür und Tor für eigene Vorschläge. In den Medien wimmle es bereits von abstrusen und realitätsfremden Ideen, wie die Milchproduktion gesenkt werden könnte – von Kraftfutterfütterungsverbot über Streichen sämtlicher Subventionen. BIG-M verweist auf ihre Resolution vom Dezember und  setzt auf die Freiwilligkeit von C-Milch. Anteil und  Preis der C-Milch müssten dem Produzenten jeden Monat im Voraus bekannt sein, und gleichzeitig müsste dieser monatlich die Möglichkeit haben, auf deren Lieferung zu verzichten.

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