25.04.2018 09:09
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Verluste der Milchbauern steigen
Konventionell wirtschaftende Milchbauern in Deutschland machen nach Berechnungen des Büros für Agrarsoziologie und Landwirtschaft (BAL) seit Jahresbeginn wieder grössere Verluste.

Wie die MEG Milch Board vergangene Woche mitteilte, standen diesen Berechnungen zufolge im Januar 2018 einem durchschnittlichen Milchpreis von 36,75 Cent/kg Produktionskosten von 41,81 Cent/kg gegenüber. Damit habe die Kostendeckung nur noch bei 88 % gelegen.

Steigende Milcherzeugungskosten waren laut der MEG zuletzt von fallenden Milchpreisen begleitet. So habe der Milcherzeugerpreis seit Oktober 2017 um 3,6 Cent (4.3 Rp.) nachgegeben, während sich die Produktionskosten um 0,51 Cent (0.61 Rp.) erhöht hätten. Innerhalb eines Quartals habe sich damit die Unterdeckung der Milcherzeugungskosten von 2 auf 12 Prozent vergrössert. Somit deckt der Milchauszahlungspreis zwölf Prozent der Erzeugungskosten nicht ab.

Der Vorstandsvorsitzende der MEG Milch Board, Peter Guhl, äusserte die Befürchtung, dass die Milchmengen zunächst weiter zunehmen und die Talsohle bei den Preisen mit grosser Wahrscheinlichkeit noch nicht erreicht ist. Zudem belaste immer noch ein riesiger Magermilchpulverberg in der EU den Markt. Notwendig seien Reformen des Milchmarktes, die aber die Molkereiwirtschaft nicht wolle, so Guhl. Dabei lägen gute Vorschläge auf dem Tisch, wie beispielsweise das Marktkrisen-Management-Konzept des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Laut Angaben der Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), Sieta van Keimpema, ist die Lage auf dem Milchmarkt in der ganzen EU problematisch. In den Niederlanden hätten die Milchpreise pro Kilogramm im März bei durchschnittlich 35,50 Cent (42.5 Rp.), in Frankreich bei 34,22 Cent (40.96 Rp.)  und in Belgien bei nur 31,97 Cent (38.3 Rp.) gelegen, die Produktionskosten jedoch jeweils über der Marke von 40 Cent (47.9 Rp.).

Van Keimpema kritisierte, dass die EU-Politiker die Schieflage akzeptierten und keine Anstalten machten, die Situation langfristig zu stabilisieren. „Das entspricht in keinster Weise dem Auftrag, den der Vertrag von Lissabon an die Politik gibt. Hier heisst es in Artikel 39, dass der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung gewährleistet werden soll“, betonte die EMB-Vizepräsidentin. Sie forderte, dem Preisverfall durch Übermengen mit dem Marktverantwortungsprogramm (MVP) zu begegnen.

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