28.08.2017 16:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Sind 3 Rappen genug?
In der vergangenen Woche hat die Branchenorganisation Milch (BOM) beschlossen, den Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment ab dem 4. Quartal um 3 auf 68 Rp./kg zu erhöhen. Wie beurteilen Sie den BOM-Entscheid? War die Erhöhung zu gering oder ist derzeit nicht mehr möglich? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab

Die Spannung war gross vergangene Woche. Wird der Richtpreis eine Erhöhung erfahren oder nicht? Der Bauerverband wies im Vorfeld auf die miserablen wirtschaftlichen Bedingungen für die Molkereimilchproduzenten hin. Er brachte eine Erhöhung um 5 Rappen ins Spiel.

Die Bauern erhalten aber längst nicht den Richtpreis ausbezahlt. Der effektiv ausbezahlte Preis liegt zwischen 50 und 60 Rappen, teils wurden deutlich weniger als 50 Rappen je Kilo ausbezahlt. Damit geht die Rechnung bei den Milchbauern bei weitem nicht auf. Viele Produzenten haben die Produktion aufgegeben oder planen, bald auszusteigen. 

Erfolg für Produzentenvertreter

Nun konnten die Produzentenvertreter im BOM-Vorstand rund um Vizepräsident Rudolf Bigler aus Moosseedorf BE einen Erfolg verzeichnen: Der Richtpreis für industriell verarbeitete Molkereimilch im A-Segment wird auf den 1. Oktober um 3 Rappen auf 68 Rp./kg Milch franko Rampe erhöht.

Dem Antrag der Produzenten, den Richtpreis zu erhöhen, wurde vom Vorstand zugestimmt. «Man hat sich auf 3 Rappen geeinigt», heisst in der Mitteilung der BOM. Somit dürften die Produzenten einen höheren Preisanstieg gefordert haben.

Bekenntnis zu Schweizer Milchproduktion

Begründet wird der Entscheid mit der stabilen Marktsituation in der EU. Die rekordhohen Butterpreise, die rückläufige Produktion und das Erstarken des Euros hätten die Preisdifferenz zwischen dem Schweizer und dem europäischen Milchpreis verkleinert. Zudem habe sich in der Schweiz die Produktion im ersten Halbjahr 2017 (-2.6%) weiter zurückgebildet.

Auch die tieferen Butterlager hätten die Situation im Inland verbessert, begründet die BOM ihren Entscheid weiter. Die BOM versteht ihren Preisentscheid als Bekenntnis für eine zukunftsfähige Milchproduktion in der Schweiz. Die Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt soll ein positives Zeichen setzen. Da mit höheren inländischen Fettpreisen gerechnet wird, soll der effektiv ausbezahlte Produzentenpreis näher an den Richtpreis heranrücken.

SBV will höhere Preise


«Es ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung», schreibt der SBV in einer Mitteilung. Die Stossrichtung ist mit diesem Statement eindeutig: Der Bauernverband will weitere Erhöhungen. Der Bauernverband erwartet, dass der neue Richtpreis flächendeckend eingehalten wird. «Die Preiserhöhung darf nicht über Abzüge oder Ausweichen auf B-Milch ausgehebelt werden. Zudem ist eine Preisanpassung bei Butter nötig», macht der SBV deutlich. Die effektiv bezahlten Produzentenpreise müssten nun um mindestens 3 Rappen erhöht werden.

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) liessen verlauten, dass sie lange für eine Erhöhung gekämpft hätten. «Kreative» Abzüge einiger Milcheinkäufer seien nun zu einem guten Teil Geschichte, teilen die SMP mit. Fett- und Währungsabzüge seien derzeit kein Thema. «Wir gehen nicht davon aus, dass mit der jetzigen Marktlage die Abzüge wieder zunehmen», so sagt Direktor Stefan Hagenbuch zu schweizerbauer.ch.

Detailhandel steht hinter Erhöhung

Der Detailhandel steht hinter dem Entscheid der BOM. «Coop bekennt sich zu einem fairen Milchpreis. In der aktuellen Marktsituation ist eine Milchpreiserhöhung gerechtfertigt», sagt Sprecher Ramon Gander auf Anfrage. BOM-Mitglied Coop verlangt die vollständige Weitergabe durch die Industrie und will dies stichprobenweise überprüfen.

Aldi begrüsst die Erhöhung ebenfalls. Als Mitglied der BOM stehe man hinter den Entscheidungen. Auch die Migros, obwohl sie an der Sitzung nicht teilnahm, will den Entscheid eins zu eins umsetzen.

Emmi versöhnlich

Emmi zeigte sich im Vorfeld der BOM-Sitzung skeptisch. Der Milchkonsum sei rückläufig und der Käseimport zunehmend. An der Ausgangslage habe sich seit der letzten BOM-Sitzung wenig verändert. «Der Richtpreis für A-Milch liegt dort, wo er gemäss Index liegen sollte», sagt Emmi im Vorfeld der Sitzung.

Nach dem Entscheid der BOM gibt sich Emmi-Chef Urs Riedener versöhnlicher. «Diese Richtpreiserhöhung ist in unserem Sinne. Man darf jedoch nicht ausblenden, dass höhere Preise immer auch einen Mengeneffekt haben». Die Preisdifferenz zu europäischen Konkurrenzerzeugnissen sei bei austauschbaren Produkten aber relevant, macht Riedener deutlich.

Was denken Sie? Hätte der Richtpreis stärker steigen sollen? Oder ist die beschlossene Erhöhung genau richtig? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit.

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