20.11.2016 07:11
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchkonsum
«Veganer reden Milchkonsum schlecht»
Herr und Frau Schweizer trinken immer weniger Milch. Dies trotz hohem Marketingaufwand der Schweizer Milchproduzenten (SMP) von 26 Mio. Fr. jährlich für den Milchabsatz. Ein Widerspruch? Jein, sagen die SMP.

Zwischen 2004 und 2015 sank der Schweizer Pro-Kopf-Milchkonsum von 80,9 kg auf 59,1 kg, was einem Rückgang von 27 Prozent entspreche. Das schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft in seinem Marktbericht Milch.

Auch dieses Jahr ging die Nachfrage nach Molkereiprodukten zurück. Die kumulierte Verwertung für Molkereiprodukte für die Monate Januar bis August 2016 betrug 587631 Tonnen. Daraus resultiert  eine Abnahme von 8431 Tonnen oder minus 1,4 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode.

Viel Geld fürs Marketing

Diesem rückläufigen Milchkonsum stehen hohe Marketingaufwendungen der SMP für das Basismarketing gegenüber. Die SMP wollen zwar selber nicht sagen, wie viel sie fürs Marketing ausgeben. Die Äufnung des Fonds fürs Milchmarketing lässt sich jedoch einigermassen erschliessen. Die SMP erheben unter anderem 0,525 Rp./kg für den Marketingfonds sowie 0,2 Rp./kg für das Basismarketing Schweizer Käse. Im Kalenderjahr 2015 produzierten die Milchbauern 3486177 Tonnen Milch für die Verarbeitung in den Molkereien und Käsereien. Bei 0,525 Rp./kg gibt das nach Adam Riese 18,3 Millionen Franken.

Das BLW gab 2015 8 Millionen für Absatzförderung Milch und Butter aus.  Zusammen mit den 8 Millionen Franken des Bundes gibt das rund 26,3 Millionen Franken, mit dem der Marketingfonds mutmasslich alimentiert wurde.

Wie erklären die SMP, dass der Milchkonsum trotz aufwendigem Basismarketing laufend zurückgeht? «Es stimmt, dass der Absatz im Segment Trinkmilch seit einigen Jahren rückläufig ist», räumt SMP-Sprecher Reto Burkhardt ein, relativiert aber sogleich.

Ohne Selbstversorgung

Um aussagekräftige Zahlen zu erhalten, sollte der Konsum ohne die Selbstversorgung betrachtet werden, betont er.  Zwischen 2004 und 2015 sank der Schweizer Pro-Kopf-Milchkonsum (ohne Selbstversorgung der Milchproduzenten) somit von 63,5 kg auf 53,4 kg. Durch einen Mehrabsatz anderer Milchprodukte werde der Konsumrückgang bei der Trinkmilch jedoch durch Zunahme von Trendprodukten wie Milchmischgetränke oder Frischkäse weitgehend kompensiert. «Trotz rückläufigem Absatz von Konsummilch ist die Nahrungsenergie, die über Milch und Milchprodukte aufgenommen wird, nahezu stabil», so Burkhardt. Für die Schweizer Milchproduzenten sei  der Gesamtabsatz aller Milchprodukte entscheidend.

Trotzdem bleibt die Tatsache, dass der Trinkmilchkonsum, der im Basismarketing eine grosse Rolle spielt, zurückgeht. Und es bleibt dabei, dass der Gesamtabsatz von sämtlichen Milchprodukten eher stagniert. «Es ist nicht statthaft, einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Swissmilk-Basismarketing und dem Konsumrückgang von Milch und Milchprodukten herzustellen. Denn Schweizer Milch steht aus mehreren, von Swissmilk nicht beeinflussbaren Gründen unter Druck», erwidert Burkhardt.

Tierschutz und Veganer

Zu nennen seien sich verändernde Konsumgewohnheiten wie etwa das vermehrte Weglassen des Frühstücks zu Hause. Auch die demografischen Veränderungen (Migration, älter werdende Gesellschaft) würden  den Konsum negativ beeinflussen. Ein weiterer schwerwiegender, negativer Einflussfaktor sei das Schweizer Preisniveau und  der Einkaufstourismus, der in keiner Statistik auftauche. «Coop hat dies an der DV des SBV vom Donnerstag mit 257 Mio. kg beziffert, davon 100 Mio. Franken beim Käse. Dazu kommen Angriffe von Veganern oder Tierschützern, welche Milch und Milchprodukte in der Öffentlichkeit schlechtreden, sei es aus gesundheitlichen oder ökologischen Zweifeln, sei es aus Gründen einer vermeintlich fragwürdigen Tierhaltung», fügt der SMP-Sprecher an.

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