4.01.2015 06:44
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchmarkt
Unsichere Aussichten zum Milchmarkt 2015
Nach dem Jahreswechsel ist zunächst mit einer Fortsetzung des Rückgangs der Milcherzeugerpreise in ganz Europa zu rechnen.

Nachdem die Molkereien im vergangenen Kalenderjahr für konventionelle Milch ab Hof mit 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß zwischen 37,00 Euro und 37,40 Euro pro 100 kg auszahlten, sind im Jahresdurchschnitt 2015 niedrigere Milchpreise zu erwarten. Davon geht die Zentrale Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) aus. Sie stuft die Aussichten für 2015 in ihrem Bericht „Milchmarkt 2014 wieder volatiler“, den der Milchindustrie-Verband (MIV) veröffentlich hat, als „unsicher“ ein.

Allerdings erwartet die ZMB, dass die niedrigeren Milchpreise die Produktion dämpfen und die Nachfrage anregen werden, was den „Markt dann wieder ins Gleichgewicht oder einen Nachfrageüberhang bringt“. Wie schnell dies greifen werde, bleibe noch abzuwarten. In der Europäischen Union besteht der ZMB zufolge außerdem die Sondersituation, dass ab April 2015 die quotenfreie Zeit beginnt und sich Erzeuger in verschiedenen Regionen auf Produktionssteigerungen eingestellt haben. Für den Marktverlauf im kommenden Jahr werde die Entwicklung des Milchaufkommens aber von entscheidender Bedeutung sein, so die ZMB. Für weitere Angebotsausweitungen scheine der Markt zunächst wenig aufnahmefähig zu sein.

Kräftige Quotenüberschreitung droht

Wie die ZMB im Rückblick auf das Jahr 2014 feststellt, sind in Deutschland die Milchanlieferungen an die Molkereien um schätzungsweise 3,4 % auf die Rekordmenge von rund 31,3 Mio t gestiegen. Dabei sei im Unterschied zu den Vorjahren in allen Bundesländern ein Wachstum verzeichnet worden. In Westdeutschland war das Plus laut der ZMB-Schätzung mit 4,4 % etwas stärker als in den neuen Ländern mit durchschnittlich 3,5 %. Bezogen auf das Milchwirtschaftsjahr 2014/15 zeichnet sich der ZMB zufolge ab, dass die Quotenüberlieferung und damit die Superabgaben im letzten Quotenjahr höher ausfallen werden als je zuvor.

Nachdem 2013/14 eine Überlieferung um 1,9 % erfolgte, droht für das laufende Quotenjahr eine deutlich größere Überlieferung von mehr als 1,0 Mio t. Während aber 2013/14 noch 54,4 % der Überlieferungen auf Bundesebene saldiert worden seien, werde 2014/15 der Saldierungssatz voraussichtlich deutlich sinken, da zahlreiche Unterlieferer bei den letzten Börsenterminen ihre freien Mengen verkauft haben dürften, so dass diese nicht mehr für die Saldierung zur Verfügung stünden, erläuterte die ZMB. Bei den drei Börsenterminen im Jahr 2014 waren insgesamt 809 582 t Milchquote gehandelt worden.

Produktionswert nochmals gestiegen

Den Produktionswert Milch veranschlagt die ZMB für das Jahr 2014 auf 11,7 Mrd Euro gegenüber 11,4 Mrd Euro im Jahr zuvor. Dies sei auf die höhere Anlieferungsmenge und einen fast stabilen Jahresdurchschnittspreis zurückzuführen. Die Preise für die meisten Milchprodukte waren laut ZMB-Angaben im ersten Halbjahr 2014 auf dem hohen Vorjahresniveau weitgehend stabil. Eine Ausnahme stellten die Käsepreise dar, die im Frühjahr 2014 erheblich unter Druck geraten seien.

Im zweiten Halbjahr kam es dann der ZMB zufolge bei allen Milchprodukten zu Preisrückgängen. Die Notierungen für Butter sanken im Vergleich zu 2013 um 14 %. Bei Magermilchpulver war der ZMB zufolge ein durchschnittlicher Rückgang bei der Lebensmittelware um 12 % hinzunehmen. Die Käsepreise gaben im kurzfristigen Geschäft im Schnitt um etwa 10 % nach. Molkenpulver in Futtermittelqualität wurde im Jahresmittel um 8 % niedriger notiert als 2013, nachdem zuvor die Preise fünf Jahre in Folge gestiegen waren. Zu den Erlösrückgängen kam es vor allem in der zweiten Jahreshälfte. In den ersten Monaten des Jahres wurden für die meisten Produkte deutlich höhere Preise erzielt als vor Jahresfrist.

Weltmarktpreise halbiert

Mit Blick auf den Weltmarkt führt die ZMB aus, dass das Angebot der wichtigsten Exportländer insgesamt im Lauf von 2014 bei zunächst hohen Milcherzeugerpreisen weltweit und überwiegend günstigen Witterungsbedingungen stark gestiegen sei. Gleichzeitig habe sich die Nachfrage aber teilweise reduziert. Die hohe Nachfrage aus China, die 2013 zu beobachten gewesen sei, habe sich 2014 in den ersten Monaten noch fortgesetzt. Im weiteren Jahresverlauf habe sie aber deutlich nachgelassen, da sich dem Vernehmen nach Bestände in China gebildet hätten. Der Export nach Russland, dem wichtigsten Drittlandkunden für die Europäische Union, habe sich bereits zu Beginn von 2014 schwierig gestaltet, da immer mehr Werke in Deutschland und auch in Nachbarländern die veterinärrechtliche Zulassung verloren hätten.

Im August 2014 habe Russland im Zuge der Ukrainekrise eine Importsperre für Milchprodukte für die gesamte EU und weitere westliche Länder verhängt. Damit seien die Lieferungen nach Russland über Nacht vollständig zum Erliegen gekommen. Die Nachfrage Russlands sei durch den Importstopp auch insgesamt am Weltmarkt reduziert, da eine vollständige Umverteilung der Warenströme auf die noch verbleibenden Lieferanten kurzfristig nicht möglich sei, stellt die ZMB fest. Das hohe Angebot und die geringere Nachfrage der beiden größten Importeure hätten die Preise am Weltmarkt zunehmend unter Druck gesetzt: Von April 2014 bis zum Jahresende hätten sich die Erlöse für die wichtigsten Milchprodukte etwa halbiert.

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