1.03.2013 13:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter/Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Verarbeiter und Bauern sind uneins
Die Branchenorganisation Milch (BOM) verabschiedet sich von sämtlichen Fonds. Während die Produzentenvertreter zumindest beim Schoggigesetz eine Lösung wollten, fand sich bei den Verarbeitern keine Mehrheit.

Für die Weiterführung des Fonds Marktentlastung für die Fettstützung wie auch des Interventionsfonds zur Deckung der Erstattungslücke beim Schoggigesetz fand sich auf Seite der Verarbeiter keine Mehrheit mehr. Dies im Gegensatz zur Produzentenseite, welche vor allem den Interventionsfonds hätte weiterführen wollen.

Keine Überraschung

Dass sich die BOM vom Fonds Marktentlastung und dem Interventionsfonds verabschiedet, mag auf den ersten Blick erstaunen. Für BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber zeichnete sich dieser Entscheid aber ab. «Die Meinungen innerhalb der Branche gehen diametral auseinander, da findet man keine Mehrheiten mehr für Marktausgleichsinstrumente», erklärt Gerber.

Für ihn liegt der Hauptgrund im zweiteiligen Marktsystem. Dies, da die Grenzen beim Käse gegenüber der EU offen sind, bei der Molkereimilch hingegen nicht. So seien die Käseproduzenten, die gewerblichen Käsereien und die Industriebetriebe nicht mehr bereit, sich an Fonds zu beteiligen. Weiter will er den Entscheid aber nicht kommentieren. Die gewerblichen Käser waren also gegen die Weiterführung des Interventionsfonds auf privatrechtlicher Basis ohne Allgemeinverbindlichkeit.

Käser bevorzugen vertikale Lösung

Aber nicht nur sie, wie Fromarte-Direktor Jacques Gygax betont: «Wir waren nicht die einzigen, welche dagegen waren.» Während beim Fonds Marktentlastung mit Unterstützung der Käser ein Abbau der Butterlager gelungen sei, anerkenne er zwar, dass wegen der Finanzierungslücke beim Schoggigesetz weiterhin Handlungsbedarf bestehe. «Wir gewerblichen Käser bevorzugen aber eine vertikale Lösung, also eine konsequente Umsetzung der Segmentierung. Privatrechtlich würde der Fonds nur möglich, wenn die Überzeugung vorhanden wäre», betont er. Eine Abgabe auf verkäster Milch für das Schoggigesetz sei immer umstritten gewesen.

Lorenz Hirt, Geschäftsführer der Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie (VMI), stand aus Zeitgründen nicht für eine  Stellungnahme zur Verfügung.

Produzenten enttäuscht

Dass sich die Verarbeiterseite nicht mehr mehrheitlich am Fonds beteiligen wollte, bedauert Hanspeter Kern, Präsident der Vereinigten Milchproduzenten Mitte-Ost (VMMO). Er nimmt als einer von momentan zwei Vertretern der Schweizer Milchproduzenten (SMP) im BOM-Vorstand Einsitz. «Die Milchproduzentenvertreter im BOM-Vorstand wollten einstimmig am Fonds festhalten», informiert er.

Insbesondere die Wichtigkeit des Interventionsfonds sei für die Milchproduzenten unumstritten. Kern bedauert, dass ohne Interventionsfonds die Kosten der Rohstoffverbilligung nicht mehr solidarisch auf alle Milchproduzenten verteilt werden könnten. Es würde jetzt nur jene Lieferanten betreffen, welche in entsprechende Kanäle Milch lieferten. Kern weiss um die Gefahr des Preisdrucks, sieht es aber nicht nur schwarz. «Die Gelder von Bundesseite fliessen, und wir werden  über einen parlamentarischen Nachtragskredit alles daran setzen, um genügend Geld zusammenzubringen», versichert Kern. Denn zum Veredelungsverkehr dürfe es nicht kommen.

Werner ist zufrieden

Doch es gibt auch einzelne Produzentenvertreter, welche mit der Abschaffung der Fonds gut leben können. Zufrieden über die Abschaffung der Kässeli zeigt sich Roland Werner, Präsident der Thur Milch Ring AG: «Ich nehme zur Kenntnis, dass man endlich einsichtig wurde.» Er sei überzeugt, dass es dieses Jahr keine Überschüsse gebe. Und sollte es in Folgejahren zu Überschüssen kommen, müssten diese als C-Milch eingekauft und ungestützt exportiert werden.

Zum Interventionsfonds meint er: «Die Rohstoffverbilligung über das Schoggigesetz ist Aufgabe des Bundes, schliesslich verteuert er auch Importware über Zölle und generiert so Einnahmen.» Diese seien höher als die Ausgaben fürs Schoggigesetz.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE