4.06.2019 17:39
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
«Unser Land muss mehr tun»
Am Dienstag fand im Bundeshaus der sogenannte «Milchpulvergipfel» statt. Initiiert wurde dieser von Nationalrat und Milchbauer Andreas Aebi (SVP/BE). Der Berner ist sehr besorgt wegen der miserablen Situation auf dem Milchmarkt. Er sieht beim Export von Babynahrung Potenzial. Er erwartet aber vom Bund Unterstützung. -> Mit Video

Im vergangenen Herbst war Andreas Aebi mit einer Delegation in China unterwegs. Dort besuchte er auch den sogenannten Exporthub der Schweiz. Dieser Hub dient Schweizer Unternehmen als Ansprechpartner, wenn sie im asiatischen Land Fuss fassen wollen. «Mitarbeiter vor Ort haben mich gefragt, weshalb die Schweiz keine Babynahrung nach China exportiere», sagt Aebi zu schweizerbauer.ch. «Die chinesischen Experten sehen gute Chancen für Schweizer Milch im Reich der Mitte», so Aebi weiter.

Milchpulver als grösstes Problem

Was war der Grund für den Gipfel? «Das grösste Problem der Landwirtschaft ist der Industriemilchbereich. Problematisch sind die letzten 10 bis 15 Prozent. Es handelt sich hierbei um das Milchpulver, welches nicht mit der entsprechenden Wertschöpfung exportiert werden kann», sagt Aebi zu schweizerbauer.ch.

Swissmem-Präsident Hans Hess sei im vergangenen Herbst bezüglich des Milchpulverexports auf ihn zugekommen, fährt Aebi fort. Die Mitglieder von Swissmem müssten sich auch im Weltmarkt behaupten. «Der Verband will uns zeigen, was wir besser machen können», so Aebi.   

Zum Gipfel eingeladen hat Aebi den Bauernverbandspräsident und Nationalrat Markus Ritter (CVP/SG), Nationalrat Duri Campell (BDP/GR) sowie Vertreter von Hochdorf, Cremo und Emmi. Anwesend waren auch Hans Hess, Präsident des Verbandes der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (Swissmem) sowie der Direktor der Schweizer Milchproduzenten, Stephan Hagenbuch.

Austausch von Wissen

Was konkret schaute beim Gipfel heraus? «Es ging in erste Linie um den Austausch von Wissen. Swissmem ist sehr erfolgreich beim Bearbeiten der Exportmärkte. Wir werden uns für eine weitere Runde treffen. Dort wollen wir die Zusammenarbeit intensivieren und Synergien nutzen», erklärt Aebi.

Landwirt Aebi hat auch klare Forderungen an die Politik. «Es kann nicht sein, dass sich ein Vertreter von Milchverarbeiter Hochdorf und ein chinesischer Funktionär während Monaten um die Zulassung von Babynahrung auf dem chinesischen Markt streiten», macht er deutlich. Das Milchpulver-Geschäft für die Schokoladenindustrie von Hochdorf ist äussert herausfordernd. Aufgrund der tiefen Preise ist die Produktion für den Verarbeiter gar ein Verlustgeschäft.

Bei Bundesrat interveniert

Deshalb fordern Aktionäre des Milchverarbeiters, dass sich Hochdorf auf die Produktion und den Export von Babymilchpulver fokussiert. Und hier will Aebi bei der Lösung der Probleme mithelfen. «Ich habe wegen den Schwierigkeiten von Hochdorf bei Staatsekretärin Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch und Bundesrat Guy Parmelin interveniert. Sie haben sich anschliessend mit dem chinesischen Botschafter getroffen», hält der SVP-Politiker fest. Gemäss Aebi sei auf September bei den Exporten eine Lösung in Sicht.

Im Auftrag des Bundes unterstützt Switzerland Global Enterprise (S-GE) Schweizer Unternehmen und besonders KMU in ihren Exportaktivitäten. Im Ausland hat S-GE in traditionellen wie aufstrebenden Märkten sogenannte Swiss Business Hubs (SBH) unter ihrer Leitung. Diese Hubs dienen als Ansprechpartner für Schweizer Unternehmen. Von diesem Netz sollen nun auch die Schweizer Agrarwirtschaft profitieren können, fordert Andreas Aebi.

