19.04.2019 10:44
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Verträge für Milchbauern beste Lösung
Die MEG Milch Board sieht sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass verbindliche Lieferverträge zwischen Produzenten und Molkereien über Mengen und Preisen zu einer Stabilisierung des Milchmarktes und einer verbesserten Stellung der Bauern führen werden.

Wie die Milcherzeugergemeinschaft vergangene Woche mitteilte, kommt nun auch eine von ihr beim Beratungsunternehmen Lademann & Associates GmbH (L&A) in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Preisbildungsprobleme im Rohmilcherfassungsmarkt“ zu dem Ergebnis, dass verbindliche Lieferverträge Wettbewerbshemmnisse am Milchmarkt abbauen würden.

Molkereien diktieren Preis

So führen laut der Untersuchung die genossenschaftlichen Lieferbeziehungen mit Andienungs- und Abnahmezwang und einem Marktanteil von 70% dazu, dass der Wettbewerb auf dem Rohmilcherfassungsmarkt eingeschränkt ist. In diesem starren System entschieden die Produzenten als Lieferanten über die produzierte Menge und die Molkereien als Abnehmer nachträglich über den Preis. Genossenschaftliche Grossmolkereien seien dabei für den gesamten Markt preisbildend, auch bei unzureichender Wertschöpfung.

In Krisenzeiten würden die Milchbauern bei garantierter Abnahme zur Sicherung ihres Einkommens die Erzeugungsmengen steigern, um so wenigstens ihre Umsätze zu erhöhen. Solch ein System setze deshalb falsche Anreize und begünstige Überproduktion und niedrige Preise. Durch verbindliche Verträge gemäss Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation (GMO) mit festen Mengen und Preisen gelinge es aus ökonomischer Sicht besser, die Mengen im Markt zu regulieren und die Preise zu stabilisieren, folgern die Autoren der Studie.

Abbau von Wettbewerbsverzerrungen

Die Produktion werde dann nicht mehr einseitig durch eine Vielzahl von unabhängigen Mengenentscheidern beeinflusst, sondern entspreche der Summe aller geschlossenen Verträge. Zugleich würden die Molkereien bei festen Preisen gezwungen, ihr Kalkulationsverhalten in Richtung einer bedarfsgerechten Produktion zu ändern.

Durch die verbindliche Einführung der Vertragslösung nach Artikel 148 GMO mit der Massgabe konkreter Preise und Mengen lassen sich der Studie zufolge auch weitere Wettbewerbsdefizite abbauen. So würden im Moment durch die einseitige nachträgliche Preisfestsetzung der Molkereien die Marktrisiken auf die Bauern abgewälzt. Die Erzeuger seien jedoch in einer schlechteren Informationsposition bezüglich wichtiger Marktinformationen zur Mengenplanung. Die Folge seien grosse Preisschwankungen auf dem Markt für Rohmilch.

Mengen und Preise festschreiben


Milchlieferverträge würden dem entgegenwirken, weil dann Entscheidungen dorthin verlagert würden, wo die Risiken und Chancen besser beurteilt werden könnten. Des Weiteren würden den Molkereien, die dann um die Milch der Produzenten werben müssten, bessere Anreize für die Erzielung einer hohen Wertschöpfung gesetzt. Zudem könne die Bündelung der Rohmilch in Milcherzeugergemeinschaften im Falle eines „umfassenden Wettbewerbs der Lieferverträge“ zu einer deutlichen Stärkung der Erzeugerinteressen gegenüber den Molkereien führen.

Die MEG Milch Board fordert deshalb, dass Deutschland vom Artikel 148 GMO Gebrauch macht und ein vertragliches Verhältnis über Liefermengen und Preise sowie deren Laufzeiten vorgeschrieben wird.

Vier zentrale Ergebnisse der Studie:

1. Eine vollständige Andienungspflicht bei gleichzeitiger Abnahmegarantie, die noch immer prägend für einen Grossteil der erzeugten Rohmilchmenge gilt, führt zu einer Marktverschliessung und begünstigt Überproduktion und niedrige Preise.

2. Modellhaft kann gezeigt werden, dass die derzeitige Marktstruktur, die die Molkereien in die Lage versetzt, ohne die vollständige Berücksichtigung der Erzeugerkosten die angediente Rohmilch abzunehmen und möglichst zu verarbeiten und abzusetzen, die Bauern deutlich schlechter stellt als in einer Situation, in der Produzenten und Molkereien über Preise verhandeln, bevor die Molkerei beliefert wird.

3. Durch die einseitige nachträgliche Preisfestsetzung der Molkereien wälzen diese die Marktrisiken auf die Bauern ab. Die Produzenten sind dagegen in der inhärent schlechteren Informationsposition bezüglich wichtiger Marktinformationen zur Mengenplanung, mit der Folge, dass regelmässig zu hohe Milchmengen auf den Markt kommen, mit dem Ergebnis, dass es zu grossen Preisschwankungen auf dem Markt für Rohmilch kommt.

4. Aus ökonomischer Sicht kann die Beziehung zwischen Genossenschaftsmolkereien und Milchbauern nach dem Prinzipal-Agent-Problem verstanden werden: (Genossenschaftliche) Molkereien, die „Agenten“, verfolgen eigene Interessen und handeln nicht im Sinne der Genossenschaftsmitglieder, den „Prinzipalen“. Gleichzeitig verfolgen auch die Bauern unterschiedliche Interessen, die nur durch eine für alle Akteure gültige Regulierung zum Wohle aller miteinander vereinbart werden können. 

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