Aebi vermisst Unterstützung durch den Bund

Insgesamt vermisst Aebi aber die Unterstützung durch den Bund. Als Vorbild sieht er Irland. «Der irische Staat unterstützt die Agrarbranche gewaltig. Auf dem chinesischen Markt ist Preis für irisches Babymilchpulver praktisch doppelt so hoch wie jenes aus der übrigen EU», hält er fest. Die Iren hätten ihre Produkte mit hoher Wertschöpfung global positioniert.

Die Schweiz mit ihren einzigartigen Qualitätsprodukten im Agrarbereich habe ebenfalls beträchtliches Potential. Denn die Swissness habe in China grosse Bedeutung, fährt er fort. «Die hierfür notwendigen Mittel sind vom Bund ebenfalls sicherzustellen. Unser Land muss hier mehr tun», fordert Aebi.

Motion Aebi

Mit der seiner Motion «Export-Initiative. Kein Sololauf der Landwirtschaft!» will Andreas Aebi den Bundesrat beauftragen:

1. die Zusammenarbeit der Bundesämter Seco, BLW und BLV betreffend Exportinitiativen für landwirtschaftliche Güter auf der gemeinsamen Basis der Switzerland Global Enterprise basieren.
2. auch im Agrarexport, wie bei der übrigen Wirtschaft, Mittel des Seco zur Exportförderung eingesetzt werden können.

«Ein paar Rappen mehr für Bauern»

Sollte das Parlament der Motion zustimmen und tatsächlich Mittel für die Exportförderung sprechen, wie will Aebi sicherstellen, dass auch die Milchbauern profitieren? «Die Frage stelle ich mir bei jedem Geschäft. Fakt ist: Realisieren wir dieselben Preise wie die irischen Hersteller in China, bleiben auch für den Milchbauern mehrere Rappen pro Kilo übrig. Sonst müssen wir gar nicht exportieren», ist er sich sicher.

Der Landwirt aus Alchenstorf ist zuversichtlich, dass das Parlament seiner Motion zustimmen wird. Aebi hat nicht nur China im Visier. Auch andere Märkte seien für Schweizer Milchprodukte interessant.

SMP-Vorstand unterstützt «Motion Aebi», Bundesrat dagegen

Der Vorstand der Schweizer Milchproduzenten unterstützt die Motion von Andreas Aebi zur Förderung koordinierter Exportinitiativen landwirtschaftlicher Güter. Zentral sei dabei, dass die verschiedenen Bundesämter (SECO, BLW und BLV) gemeinsam «am selben Strick in dieselbe Richtung ziehen», die vorhandenen Exporthubs genutzt werden könnten und auch Mittel für die Exportförderung des SECO für den Agrarbereich zur Verfügung stünden. «Im aktuellen Umfeld hat das Vorhaben hohe Dringlichkeit. Es soll auch dazu beitragen, nicht-tarifäre Handelshemmnisse im Bereich von neuen Handelsverträgen beim Export von Milchspezialitäten aus der Schweiz zu beseitigen», halten die SMP fest.

Der Bundesrat hingegen ist gegen die Motion von Aebi. Im Zuge der Agrarpolitik 2022+ will der Bund eine Exportplattform aufbauen. Dies soll die technischen Handelshemmnisse in bestimmten Zielmärkten überwinden, hält der Bundesrat in seiner Antwort fest. Mit dem Aufbau der Plattform Agrarexporte soll exportorientierten Firmen aus der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auf technischer Ebene Unterstützung geboten werden, ihre Produkte in «schwierigen» Ländern wie China und Russland zu registrieren. Die Aufgaben seien aber komplex. «Das Synergiepotential zu den Tätigkeiten von S-GE ist entsprechend gering», hält die Landesregierung fest.

Die Forderung von Aebi, Mittel des Seco bei der Exportförderung für Agrarbranche einzusetzen, sieht der Bundesrat als erfüllt. Im Rahmen des Exportförderungsgesetzes würden Unternehmen bei Absatzmöglichkeiten und beim Zugang zu ausländischen Märkten unterstützt, beispielsweise durch Beratung und Vermittlung von Kontakten, Geschäftsmöglichkeiten und Geschäftspartnern im Ausland sowie allgemeine Werbung im Ausland. «Durch Vermittlung von S-GE kann die geplante Plattform Agrarexporte (ebenso wie einzelne Firmen) das Know-how und Netzwerk der Swiss Business Hubs jederzeit nutzen», hält der Bundesrat fest.

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